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Leben 27. Oktober 2011

Olivenöl ohne Schadstoffe? Gibt es nicht.

Vor vier Jahren zog der Verein für Konsumenteninformation (VKI) bei einem Test zu 18 Olivenölen eine bittere Bilanz: Die Hälfte der getesteten Öle der höchstenQualitätsklasse "nativ extra" wurde wegen Verdacht auf unerlaubte Wärmebehandlungaus der Wertung genommen. Kein einziges Produkt war zudem frei von Schadstoffen wie Weichmacher und polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK). Was hat sich seitdem geändert?  

5x Qualitätstest nicht bestanden 

Die aktuelle Erhebung des VKI zu 15 Olivenölen zeigt: Fünf Öle, die als "nativ extra" gekennzeichnet sind, bestanden die Prüfung eines akkreditierten Expertenpanels nicht: 

Carapelli
Natürlich für uns
Montolivo
Rapunzel
S-Budget

Laut den vom VKI beauftragten Experten des Deutschen Olivenöl Panels (DOP) handelt es sich hierbei um Öle zweiter Güteklasse.  

2x Verdacht auf Wärmebehandlung 

Darüber hinaus vergab der VKI bei den Olivenölen von S-Budget und SparNatur Pur kein Testurteil, da der Verdacht auf Wärmebehandlung oder mangelnde Frische besteht. "Spitzenqualität wird deklariert, aber nicht geliefert", kritisiert VKI Geschäftsführer Ing. Franz Floss.

"Das ist besonders ärgerlich, da es sich bei Olivenölum ein Produkt handelt, das als gesundheitsfördernd empfohlen wird. Wir werdendaher auch in Zukunft nicht locker lassen und weiterhin Olivenöle testen."  

Kein einziges Öl ist schadstofffrei  

"Weder PAKs noch Weichmacher sollten in Olivenöl enthalten sein", kritisiert VKI-Ernährungswissenschafterin Mag. Nina Zellhofer. "In jedem Öl sind ein bis drei Weichmacher nachzuweisen. Insbesondere Altis, Natürlich für uns und Rapunzel fallen negativ auf. Hier wurde der für Lebensmittel festgelegte Migrationswert von 1,5 mg/kg überschritten."  

PAK wiederum finden sich zwar mittlerweile überall in der Natur und somit auch in dengetesteten Olivenölen. Bei der Anzahl gibt es aber große Unterschiede: Im besten Fall stecken nur vier verschiedene PAK im Öl (Altis, Conte de Cesare, Echt Bio), im schlechtesten ist es ein Cocktail von insgesamt sieben Substanzen (Bertolli, Ja!Natürlich und Natürlich für uns). Zellhofer: "Damit zeigt sich, dass es durchaus Hersteller gibt, die in der Lage sind, die Belastung gering zu halten."

Gutes Olivenöl zum Diskonterpreis?

Echt Bio, erhältlich bei Penny, erzielte als bestes Produkt im Test eine "gute" Gesamtwertung. Mit 7,99 Euro pro Liter liegt es im preislichen Mittelfeld der 15 getesteten Olivenöle. Diese sind im Handel zwischen 3,45 und 12,98 Euro erhältlich. Aber lässt sich um einen solchen Preis gutes Olivenöl produzieren und nachhaltig wirtschaften?

Bis ein Ölbaum Früchte trägt, dauert es Jahre und selbst dann wirft dieser nicht mehr als 20 Kilo Oliven ab. Für einen Liter Öl braucht es aber fünf Kilogramm Früchte, ergo macht dies vier Flaschen Olivenöl pro Baum. "Bezieht man sämtliche Kostenfaktoren mit ein, die sich bei Produktion, Transport und Vertrieb ergeben, stellt sich die Frage, wie dies bei einem Preis um rund vier Euro machbar ist", so Floss.

"Zumindest eines ist aber sicher: Mindere Oliven-Qualitäten zu verarbeiten, mit unerlaubten Mitteln nachzuhelfen und darauf zu hoffen, dass es die Kunden nicht merken, ist der falsche Weg."

Presse VKI/AN

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