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Leben 28. April 2009

Willi Resetarits und Stubnblues

Blaue Lieder: gut gegen Traurigkeit.

Volksverbunden und eigenwillig – Willi Resetarits war immer nah bei „die Leit“ und hat gleichzeitig gegen Ungerechtigkeit und Dummheit angekämpft. Das war schon bei den legendären „Schmetterlingen“ in den 1970er- Jahren so, setzte sich im Kurt Ostbahn fort und reißt auch heute nicht ab. Und so ist die Musik, die er jetzt auf seiner neuen dritten Stubnblues CD „No so vü“ präsentiert: einerseits wunderschön zum Anhören – aber die Texte haben’s in sich.

 

Was ist der Stubnblues? Blues ist ja grundsätzlich die traurig melancholische Grundstimmung, die einen manchmal – aber nicht immer – völlig grundlos befällt, manchmal hart an der Depression vorbeischrammt, aber letztlich immer noch eine positive Ecke übrig hat. Und Blues ist auch etwas, das Wien und New Orleans verbindet – so schön traurig ist man sonst selten wo. Die „Stubn“ wiederum ist vor allem im ländlichen Raum der zentrale Ort der Wohnstatt, da, wo sich das Leben der Bewohner hauptsächlich abspielt. Treffpunkt, Essplatz, Ort für geselliges Beisammensein und heftige Auseinandersetzungen – kann aber natürlich auch weiter gefasst werden als die vier Wände, in denen einem dann die Decke auf den Kopf fallen kann. Dann ist er perfekt, der Stubnblues. Dann hilft vielleicht die urwienerischste Eigenschaft – das Raunzen – oder auch, sich die Last von der Seele zu singen. Und das tut stellvertretend für alle Betroffenen Willi Resetarits mit seiner Band „Stubnblues“ mit Hingabe und sehr echt, und weil ihm das immer ein Anliegen war und ist, bringt das Ganze auch Rat und Trost. Denn Willi Resetarits ist bei aller Aufmüpfigkeit ein sehr sozialer und versöhnlicher Mensch.

Die Musik, die die Stubnblues spielen, ist überwiegend nicht klassisch bluesig – sie ist melodisch, jazzig mit feinen Saxophon-, Trompeten- und Mundharmonika-Soli und zeigt mit starkem Rhythmus die Nähe zum Herzen. Die Instrumentierung ist durchaus traditionell, schreckt vor einem bisweilen poppig-geschnalzten Schlagzeug ebensowenig zurück, wie vor volksmusikalischem Klang in purer Schlichtheit und Eindringlichkeit – ohne banal oder gar schnulzig zu werden.

Die Texte stammen von Resetarits selbst, von den Band-Mitgliedern, aber auch von Ernst Molden und besonders gerne greift man auf den Vater der Wiener Mundart-Dichtung, H. C. Artmann, zurück. Mit dem hatte die Band schon 1994 so etwas wie den Stubnblues fabriziert, lange vor der Existenz dieses Begriffs. So findet sich nun auf der neuen Stubnblues-Sammlung etwa die ziemlich böse Ballade „fon da zuagschbeadn gredenz“ – wo die Zimmerfrau, „de weissenbeck de schiache haud“, leider mit dem Nudelwalker erschlagen werden muss, und die zwei „Hawara“ statt des erhofften Geldes eine Gefängnisstrafe bekommen. Oder Resetarits wartet vergeblich am Bahnhof Floridsdorf auf seine Liebste, beschreibt die Leute, seine Sehnsucht und seine Angst – mit kratzig-raunziger Stimme im nasalen breiten Wiener Dialekt trotz seiner burgenländischen Wurzeln.

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