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Leben 22. Jänner 2012

Winterschlussverkauf in der Arztpraxis

Medizinische Angebote für Schnäppchenjäger würde die Patientenzufriedenheit deutlich steigern.

Das frische neue Jahr lockt immer wieder Schnäppchenjäger aus ihren Winterquartieren, die einen Vorrat für den kommenden Winter bunkern. Tatsächlich trifft man in den kalten Wintertagen auf Schritt und Tritt auf grelle Schildchen mit Prozentzeichen, durchgestrichenen und wieder durchgestrichenen Zahlen, sowie purzelnden Euro-Zeichen (und dies dürfte sich in diesem Fall ausnahmsweise mal nicht auf die Wirtschaftslage in Europa beziehen).

Alles muss raus, die aktuellen Bestände müssen Platz machen für all die neuen Dinge, die in einigen Monaten wieder Platz machen müssen für die noch neueren Dinge. Das macht Sinn und die Wirtschaft wird angekurbelt.

Faszinierend, dass Sachen, die man zu 100 Prozent sicher nicht benötigt von den Konsumenten unbedingt gebraucht werden, wenn sie um 30 Prozent billiger werden. Diesen Reflex, diese nicht über die Großhirnrinde laufende Reaktion der Menschen, sollte man sich auch in der Medizin zu nutze machen und entsprechende Schnäppchen anbieten. Zwar gibt es das Sprichwort: Was nichts kostet, ist nichts wert; beim Schlussverkauf dürfte aber eher gelten: Was weniger kostet, ist kostba-rer. Ein von uns sorgsam nach den neuesten evidenzbasierten Kriterien gewähltes Präparat könnte daher in der Gunst unserer Patienten steigen, wenn wir es im Sonderangebot abgeben würden.

Da allerdings bei den meisten Medikamenten die Krankenkasse löhnt, tritt ein gegenteiliger Effekt bei den Endverbrauchern ein: Man will das Teuerste am Markt befindliche Produkt verschrieben bekommen, um wenigstens einen kleinen Bruchteil der jahrelang zähneknirschend geleisteten Krankenversicherungsbeiträgen zurück ins eigene Tascherl (oder zumindest ins eigene Goscherl) zu bekommen.

Bei Privatleistungen wäre dies aber durchaus denkbar. So könnten auch die im Herbst allzu optimistisch eingekauften Grippe-Impfseren in einer Minus-50-Prozent-Aktion auch außerhalb der Saison an den Patienten gebracht werden. Selbst die beinahe abgelaufenen und nicht mehr ganz astrein steril verpackten Pflaster kann man als besonderes Schnäppchen im Wartezimmer anbieten. Letztlich kann man auch ärztliche Zusatzleistungen wie Akupunktur (Stich-drei-zahl-zwei), Homöopathie (C200-Globuli zum Preis von C12-Kugerl), die Operation eines eingewachsenen Zehennagels (zum Jubelangebot) oder ein neues Hüftgelenk (mit Eintauschprämie) günstig anbieten. Die Konkurrenz schläft nicht. Möge der Günstigere gewinnen.

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