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Foto: A. Ginzel
Prof. Dr. Herbert Pietschmann war Vorstand des Instituts für theoretische Physik, Uni Wien
 
Leben 3. November 2011

Nachgefragt

Herr Professor, braucht der Mensch Musik?

Man kann nicht von dem Menschen sprechen, denn bekanntlich gibt es auch Menschen, die völlig unmusikalisch sind – der Volksmund nennt sie „Schweinsohren“. Ich hatte einmal mit mehreren Kollegen die Gelegenheit, mit dem berühmten Nobelpreisträger Richard Feynman zu sprechen, einem der bedeutendsten Physiker des vorigen Jahrhunderts. Der war für sein Trommelspiel bekannt und immer auf seinen Lecture notes mit Bongotrommeln abgebildet. Wir kamen auf Musik zu sprechen und darauf, dass er, Feynman, offensichtlich sehr musikalisch sei. Nein, meinte er, im Gegenteil, er sei völlig unmusikalisch! In einem Konzert könne er nicht einmal sagen, ob die Melodie steigt oder fällt. Was er allerdings erkenne, das sei der Rhythmus – und diese Begabung habe er mit der Zeit perfektioniert. Ich weiß nicht, ob uns Feynman damals auf die Schippe nehmen wollte oder es ernst meinte, jedenfalls hat es ganz ernst geklungen.

Es gibt Menschen, denen Musik nichts bedeutet. Aber auch Menschen mit absolutem Gehör. Man muss sich daher vor Verallgemeinerungen hüten. Doch für die Mehrheit dürfte Musik unerlässlich sein. Sie erwärmt die Seele, um es romantisch auszudrücken. Manche sagen auch, sie kann zur Gesundheit beitragen.

Allerdings muss man unterscheiden. Man kann sich einerseits ganz auf ein musikalisches Werk einlassen und andererseits sich von Musik auch nur berieseln lassen. Letzteres machen gerne Jugendliche, die ständig Kopfhörer auf haben. Sie benutzen die Musik dazu, sich die Zeit zu vertreiben. Da Musik eine Kunst ist, die ausschließlich in der Zeit stattfindet, ist sie dazu auch bestens geeignet. Doch auf diese Weise kommt es, selbst wenn diese Jugendlichen eine Beethoven-Sinfonie hören, nicht zu einer wahren Berührung.

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