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Foto: Frank Luerweg, Universität Bonn
Der Museums-Kurator Michael Höveler-Müller mit dem Parfumfläschchen.
Foto: Frank Luerweg, Universität Bonn

Der Museums-Kurator Michael Höveler-Müller mit dem Parfumfläschchen.

Foto: Frank Luerweg, Universität Bonn

In den Röntgenaufnahmen kann man eindeutig die eingetrockneten Reste einer Flüssigkeit erkennen.

 
Leben 8. April 2009

Das Parfum einer Pharaonin

Wissenschaftler aus Bonn wollen einen 3.500 Jahre alten Duft wieder auferstehen lassen.

Auch die alten Ägypter begeisterten sich schon für wohlriechende Düfte. Das beweisen Parfumfläschchen aus dieser Zeit. Wie diese Essenzen gerochen haben, weiß keiner – aber das soll sich bald ändern. Das Ägyptische Museum der Universität Bonn zeigt in seiner Dauerausstellung ein besonders gut erhaltenes Exemplar.

 

Bonner Wissenschaftler haben den 3.500 Jahre alten Flakon nun im Computertomografen durchleuchtet. Dabei wurden die eingetrockneten Reste einer Flüssigkeit sichtbar, die die Forscher jetzt weiter analysieren wollen. Vielleicht gelingt es ihnen sogar, den Duft zu rekonstruieren, welches eine Weltsensation wäre.

Weihrauch – der Duft der Götter

Die Pharaonin Hatschepsut war eine machtbewusste Frau: Sie übernahm um 1479 vor Christus die ägyptischen Regierungsgeschäfte. Eigentlich sollte sie nur ihren damals dreijährigen Stiefsohn Thutmosis III. vertreten, bis dieser alt genug gewesen wäre, das Amt zu übernehmen. Doch aus der Interims-Regentschaft wurden 20 Jahre. „Sie hat Thutmosis systematisch von der Macht fern gehalten“, erklärt der Kurator des Ägyptischen Museums der Uni Bonn Michael Höveler-Müller.

Auch Hatschepsuts Parfum ist vermutlich eine Demonstration ihrer Macht. „Wir halten es für wahrscheinlich, dass es als einen Bestandteil Weihrauch enthielt – den Duft der Götter“, sagt Michael Höveler-Müller. Diese Idee kommt nicht von ungefähr: Man weiß, dass Hatschepsut während ihrer Regentschaft eine Expedition nach Punt unternahm – das heutige Eritrea. Die Ägypter importierten aus Punt schon seit dem dritten Jahrtausend vor Christus Kostbarkeiten wie Ebenholz, Elfenbein, Gold und eben auch Weihrauch. Die Expedition brachte von dieser Reise anscheinend ganze Weihrauchpflanzen mit, die Hatschepsut in der Nähe ihres Totentempels anpflanzen ließ.

Weltpremiere mit interessantem Ergebnis

Der filigrane Flakon, den die Bonner Forscher nun untersuchen, trägt eine Aufschrift mit dem Namen der Pharaonin. Er stammt also wahrscheinlich aus ihrem Besitz. Der Behälter ist ungewöhnlich gut erhal- ten. „Daher erschien es uns lohnend, ihn in der Radiologie des Uniklinikums durchleuchten zu lassen“, erklärt Höveler-Müller. „Das hat vor uns meines Wissens noch niemand gemacht.“

Auf diese Weltpremiere wird nun wohl noch eine weitere folgen: „In den Röntgenaufnahmen kann man eindeutig die eingetrockneten Reste einer Flüssigkeit erkennen“, erläutert der Museums-Kurator. „Unsere Pharmazeuten werden diesen Bodensatz nun chemisch analysieren.“ In gut einem Jahr könnten die Ergebnisse vorliegen. Im Falle eines Erfolgs wollen die Wissenschaftler aus Bonn das Parfum dann sogar „nachbauen“. 3.500 Jahre nach dem Tode der Frau, aus deren Besitz es stammt, könnte der Duft also wieder auferstehen.

Hatschepsuts Mumie erst 2007 identifiziert

Hatschepsut starb im Jahr 1457 vor Christus. Nach Analyse der ihr zugeschriebenen Mumie scheint die Herrscherin am Ende ihres Lebens zwischen 45- und 60-jährig, übergewichtig, zucker- und krebskrank gewesen zu sein. Außerdem litt sie an Osteoporose und Arthritis. Sie wurde offensichtlich aus Sicherheitsgründen im Grab ihrer Amme beigesetzt. Im Jahr 1903, mehr als 3.300 Jahre später, stieß der berühmte Ägyptologe Howard Carter auf die beiden Mumien. Es sollte aber noch einmal über 100 Jahre dauern, bis der Leichnam der Pharaonin mittels DNA- und Zahnanalysen 2007 identifiziert werden konnte.

Der Stiefsohn Thutmosis III. scheint seiner Stiefmutter übrigens kaum eine Träne nachgeweint zu haben: Er ließ während seiner Regierungszeit alle Abbildungen zerstö-ren, die sie als Herrscherin zeigten und derer er habhaft werden konnte.

 

Quelle: © Uni-Bonn, Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität

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