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Fotos (3): aus dem besprochenen Buch

Ein neues Buch von Christine Haiden und Petra Rainer. Das bewährte Duo, die eine Autorin, die andere Fotografin, stellen nun Sonderpaare vor, so auch der Titel ihres im Residenz Verlag erschienen jüngsten Werks. Wie lebt es sich zusammen? Wie schafft man es auch, zusammenzubleiben? In früheren Jahren war das wohl das Selbstverständlichste von der Welt, in unserer Zeit offensichtlich nur noch mit größter Anstrengung zu schaffen. Wo liegt also das Geheimnis? 20 Paare kommen in dem Werk zu Wort, alles Sonderpaare, da sie nicht in das übliche Raster passen. So beispielsweise das Schriftstellerpaar Peter Turrini und Silke Hassler, das getrennte Wohnsitze hat. So viel wird bei der Lektüre klar: Jedes Leben zu zweit ist Abenteuer und ein Ringen.

Foto: Privat

Mag. Albert Klebel Jurist und Fotograf, Wien

 
Leben 24. Jänner 2012

„Berechtigte Interessen sind zu wahren“

Gespräch mit dem Juristen und Fotografen Albert Klebel.

Ohne die fotografische Dokumentation kein Beweis, auch kein Fortschritt. Die Kamera als wertvolles Werkzeug in der Hand des Mediziners. Was darf er fotografieren, was nicht? Wo sind die Grenzen, im Beruf wie im Privatleben?

 

Es war kein Geringerer als Robert Koch, der 1877 erstmals Fotoaufnahmen von Bakterien publizierte. Das Verdienst des Nobelpreisträgers liegt mithin nicht nur in der Aufdeckung des biologischen Verhaltens von Anthraxerregern, sondern auch, was kaum bekannt ist, in der Entwicklung einer instrumentell gestützten Visualisierungstechnik. Mit dem Foto gab es nun ein Dokument von größter Glaubwürdigkeit – die Wissenschaftler brauchten sich nicht länger als Zeichner zu betätigen, nicht mehr Skizzen von dem anzufertigen, was sie unter dem Mikroskop entdeckten.

Historisch gesehen, leitete die Fotografie eine Zeitenwende nicht nur im sogenannten Alltag, sondern auch in der Wissenschaft ein. Und heute? Was darf der Mediziner heute mit der Kamera tun, was nicht? Wir fragten Mag. Albert Klebel, Jurist und Fotograf in Wien.

 

Ein Arzt möchte von seinem chirurgischen Eingriff Dokumentaraufnahmen machen. Muss er den Patienten vorher um Erlaubnis bitten?

Klebel: Es ist scheinbar der höchstpersönliche Lebensbereich des Patienten betroffen. Und damit „berechtigte Interessen“ einer Person, die nach § 78 des Urheberrechtsgesetzes eine Veröffentlichung verbieten. Wenn der Arzt diese Bilder aber nicht mit dem Namen des Patienten versieht, sie also anonym verwendet und es auch sonst keine Rückschlüsse auf den Patienten gibt, so scheint mir eine Beeinträchtigung der berechtigten Interessen nicht vorzuliegen. Er müsste demnach nicht um Erlaubnis bitten, ich empfehle das aber trotzdem, schon aus Gründen eines vertrauensvollen Arzt-Patienten-Verhältnisses.

 

Was sind „berechtigte Interessen“?

Klebel: Das entscheidet im Einzelfall der Richter, in letzter Instanz der Oberste Gerichtshof. Üblicherweise heißt das: Diese Person darf nicht verächtlich gemacht werden, sie darf nicht der Lächerlichkeit preisgegeben werden, sie darf nicht entwürdigend dargestellt werden, sie darf nicht in ihrem höchstpersönlichen Lebensbereich gezeigt werden, das Foto darf auch nicht zu Werbezwecken verwendet werden.

 

Wie stellt sich der Fall dar bei Fotos von Schönheitsoperationen, wo das Gesicht der Patienten zu erkennen ist?

Klebel: Hier ist das Einverständnis unbedingt einzuholen. Denn das Kriterium der Veröffentlichung ist schon gegeben, wenn nur vier, fünf Personen das Foto zu Gesicht bekommen.

 

Nehmen wir an, der Patient hat die Zustimmung für Aufnahmen gegeben. Doch dann ist er mit dem fertigen Foto nicht einverstanden. Kann er seine Zustimmung rückgängig machen?

Klebel: In berechtigten Fällen ist auch der Widerruf zur Zustimmung zulässig. Im Fall von Nacktaufnahmen hat der Oberste Gerichtshof entschieden, dass Models immer das Recht haben, ihre Zustimmung zurückzuziehen – gegebenenfalls haben sie in diesem Fall erworbenes Entgelt anteilig zurückzuzahlen. Auch bei dem Arzt wäre zu prüfen, ob er für seinen Aufwand einen Schadensersatz geltend machen könnte.

 

Der Mediziner ist privat auf der Straße unterwegs und möchte fremde Leute fotografieren. Darf er das?

Klebel: Es herrscht in der Öffentlichkeit die Meinung vor, ich müsse die betreffende Personen erst immer um Erlaubnis fragen, bevor ich sie fotografiere. Das stimmt aber nicht. Der Fotograf genießt hierzulande recht große Freiheit, zu fotografieren, wen er möchte. Bei der Veröffentlichung des Bildes ist allerdings darauf zu achten, dass nicht gegen besagte „berechtigte Interessen“ dieser Person verstoßen wird.

 

Das Gespräch führte Wenzel Müller

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