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Leben 26. November 2011

iPad am Krankenbett

Viele Ärzte wollen auch im Beruf nicht auf ihr Lieblingsspielzeug verzichten. Da sie mit dem Golfschläger nicht ans Patientenbett treten können, nehmen sie ihr zweitliebstes Hobby mit: das iPad.

Diese Mischung aus Computer und Prada-Täschlein gilt zurzeit als eines der hippesten Innovationen auf dem elektronischen Markt. So ist es nicht verwunderlich, dass sich in letzter Zeit Berichte zum Einsatz dieses mobilen Tools im Krankenhaus häufen und die vielen Vorteile mit Studien belegt werden. Schließlich möchte man auch die Geldgeber überzeugen, die Mannschaft mit den geilen Dingern aus dem Nachlass von Steve Jobs auszurüsten.

Für die nicht technikaffinen Le-ser und Waldschrate sei kurz erläutert: Beim iPad (und natürlich, um hier keinen werbestrategischen Fauxpas zu begehen, auch die Tab-lets anderer Hersteller – aber Hand aufs Herz ein angebissener Apfel bleibt eben ein angebissener Apfel) handelt es sich um eine Art tragbaren Computer ohne Tastatur. Also quasi nur der Bildschirm. Und der lässt sich herumtragen, wie ein Kuscheltier. Damit ihm nicht kalt ist, gibt es zum anziehen nette Polyesterhüllen in lustigen Farben.

Tatsächlich hat die Anwendung bei der Visite etwas von futuristischer Star-Trek-Medizin. Und so klein diese Innovation auch scheinen mag: Es wird wohl in Zukunft kein Gallenstein auf dem anderen bleiben. Hier darf ohne Übertreibung von der industriellen Revolution am Krankenbett gesprochen werden.

Müssen heute noch Sherpas die tonnenschweren Patientenakten und Befunde auf die Expedition zum Patientenbett tragen, um sie dem Oberarzt im richtigen Moment unter die Nase zu halten; werden heute noch Jungärzte ins kilometerweite Röntgen geschickt, um einen ergänzenden Befund zu holen und bei der Rückkehr zur 42 Kilometer entfernten Visite mit den Worten „wir haben gesiegt“ zusammenzubrechen; müssen heute noch die Hieroglyphen der Konsiliarärzte von der Belegschaft stundenlang entziffert werden, so wird all dies mit dem neuen System der Vergangenheit angehören. Denn bald schon ist alles vernetzt, sämtliche Befunde liegen elektronisch in diesem kleinen Wunderkästchen vor, sogar der Primar ist imstande, das Gerät über einen längeren Zeitraum selbst zu halten, ohne den Rücken eines Turnusarztes zum Abstützen zu benötigen.

Zudem lassen sich Multimedia-Inhalte abspielen, sodass einem Patienten etwa ein Röntgenbild direkt erklärt oder die Funktion des Herzens animiert dargestellt werden kann. Auch die Übertragung von Fußballspielen oder lustigen Filmchen, die den Anästhesisten beim Nasenbohren zeigen, können die Stimmung bei der Visite aufhellen. Über eine Internetverbindung lassen sich nicht nur Symptome und Medikamente, sondern auch Antworten auf blöde und unangenehme Fragen der Patienten rasch mal googeln. Das iPad lässt die Ärzte damit klüger scheinen. Auf dass unsere weißen Mäntel noch weißer strahlen mögen.

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