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Foto: A. Ginzel
Prof. Dr. Herbert Pietschmann war Vorstand des Instituts für theoretische Physik, Uni Wien
 
Leben 24. Jänner 2012

Ist die evidenzbasierte Medizin ohne Fehl und Tadel?

Nachgefragt, bei Prof. Dr. Herbert Pietschmann: 

Ich schicke voraus, die evidenzbasierte Medizin hat in weiten Bereichen große Erfolge gebracht. Ich bin der Letzte, der etwas dagegen hat. Denn ohne High tech wäre ich heute am rechten Auge blind. Wogegen ich mich nur wehre, ist deren Verabsolutierung.

Denn die evidenzbasierte Medizin bezieht sich wieder nur auf unseren Denkrahmen, und das heißt, als Evidenz wird nur anerkannt, was messbar, widerspruchsfrei reproduzierbar und kausal begründbar ist. Alles andere fällt unter den Tisch. Ja, könnte man sagen, wie sollte man denn sonst Gesundheit definieren?

Ich sage darauf immer: Bei Gericht wird auch eine eidesstattliche Erklärung ernst genommen. Warum dieses Prinzip nicht übernehmen? Also nicht unbedingt gerade eidesstattliche, aber glaubwürdige Aussagen des Menschen, ob er sich nach der Behandlung besser oder schlechter fühlt, ebenso ernst nehmen wie irgendwelche Messungen, die am Menschen gemacht werden. Aber das wird nicht gemacht, weil es nicht in unseren Denkrahmen passt.

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