zur Navigation zum Inhalt
Fotos (3) aus dem besprochenen Buch
Johann Bernhard Fischer von Erlach baute die Wiener Hofbibliothek (1722–1735). 735)####### Bildtext #############################################..

Die neue Bibliothek in Lausanne definiert sich als Lernort.

Bjarke Ingels Group (BIG), Neue Nationalbibliothek Kasachstan, Astana, 2009-2012

Die Weisheit baut sich ein Haus Winfried Nerdinger 416 Seiten, € 51, 40 Prestel Verlag, 2011 ISBN 9783791351674

 
Leben 16. Jänner 2012

Das Archiv der Menschenkultur

Unterschiedliche Bautypen der Bibliothek.

Einst waren Bibliotheken bloß Depositorien von Büchern. Heute entwickeln sie sich immer mehr zu Lernorten.

 

Nehmen wir als Beispiel die Bibliothek der Medizinischen Universität im AKH Wien. Es handelt sich hier um eine sogenannte Freihandbibliothek, das heißt, die Bücher lagern nicht in Magazinen, sondern sind für den Nutzer frei zugänglich. Ein großer Vorteil, wie Umberto Eco in einem Essay betont. Denn oft würden wir nicht bloß ein bestimmtes Buch suchen, sondern ließen uns auch gerne überraschen, welche Werke es zu dem betreffenden Sachgebiet außerdem gibt. Im günstigen Fall machen wir schöne Entdeckungen.

In dieser Hinsicht kommt diese Medizin-Bibliothek dem Nutzer also entgegen. In anderer nicht: Es gibt hier kein einziges Fenster, das Tageslicht hereinließe. Überhaupt macht der Raum einen weniger einladenden als funktionalen Eindruck – so wie überhaupt der Krankenhausbau, das ganz im Zeitgeist der 1970er-Jahre errichtet wurde.

Bibliotheken können auch ganz anders erscheinen. Das zeigt die barocke Stiftsbibliothek in Klosterneuburg, das zeigt auch der von dem Architekturhistoriker Winfried Nerdinger herausgegebene Band Die Weisheit baut sich ein Haus, der unterschiedliche Bautypen vorstellt.

Bibliotheken kommt traditionell die Aufgabe zu, Bücher, also das zwischen zwei Buchdeckeln gespeicherte Wissen der Menschheit, zu bewahren. Und das in einer Form, dass die Bücher auch jederzeit wieder auffindbar sind, wozu sie entsprechend katalogisiert werden müssen. Erst die Ordnung macht aus einer Büchersammlung eine Bibliothek.

Repräsentative Funktion

Im Laufe der Geschichte kamen weitere Anforderungen dazu. Eine tritt etwa bei der Wiener Hofbibliothek klar zutage, die Kaiser Karl VI. (1685-1740) errichten ließ. Ein gewaltiger Prunksaal von 78 Metern Länge, 14 Metern Breite und 20 Metern Höhe. Dieser Bau besitzt auch repräsentative Funktion, hat von der Pracht und Herrlichkeit des Kaisers zu künden.

In der ersten Zeit waren es vor allem Klöster, die Handschriften und in der Folge Bücher aufbewahrten. Dann übernahmen diese Funktion mehr und mehr die aufkommenden Universitäten. Heute stehen wir wieder vor einem Umbruch: Das gesammelte Wissen wird zunehmend in digitaler Form gespeichert. Stirbt damit also auch das steinerne Depositorium von Büchern?

Die Würde des Lesens

Keineswegs, was nicht zuletzt an den zahlreichen Neubauten in der letzten Zeit zu sehen ist. Diese Neubauten definieren sich heute weitgehend anders. Nicht nur als Orte, die die Würde des Lesens und die stille Beschäftigung mit dem Wort hochhalten, sondern auch als Lernorte, wo Menschen zusammenkommen können.

Von W. Müller , Ärzte Woche 3 /2012

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Mehr zum Thema

<< Seite 1

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben