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Foto: A. Ginzel
Prof. Dr. Herbert Pietschmann war Vorstand des Instituts für theoretische Physik, Uni Wien
 
Leben 16. Jänner 2012

Nachgefragt: Die Naturwissenschaften und der liebe Gott

Herr Professor, kann ein Naturwissenschaftler an etwas glauben, das sich nicht beweisen lässt – an Gott?

Das Interessante in diesem Zusammenhang ist, dass es auch keine Beweise für die Naturgesetze gibt. Wer sich nur auf das beschränkt, was bewiesen werden kann, der ist nicht Naturwissenschaftler, sondern Mathematiker. In der Mathematik lässt sich alles beweisen, allerdings aufgrund von Voraussetzungen, von denen wir wiederum nicht wissen, ob sie im Leben und der Welt zutreffen oder nicht.

Die Naturwissenschaftler glauben an die Naturgesetze, allerdings ist dieser Glaube nicht zu verwechseln mit dem an ein höheres Wesen. Der Glaube an ein höheres Wesen setzt gerade voraus, dass es keine Beweise gibt. Denn gäbe es Beweise, dann gäbe es auch keinen Glauben mehr. Was ich beweisen kann, das kann ich ja gar nicht glauben, das ist so. Das heißt: Die Frage der Religiosität wäre dann nur eine Frage des Intelligenzquotienten, ob der Beweis nämlich verstanden wird oder nicht.

Auf dem Gebiet der Spiritualität darf es gar keine Beweise geben. Die Fähigkeit, in den Bereich der Spiritualität oder des Glaubens einzudringen, ist meiner Meinung nach eine ganz wesentliche menschliche Fähigkeit. Eine Fähigkeit, die allerdings verkümmern kann, wenn man sein Augenmerk nur auf das Beweisbare richtet.

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