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Foto: Monika Schuller
Széchenyi Bad, Budapest.

Badefreuden Eine Reise zu den außergewöhnlichsten Bädern in Mitteleuropa Iris Meder 173 Seiten, € 25 Metro Verlag, 2011 ISBN 978-3993000516

 
Leben 2. November 2011

Wo man die Seele lassen kann

Auf der Suche nach dem perfekten Badevergnügen.

Wo sind die schönsten Bäder? Die Bäder, die auch das Auge erfreuen und wahre Wohlfühltempel sind? Die Wiener Architekturkritikerin Iris Meder ist durch Mitteleuropa gereist und stellt ihre Entdeckungen in dem neu erschienenen Band Badefreuden vor.

 

Haben Sie noch ein Badezimmer oder auch schon einen Spa-Bereich? Wellness boomt, und dieser Trend macht nicht einmal vor unseren eigenen vier Wänden Halt. Es geht nicht mehr allein um Sauberkeit und Hygiene, inzwischen ist Wohlbefinden angesagt. Eine Entwicklung, die nicht ganz neu ist. Erinnert sei nur an die Antike, an die römischen Thermen, die Orte der Reinigung und Entspannung zugleich waren. Hier kamen die Menschen zusammen. Eine ähnliche Bedeutung hatten die türkischen Bäder. Wahre Badetempel, von denen noch einige in Budapest zu bewundern sind. Ein wertvolles Erbe aus der Zeit der Türkenbelagerung.

Wien ist Bäderstadt

Und sonst? Wo sind heute die Bäder und Schwimmhallen, die mehr als reines Badevergnügen zu bieten haben, die auch als architektonische Kunstwerke imponieren und das Auge erfreuen? Die Wiener Architekturkritikerin Iris Meder machte sich auf die Suche. Herausgekommen ist der Band Badefreuden. Eine Reise zu den außergewöhnlichsten Bädern in Mitteleuropa.

Badeanstalten, namentlich Heilbäder finden sich insbesondere dort, wo Thermalquellen vorkommen. Das ist hierzulande gerade in der Steiermark der Fall. Begünstigt sind unter anderem auch Ungarn und Westböhmen. In Ländern ohne diesen natürlichen Schatz besteht dagegen auch keine vergleichbare Badekultur, wie sie bei uns üblich ist.

Wien verfügt über ein Thermalbad, das im Übrigen erst zuletzt erneuert wurde, und zusätzlich über so viele Badeanstalten wie keine andere Hauptstadt der Welt. Mit Fug und Recht darf man sie, obwohl nicht am Meer gelegen, also eine Bäderstadt nennen. Den Anfang machten hier und in der Umgebung sogenannte Flussbadeanstalten. Das waren von Umkleidekabinen umschlossene Bassins mit natürlichem Donauwasser. Später, im Roten Wien, kamen die Kinderfreibäder auf, eine Einrichtung zum Zeitvertreib und zur körperlichen Ertüchtigung (und damit der Gesundheit) der Kleinen. Und mit dem Wiener Stadthallenbad errichtete Roland Rainer ein Bad, das Architekturkritiker wegen seiner offenen Stahlbaukonstruktion gerne mit dem Pariser Kunst- und Kulturbau Centre Pompidou vergleichen.

Manche Badetempel sind wahre Parallelwelten. Wer eintritt, lässt die Hektik und das Getöse des Alltags hinter sich. Im warmen Wasser kann er sich entspannen, gegebenenfalls unter Zuhilfenahme von ätherischen Düften oder speziellen Massagen. Längst ist es nicht mehr allein das Heilwasser, mit dem eine Badeanstalt oder ein Kurort wirbt, unerlässlich ist inzwischen das ganze Drumherum, von gutem Essen bis zum angenehmen Ruheraum.

Morbider Charme

Aktuell ist das so, und nicht anders war das auch schon im 19. Jahrhundert. Baden-Baden, am Rande des Schwarzwalds gelegen, konnte sich über Gäste aus der großen weiten Welt freuen. Sie kamen aus Frankreich und Russland, nicht allein der segensreichen Wirkung des Heilwassers wegen, sondern weil der Ort auch über ein Badehalle verfügt, die in Sachen Prunk dem Spielcasino in nichts nachsteht. Manche Orte haben ihren einstigen Glanz eingebüßt, dazu gehört etwa Marienbad in Böhmen, wohin einst der Geheimrat Wolfgang von Goethe regelmäßig gereist war und den er auch in seiner Dichtung verewigt hat. Auch Baden südlich von Wien erlebte bereits bessere Zeiten. Durchaus möglich, dass es mit diesen Orten wieder bergauf geht. Heute punkten sie vor allem mit ihrem morbiden Charme. Iris Meder empfiehlt sie jedenfalls in ihrem Bäderführer.

Von W. Müller , Ärzte Woche 44 /2011

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