zur Navigation zum Inhalt
Foto: A. Ginzel
Prof. Dr. Herbert Pietschmann war Vorstand des Instituts für theoretische Physik, Uni Wien
 
Leben 28. November 2011

Nachgefragt: Stehen wir vor größeren Umwälzungen?

Herr Professor, gerade in den westlichen Finanzzentren geht nun auch das Bürgertum auf die Straße und protestiert gegen die Macht der Banken. Stehen wir vor größeren Umwälzungen?

Ich fürchte, ja. Ich sage „fürchten“, weil ich eher ein ängstlicher Mensch bin. Doch im Hinblick auf die historische Entwicklung ist dieser Protest sicherlich eine wunderbare Sache. Man kann und darf nicht glauben, dass man mit einem System bereits den Gipfel erreicht hat.

Die Entwicklung der Menschheit geht immer weiter. Und oftmals über Katastrophen und Revolutionen, die keineswegs blutig sein müssen. Beim sogenannten arabischen Frühling haben wir leider erlebt, dass Blut geflossen ist – und das tut es auch jetzt noch bei den Auseinandersetzungen zwischen Muslimen und Christen in Ägypten. Wir können nur hoffen, dass der Umbau der Banken und unseres Finanzsystems unblutig verläuft. In dem Zusammenhang muss ich sagen, dass ich von der Gestaltungskraft unserer Politiker sehr enttäuscht bin.

Wenn ich an die Politikergeneration zurückdenke, die nach dem Zweiten Weltkrieg die Welt neu geordnet hat, da war ein de Gaulle, ein Adenauer, ein Eisenhower – das waren noch Persönlichkeiten, die gewusst haben, jetzt geht es ums Ganze. Und dieses Bewusstsein scheint mir insbesondere bei den Politikern in unserem Land einfach zu fehlen.

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Mehr zum Thema

<< Seite 1 >>

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben