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Leben 6. Dezember 2011

Beim Goldverkauf ist Vorsicht geboten

Der VKI hat diesmal acht Firmen in Innsbruck und Umgebung getestet. Das Ergebnis waren große Preisunterschiede und teilweise fachliche Unkenntnis der Händler.

Beim Goldverkauf-Test durch den Verein für Konsumenteninformation (VKI) unterschieden sich die Angebote der acht getesteten Firmen um bis zu 57 Prozent. Außerdem legen zahlreiche Zuordnungsfehler nahe, unbedingt mehrere Angebote einzuholen, warnen die Konsumentenschützer.

Mit Gold zum schnellen Geld? Dass beim Privatverbrauch von Gold Vorsicht geboten ist, hat der VKI bereits vor rund einem Jahr bei einem Test im Großraum Wien gezeigt (die Ärzte Woche berichtete). Vier von 16 getesteten Firmen boten damals aufgrund gravierender Einschätzungsfehler weniger als zwei Drittel des tatsächlichen Wertes.

Diesmal hat der VKI acht Firmen in Innsbruck und Umgebung unter die Lupe genommen. Im Rahmen des aktuellen Tests traten auch in Tirol massive Preisunterschiede sowie Zuordnungsfehler auf. Zwei Firmen boten sogar weniger als die Hälfte des Gesamtwertes der 13 Schmuckstücke und einer Münze, der im Testzeitraum (September 2011) zwischen 1.740 und 1.774 Euro lag , das waren Juwelier Jolanda Lang sowie Goldankauf & Pfandleihhaus Jolanda Pirkwieser. Dafür gab es „nicht zufriedenstellend“ und jeweils bescheidene 13 von 100 möglichen Punkten. Die beiden Testverlierer boten 760 bzw. 800 Euro und damit 57 bzw. 54 Prozent unter dem tagesaktuellen Goldkurs. Der letzte Platz für das Pfandleihhaus Pirkwieser ist auf ein Kuriosum beim Abwiegen der Schmuckstücke zurückzuführen. „Nicht nur, dass 14 und 18 Karat Gold gemeinsam auf die Waage kamen, trauten wir unseren Ohren nicht, als der Ankäufer ein Gewicht von 38 Gramm (ohne Münze) nannte. Warum waren hier 40 Gramm verloren gegangen? Unser Ergebnis vor Testbeginn auf einer geeichten Waage hatte 78 Gramm betragen“, so die überraschten Tester.

Das beste Angebot erhielten die VKI-Tester mit 1.774 Euro im Antiquitätengeschäft Edle Zeitmesser worldtime KG. Daher wurde dort die Höchstnote von 100/100 Punkten vergeben. Sehr gute Bewertungen gab es zudem für Goldstube Pfanzelt Silvia (96/100 Pkt.) und die ÖGUSSA mit 85/100 Punkten.

Gravierende fachliche Fehler

Ursache für die breite Streuung von 57 Prozent waren gravierende fachliche Fehler, etwa bei der Zuordnung der Feingehalte. So unterschieden einige Händler nicht zwischen 14 und 18 Karat (1 Karat = 0,2 Gramm). Darüber hinaus gab es bei Goldankauf & Pfandleihhaus Jolanda Pirkwieser bei zwei Testversuchen große Ungereimtheiten beim Abwiegen des Goldes. In diesem speziellen Fall wurde drei Wochen später ein zweiter Testdurchlauf durchgeführt – der Senior des Hauses kam diesmal auf 70 Gramm, womit „nur“ acht Gramm verloren gingen.

Vorsicht geboten ist zudem bei den so genannten fliegenden Händlern: Das Angebot lag bei AURIFER Edelmetallrecycling GmbH Goldparty (das Treffen fand in einem Innsbrucker Hotel statt) mit 1.429 Euro bei rund 82 Prozent des errechneten Gesamtwertes – allerdings erst, nachdem der Ankäufer darauf hingewiesen wurde, dass es sich bei der vorgelegten Münze nicht um eine Medaille handelt. (Anmerkung: Eine Medaille hat mitunter einen geringeren Feingehalt als eine Münze und ist daher weniger wert.) „Wir raten dringend dazu, nicht blindlings dem erstbesten Anbieter zu vertrauen, sondern mehrere Angebote einzuholen und sich den Verkauf schriftlich bestätigen zu lassen“, so VKI-Geschäftsführer Josef Kubitschek. „Reklamationen sind mitunter schwierig, deshalb ist es wichtig, sich im Vorfeld möglichst selbst über den Wert von Schmuck und Münzen zu informieren und dies auch zu dokumentieren. Mit dem Wissen über Feingehalt, Gewicht und Tageskurs hat man wichtige Kontrollinstrumente an der Hand.“

Wie wurde getestet?

Der VKI untersuchte acht Tiroler Unternehmen in Innsbruck und Umgebung, darunter Goldankaufstellen, Juweliere, einen Antiquitätenhändler sowie jeweils einen „fliegenden Händler“ und eine Scheideanstalt. 13 Schmuckstücke ohne Steine wurden zum Verkauf angeboten. Darunter zwei Ringe mit 18 Karat Gold Feingehalt und weitere elf Schmuckstücke zu je 14 Karat. Zusätzlich wurde den potenziellen Ankäufern eine Goldmünze in Form der 1/10 Unze (=3,11 Gramm) Australian Nugget mit Feingehalt 999,9 vorgelegt. Der Gesamtwert betrug zwischen 1.740 und 1.744 Euro. Als Richtwert für den Verkauf diente der aktuelle Tageskurs des Edelmetallankaufpreises für Gold auf der ÖGUSSA-Homepage. Im Test wurden der erzielte Wert (90%), die Kundenfreundlichkeit (2%) sowie die ausreichende Kundeninformation (8%) gewichtet, bewertet und erhoben.

Tipps, die Goldes wert sind
• Selbst schätzen. Ausgangsbasis bei Schmuckstücken ist die Feingehaltspunze: 585 = 14 Karat, 750 = 18 Karat Goldanteil. Weitere Schritte: Den Schmuck auf einer digitalen Küchenwaage abwiegen und sich auf der ÖGUSSA-Homepage (www.oegussa.at) über tagesaktuelle Edelmetall-Ankaufspreise für Bruchgold informieren und den Preis für 1 Gramm Bruchgold mit dem Gewicht multiplizieren.

• Fotos zur Dokumentation. Falls die Ware zum Begutachten bei einer Firma deponiert wird, hat man damit einen Beweis für Aussehen und Anzahl der Schmuckstücke. Zusätzlich sollte man sich in diesem Fall einen Beleg aushändigen lassen, auf dem Gewicht und Anzahl vermerkt sind.

• Mehrere Ankaufstellen aufsuchen. Es ist empfehlenswert, mindestens drei Vergleichsangebote einzuholen.

• Achtung vor fliegenden Händlern. Betriebe, die ohne festen Firmensitz und lediglich mit einer Telefonnummer auf einer Postwurfsendung auftreten, sollte man im Zweifelsfalle meiden.

• Anfechtung. Ein Ankaufsangebot sollte den errechneten Wert um höchstens fünf Prozent unterschreiten. Erhält man weniger als die Hälfte des Marktpreises, besteht grundsätzlich die Möglichkeit einer Anfechtung. Allerdings kann die Rückabwicklung eines abgeschlossenen Goldverkaufs schwierig sein, da sich nicht immer beweisen lässt, wie schwer das Schmuckstück war und wie viel Feingehalt bzw. Karat es hatte.

• So funktioniert die Stichprobe. Eine Methode zur Bestimmung des Gold-Feingehalts ist die Strich- oder Goldstrichprobe. Die nötigen Utensilien sind ein aus schwarzem Kieselschiefer geschliffener Probierstein sowie Probiersäure. Der Begutachter schabt das Schmuckstück an einer „unsichtbaren“ Stelle am Stein an. Nun kommen die Prüfnadeln oder -sterne ins Spiel. Jede Nadel oder Sternspitze entspricht dem jeweiligen Feingehalt. Damit zieht der Experte Vergleichsstriche auf dem Stein. Danach bringt er auf diesen Prüfstrichen Probiersäure (Gemisch aus Salpeter- und Salzsäure) auf. Sind Metallabrieb und Probestriche von der Farbe her gleich, stimmt der Feingehalt.

Von M. Strausz , Ärzte Woche 49 /2011

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