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Allergische Rhinitis mit ihren unangenehmen Symptomen beeinträchtigt die Lebensqualität der Betroffenen massiv.
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Leben 9. Februar 2012

Pollenalarm – stets aufs Neue

Patienten mit allergischer Rhinitis werden meist nicht nur von tränenden Augen und Niesattacken geplagt. Auch Aktivität und Schlaf sind oft in Mitleidenschaft gezogen.

Studien zur Lebensqualität verdeutlichen einen hohen Leidensdruck von Patienten mit allergischer Rhinitis. So sind vor allem die körperliche Aktivität, Schlaf, die allgemeine Lebenszufriedenheit sowie die praktischen Alltagsaktivitäten beeinträchtigt. Gelegentlich kommt es sogar zu Arbeitsunfähigkeit – vor allem, wenn zusätzlich asthmatische Beschwerden vorhanden sind.

 

Dass Betroffene eine gezielte und wirksame Therapie – und Beratung in der Apotheke – benötigen, zeigt sich auch darin, dass immer mehr Patienten nicht nur für ein paar Wochen, sondern das ganze Jahr über unter allergischen Symptomen leiden, wie Untersuchungen ergaben.

Neue Klassifikation der Symptomatik

Die WHO-Initiative „Allergic Rhinitis and its Impact on Asthma“ hat aufgrund dieser Erkenntnisse auch die ARIA-Klassifikation erstellt. In dieser wird die allergische Rhinitis (AR) nun in „intermittierend“ und „persistierend“ unterteilt (Allergologie 32, 2009, 306). Danach haben nur etwa 20 Prozent der AR-Patienten einen reinen Heuschnupfen (intermittierende allergische Rhinitis), etwa 40 Prozent der Patienten haben das ganze Jahr über Symptome und weitere 40 Prozent Mischformen. Zur symptomatischen Therapie bei leichten bis mäßig schweren intermittierenden beziehungsweise leichten persistierenden Beschwerden sind nach den ARIA-Empfehlungen H1-Antihistaminika Mittel der Wahl. Neben den verschreibungspflichtigen neuen Substanzen wie Rupatadin und reinen Stereoisomeren wie Levocetirizin stehen in der Apotheke auch etliche rezeptfreie Substanzen für die Empfehlung zur Verfügung.

Zu den modernen OTC-Substanzen der 2. Generation, die nahezu ausschließlich an peripheren Rezeptoren angreifen und so keine unerwünschten sedierenden Effekte haben, zählen die oral einzunehmenden Stoffe Cetirizin und Loratadin. Ist die Nase stark verstopft, können sie auch kurzzeitig (5-7 Tage) mit abschwellenden Nasentropfen kombiniert werden.

Die H1-Antihistaminika gibt es in den verschiedensten Zubereitungsformen, etwa als Saft, Tropfen, Film- und Brausetabletten, sodass sehr individuelle Empfehlungen möglich sind. In der Regel genügt bei Erwachsenen aufgrund der langen Halbwertszeit der Substanzen Cetirizin und Loratadin bei Tabletten zum Beispiel die einmal tägliche Einnahme – vorzugsweise am Abend und auf nüchternen Magen. Wichtig bei der Beratung ist der Hinweis auf die konsequente Heuschnupfen-Therapie. Denn unbehandelt kann sich im schlimmsten Fall ein ausgewachsenes Asthma entwickeln, warnt auch das Infozentrum für Prävention und Früherkennung (IPF). Darüber hinaus entwickelt sich oft auch eine Unverträglichkeit gegen Nahrungsmittel. Baumpollenallergiker vertragen dann zum Beispiel keine Äpfel mehr.

Beclometason intranasal lindert Entzündungsreaktion

Neben den oralen stehen zudem die lokal applizierbaren H1-Antihistaminika Azelastin und Levocabastin als Nasenspray und Augentropfen zur Verfügung, die gezielt gegen Niesattacken und tränende, juckende Augen wirken.

Außerdem hat sich gezeigt, dass die intranasale Applikation von Kortison die allergische Entzündungsreaktion mindert und alle nasalen Symptome, etwa die behinderte Atmung, bessert. In der ARIA-Leitlinie wird daher die Anwendung bereits bei mäßig schwerer intermittierender Symptomatik und leichter persistierender Symptomatik empfohlen. Neben den rezeptpflichtigen Präparaten stehen hier für die kurzfristige Selbstmedikation (5-7 Tage) auch rezeptfreie, niedrig dosierte Nasensprays mit Beclometason zur Verfügung. Damit das Steroid nicht direkt gegen die Nasenschleimhaut gesprüht wird und das Atrophierisiko erhöht, empfiehlt sich der Tipp, mit der rechten Hand ins linke Nasenloch (und umgekehrt) zu sprühen.

Chromone (Cromoglicinsäure, Nedocromil) sind weitere rezeptfreie Substanzen, die unterstützend bei allergischer Rhinitis empfohlen werden können.

Wichtig: Sorgfältige Kundenberatung

Die Präparate zur Inhalation oder intranasalen/intraokulären Applikation tragen zur Stabilisierung der Mastzellen bei und mindern so die Ausschüttung von Histamin. Die volle Wirkung benötigt allerdings ein paar Tage Vorlauf. Kunden müssen zudem darauf hingewiesen werden, dass die Präparate regelmäßig zwei- bis viermal täglich angewendet werden müssen.

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