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Die Vorteile einer Zusatzkrankenversicherung dürfen sich lediglich auf Unterbringung und Arztwahl beziehen, sagt das Gesetz.
 
Leben 16. Februar 2012

Falsche Erwartungen wecken

Österreichs Zusatzkrankenversicherungen versprechen häufig mehr, als der Gesetzgeber erlaubt.

Der Verein für Konsumenteninformation (VKI) hat sieben österreichische Zusatzkrankenversicherungen von Generali, Uniqua, Merkur, Muki, Donau, Allianz und Wiener Städtische unter die Lupe genommen. Fazit: Manche Versicherer versprechen mehr, als sie eigentlich dürften.

 

Wer eine Zusatzkrankenversicherung abgeschlossen hat, erhält deutlich rascher einen notwendigen Operationstermin als Kassenpatienten, das zeigte bereits ein VKI-Test vom September des Vorjahres. Tatsächlich sieht das österreichische Krankenversicherungssystem diesbezüglich keine Vorteile für privatversicherte Patienten vor. Versprechungen, der Abschluss einer Zusatzkrankenversicherung würde die Wartezeit auf OP-Termine verkürzen, sind daher unseriös. „Unser Einwand, dass sich die Vorteile lediglich auf Unterbringung und Arztwahl beziehen dürften, nützt wenig“, klagen daher die Konsumentenschützer. Und weiter: „Offenbar schließen aber viele Privatversicherte ihre Polizzen in der festen Meinung ab, sich damit auch Vorteile im medizinischen Bereich zu erkaufen. Dies lässt vermuten, dass die Anbieter von Zusatzversicherungen mit einer besseren medizinischen Versorgung werben, um ihre Produkte besser an die Kunden zu bringen.“

Das Gesetz schreibt hingegen vor, dass dies nicht zulässig ist, weil sich der Unterschied zwischen Sonderklasse und allgemeiner Gebührenklasse alleine auf die Unterbringung im Krankenhaus (Ein- oder Zweibettzimmer, Verpflegung) und die Möglichkeit, sich vom Arzt seiner Wahl behandeln zu lassen, beschränkt. Eine Zusatzkrankenversicherung erstreckt sich auch nicht auf die Qualität der medizinischen Versorgung, diese muss für alle gleich sein.

Blickt man hingegen auf die Internetauftritte der sieben Assekuranzen, zeigt sich, dass einige Anbieter deutlich über die gesetzlichen Regelungen hinausschießen.

Die Online-Versprechungen

Die Allianz wirbt unter dem Titel „Privatpatienten haben es besser“ mit der Aussage: „Keine Wartezeit bei wichtigen Operationen.“ Darüber hinaus heißt es bei der Allianz: „Mit der Krankenhauskosten-Versicherung der Allianz gibt es keine Wartezeit auf Operationen, wie ansonsten bei Bandscheibenvorfällen üblich / Mit der Sicherheit ‚Ihres‘ Privatarztes im bequemen Komfortzimmer des Wahl-Krankenhauses.“

Auch die Uniqua deutet unter dem Slogan „Sonderklassepatient im Spital – die beste Vorsorgeform. Oder gibt es noch mehr?“ gewisse Vorteile mehr als nur an: „Sie werden von einem fertig ausgebildeten Arzt Ihrer Wahl behandelt. Sie können den Zeitpunkt Ihrer Behandlung oder einer nicht akuten Operation mit beeinflussen.“

Nur ein wenig moderater gibt sich die Wiener Städtische: „Sie werden besser behandelt“, heißt es da etwa. Oder auch: „Sie bekommen schneller wichtige Behandlungstermine.“

Etwas zurückhaltender wirbt die Donau Versicherung Kunden. Hier beschränkt man sich darauf, wichtige Behandlungstermine schnell in Aussicht stellen zu können. Zumindest was die Online-Werbung auf der Website angeht, geben sich die Versicherungen Merkur und Muki seriöser. Hier fehlen Aussagen, die eine bessere medizinische Versorgung und raschere Spitalstermine anpreisen.

