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Leben 22. Dezember 2011

Schuldenbremse für unsere Spitäler

Nicht nur der Staat soll sparen, um nicht in die Pleite zu rutschen, auch Krankenhäuser müssen es künftig billiger geben.

Halb Europa scheint zurzeit pleite zu sein. Österreich gehört als Insel der Seligen zu jenen, die von den Rating-Agenturen ein Mitarbeits-Plus in ihr Heftchen bekommen. Um weiterhin auch zu den finanziellen Strebern zählen zu dürfen, soll nun die selbst auferlegte Schuldenbremse den heimischen Schnitzelkonsum etwas im Zaum halten.

Doch nicht nur schöne Urlaubsländer wie Griechenland, Italien oder Spanien können gefährdet sein, in die Pleite zu rutschen. Auch Spitäler übernehmen sich oft finanziell und sind dann als „Pleitekrankenhaus“ auf milde Gaben angewiesen. Vielleicht ist es nun an der Zeit, auf mei-ne immer wiederkehrenden mahnenden Worte zu hören und sich mit den in dieser Kolumne bereits oft schon geäußerten Sparvorschlägen für Krankenhäuser näher zu befassen: Nicht nur die Verwaltung eines Staates muss „schlanker“ werden, so mancher „Spitals-Beamte“ wird wohl auch dran glauben müssen. Alleine das Aufnahmeritual beschäftigt eine Unzahl von entbehrlichen Mitarbeitern. Fluglinien und Banken haben bereits mit dem Prinzip des Self-check-in oder des Selbstbedienungs-Foyers Personal eingespart und Kunden zur Mitarbeit verdonnert.

Gute Beschilderungen und ein „Herzlich willkommen“-Taferl ersparen den Portier. Aufnahmeschwes-tern und Turnusärzte werden durch Touch-Screens ersetzt, an denen die Patienten selbst ihre Daten sowie Beschwerden, Kinderkrankheiten und Familienanamnese eintippen können. Zudem darf man von einem Patienten durchaus so viel Eigenständigkeit erwarten, selbst zum Krankenzimmer zu finden, sich zu entkleiden, das Bett zu beziehen und hinzulegen, um auf weitere Anweisungen zu warten. Für die Verpflegung stehen Snack-Automaten sowie ein Mikrowellenherd in jedem Zimmer bereit.

Wer brav mitgerechnet hat, dem wird auffallen: Bis dato ist kein einziger Spitalsangestellter vonnöten! Doch wer nun glaubt, ab diesem Zeitpunkt personell aus dem Vollen zu schöpfen, hat das System noch nicht verstanden: Denn detaillierte Anleitungen und bedienerfreundliche Tools wie ein Auto-Blood-Sampling-Device zur Eigenblutabnahme reduzieren den Personalbedarf weiterhin.

Der Patient kann sich bis zur OP-Vorbereitung und der Beruhigungstablette selbst versorgen, ins Bett legen und dieses durch geschicktes Abstoßen an der Wand so in Bewegung versetzen, dass er langsam in den OP rollt und vor dem Chirurgen zum Stehen kommt. Für stark bediente Patienten kann die Solidargemeinschaft des Krankenzimmers tätig werden und ein Zimmergenosse beim Schubsen behilflich sein. Wer jetzt ein OP-Team erwartet, sollte sich überlegen, dass auch bei einem Friseurbesuch lediglich eine Person am Klienten herumbastelt und keine Assistenten dem Friseur Schere oder Tönung reicht. Und so ein Entlassungsbrief kann sich auch jeder selber schreiben. Ist doch nicht zu viel verlangt …

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