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Leben 6. Dezember 2011

Dr. Kasperl und das Krokodil

Oft wird geunkt, das Leben in einem Krankenhaus sei nur ein „Kasperltheater“. Voilà – hier ist der Beweis.

Dass der Mikrokosmus eines Spitals den Makrokosmos der Welt widerspiegelt, darf als bekannt vorausgesetzt werden. Haben wir es nicht im ganz alltäglichen Leben mit den Archetypen von Ärzten, Schwestern, Patienten und dem bösen Krokodil zu tun?

Die Geschichten wiederholen sich Tag für Tag. Leider fehlen oft der Applaus und das Gaudium. Dafür stellt sich bei so manchem Protagonisten das Gefühl ein, von fremder Hand gesteuert zu werden. Ein kleines Stück sei hier exemplarisch erwähnt: Der böse Zauberer hat einen Prinzen nicht nur krank gezaubert, sondern ihn auch in ein weißes, liegendes Wesen verwandelt, und seine Identität und seine Würde in eine kleine verschlossene Zaubertruhe an der Krankenhauspforte eingesperrt.

Dr. med. univ. Kasperl eilt herbei, sagt „Krawutzi Kaputzi“, schlägt die Hände über dem Kopf zusammen und beginnt auf den verzauberten Prinzen einzureden und einzustechen.

Auch Großmutter (auch sie darf in diesem Stück natürlich nicht fehlen) bekommt heute eine ganz besondere Röntgenuntersuchung. Sie freut sich schon darauf und hat dem Radiologen extra ein herrlich duftendes Stück Kuchen mitgebracht.

Auftritt Krokodil: Es sollen Einsparungen auf der Abteilung ge-macht werden. Das Krokodil wird ausgebuht und muss wieder in seine Kassenhöhle zurück. Dr. Kasperl ist verzweifelt. Doch wenn alle fest in die Hände klatschen und dreimal gemeinsam rufen: „Primar“, „Primar“, „Primar“, erfolgt der Auftritt des Chefmediziners. Er spricht ein etwas genuscheltes „Krawutzi Kaputzi“ und blickt in ein großes Zauberbuch. Doch auch er ist ratlos.

Plötzlich großer Aufruhr im Kasperlland: Ein Bote kommt und bringt ein Schreiben, dem zu entnehmen ist, dass es sich bei dem weißen Wesen um einen Prinzen von edler Herkunft stammt. Der Patient wird sofort in ein Einbettzimmer gebracht und hermetisch vom Fußvolk abgeschirmt. Nun muss der Primar nicht extra herbeigerufen werden, sondern kommt täglich mehrmals auf Besuch. Der verzauberte Prinz bekommt zum Gaudium einen Schlauch in den Popo eingeführt (einer der Höhepunkt der Darbietung) .

Die Großmutter wartet indes bereits drei Stunden vor der Röntgenabteilung. Der Kuchen wird langsam trocken.

Ein junger weißer Ritter, der ohne Lohn am Hofe des Primars tätig sein darf, wird ins ferne Google-istan geschickt, um nach einem Mittel gegen den bösen Zauber zu suchen. Nach Tagen im Internet wird eine neue, aber teure Therapie gefunden. Der Primar gibt die Behandlung als die seine aus, der privatversicherte Prinz wird geheilt, die Großmutter ist trotz vertrocknetem Kuchen in der Hand nach zwei Wochen vor dem Röntgen verhungert und alle feiern ein Fest, bei dem das böse Krokodil nicht eingeladen ist.

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