Auskunft per E-Mail

In der Folge haben für den VKI vier Testpersonen per E-Mail bei jedem Versicherer ein Angebot eingeholt (insgesamt 28 Anfragen). Angefordert wurde immer der Tarif für die „Sonderklasse im Spital“. Außerdem erkundigten sich die Testpersonen nach Vorteilen, die Zusatzversicherten im Allgemeinen eingeräumt werden.

Nur in 18 Fällen erhielten die Testpersonen ein Angebot. Allianz und Donau gaben per Mail keine Auskunft und verwiesen darauf, dass ein persönliches Beratungsgespräch für ein Angebot unerlässlich sei. Drei Mal erfolgte ein Hinweis, dass die Anfragen weitergeleitet werden, was aber schließlich nicht geschah. In fünf Fällen wurde die Anfrage schlicht ignoriert. In vielen der 18 E-Mail-Angebote fanden sich abermals nicht gesetzeskonforme Versprechungen. In rund einem Drittel wurde mehr oder weniger deutlich mit Hinweisen geworben, die eine bessere medizinische Versorgung in Aussicht stellten. In einem Allianz-Mail hieß es etwa: „….der wichtigste Vorteil ist, dass Sie enorm verkürzte Wartezeiten bei dringenden und notwendigen Behandlungen haben. Des Weiteren haben Sie in Vertragskrankenhäusern freie Arztwahl, 2-Bett-Zimmer und vor allem den besten Zugang zur besten Medizin“. Ein weiteres Allianz-Mail versprach „keine Wartezeiten auf wichtige OP- und Behandlungstermine“. In den Generali-Angeboten findet sich die Aussage: „Ihr weiterer Nutzen: Freie Wahl des Arztes bzw. des Spitals, beste und modernste Heilmethoden, bevorzugte Behandlung und keine Wartezeiten in Spitälern“. Schließlich versprach ein Uniqua-Mail „raschere OP-Termine“. Von der Merkur-Versicherung kam immerhin ein Mail, in dem keine falschen Versprechungen gemacht wurden.

Wie schon auf der Website verhielten sich die Berater der Wiener Städtischen in ihren E-Mail-Angeboten gesetzeskonform. In keinem der vier unterbreiteten Angebote findet sich ein Hinweis auf schnellere Behandlung oder bessere medizinische Versorgung. Ebenso verhielt es sich bei den drei Rückmeldungen der Muki-Versicherung.

Zwei-Klassen-Gesellschaft?

Sowohl der Online-Auftritt von Allianz, Generali & Co als auch die E-Mail-Reaktion auf die Anfragen der vier Testpersonen lässt den Schluss zu, dass der Abschluss einer Zusatzversicherung eine bessere und raschere Behandlung mit sich bringt. „Befinden wir uns also tatsächlich auf dem Weg in eine Zwei-Klassen-Medizin?“, fragen sich daher nicht nur die Konsumentenschützer. „Die Antwort, die wir von einer Allianz-Agentur erhielten, lässt jedenfalls tief blicken“, so der VKI. In dem Antwortschreiben hieß es ganz unverblümt: „…die Leistungen der (gesetzlichen) Krankenkassen werden noch schlechter und die Zwei-Klassen-Gesellschaft wird in diesem Bereich mehr forciert.“

Gallup-Umfrage zur Zusatzkrankenversicherung
Welche Vorteile die Österreicher im Abschluss einer Zusatzversicherung sehen, zeigt eine Gallup-Umfrage unter 1.000 Personen vom Herbst 2011. An erster Stelle wurde „eine bessere medizinische Versorgung“ genannt (36%). Jeder Fünfte würde eine private Versicherung abschließen, weil er sich um den Ausfall der gesetzlichen Krankenkassen sorgt. 17 Prozent glauben, dass Sonderklassepatienten eine bessere Versorgung und Pflege erhalten. 13 Prozent erwarten sich „besseren Komfort“, also eine Leistung, die tatsächlich mit einer Zusatzversicherung verknüpft sein sollte. Jeder Zehnte würde sich gerne privat versichern, um die Wartezeit auf eine Behandlung zu verkürzen. Nur fünf Prozent sehen in der tatsächlich mit der Sonderklasse verbundenen freien Arztwahl einen Vorteil, der für eine Zusatzversicherung spricht.

Von M. Strausz , Ärzte Woche 7 /2012

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