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Fotos (4): Timo Huber
 
Leben 9. November 2011

Zeichnen mit Messer und Licht

Mit „Wildwechsel“ präsentiert der Künstler Timo Huber seine Werke im Kunstraum Dr. David in Wien.

Timo Huber lässt sich weder durch seine Tätigkeit noch durch sein Auftreten noch durch sein künstlerisches Wirken einordnen. Als Mitglied der legendären radikalen Gruppe „Zünd-Up“ war das Thema der dekonstruktivistische Umgang mit den Vorgaben und gesellschaftlichen Normen der frühen 1970er-Jahre. Schon in dieser Zeit war das Freilegen von Zusammenhängen, das Sichtbarmachen und Analysieren von Folgerungen und Widersprüchen durch die willkürliche, das heißt sehr persönliche, einer Willens- und Denkarbeit entspringenden Auswahl von Bildern und Details die ureigenste Ausdrucksform des Künstlers.

Timo Huber schneidet, seziert, holt Verborgenes aus den Tiefen von Organischem und Künstlichem, fügt es zusammen zu neuen Welten. Unsere Sichtweisen unterzieht er einer schonungslosen, vom Blickwinkel der Pathologie aus neutral-sachlichem, vom Blickwinkel des Lebendigen einer erschreckenden und doch verführerischen Analyse. Wie der Pathologe erfindet er nichts, sondern bringt es ans Licht und legt damit Spuren zur eigenen Erkenntnisfähigkeit. – CSI ist dagegen eine Märchenstunde.

Die Betrachtungspersonen (das Wort ist absichtlich gewählt, weil der Künstler keinen Unterschied zwischen männlichen und weiblichen Erlebnisweisen macht) sind gefordert, sich diesem impressiven Sinnenrausch auszuliefern. Jedes Bild wirft Fragen auf – die Antworten werden nicht leicht zu finden sein. Die halluzinationsnahe Veränderung von Sinneswahrnehmungen, Verzerrungen und Kombinationen von organismischen und technoiden Elementen eröffnen ein Universum, in dem man unweigerlich verpflichtet ist, Fragen zu stellen.

So ist die Arbeit von Timo Huber irritierend und gleichzeitig politisch, Grenzen aufzeigend und gleichzeitig sprengend. Fließende Übergänge dort, wo man eigentlich scharfe Kontraste (Figur-Hintergrund) erwartet, Schnitte dort, wo man sich harmonische Übergänge erhofft – das Leben ist voller Überraschungen.

Die Fotografien sind im Ursinn Lichtschreibe – keine Computerarbeiten, sondern mit Messer und analogen Abbildungen zusammengefügte Assemblagen. Die Zeichnungen entstehen spontan, ergänzen und verstärken die Bilder oder sind sogar eigenständige Darstellungen menschlicher Zustände. Dem kleinprinzischen Dogma, dass man nur mit der Seele gut sehe, folgt Timo Huber mit dem Messer in die verdeckten Bereiche des Vorbewussten. Erinnerungen an Arcimboldo, John Heartfield, Rainer und Brus entstehen eher aus der Wahrnehmung der Unterschiede als der oberflächlichen Ähnlichkeiten.

1944 in Oberösterreich geboren, lebt der Architekt und Künstler in Wien. Zahlreiche Einzel- und Gruppenausstellungen in Wien, Paris, Belgrad, Los Angeles, Mailand und Basel belegen einen Schaffens-drang, der sich aktuell durch die Präsentation von Montagen und Zeichnungen unter dem Titel „Wildwechsel“ im Kunstraum Dr. David manifestiert.KK

 

Die Ausstellung im Kunstraum Dr. David in Wien 1130, Jagdschloßgasse 6, wird am Freitag, den 25. 11. 2011, von 18.00 bis 21.00 Uhr eröffnet und ist bis 19. Jänner 2011 donnerstags von 17.00 bis 19.00 Uhr zugänglich.

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