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Leben 18. Oktober 2011

Ungesunde Parallelgesellschaften

Patienten mit gesundem Lebensstil meiden erstaunlicherweise die mit schlechtem.

Am Europäischen Gesundheitsforum in Gastein wurde dieser Tage eine Studie veröffentlicht (Edelman Health Barometer), wonach Angehörigen und Freunden genauso viel Verantwortung für die persönliche Gesundheit beigemessen wird, wie Ärzten oder Personen anderer Gesundheitsberufe. So weit, so logisch.

Ein Drittel der Befragten, vor allem solche, die einem gesunden Lebensstil frönen, gehen allerdings einen Schritt weiter, distanzieren sich von Bekannten mit ungesundem Lebensstil und meiden den Kontakt. Dieses Ergebnis hat soziale Sprengkraft. Denn wie weit geht die Distanzierung? Rückt man ängstlich beiseite, wenn sich der gute alte Freund beim Treffen in der Konditorei zwei(!) Stück Würfelzucker in den Kaffee gibt? Wird man unter einem fadenscheinigen Vorwand das Treffen abbrechen? Ignoriert man die nun folgenden Anrufe des Freundes, legt man sich gar eine Geheimnummer zu? So kann es bald zu Ghettobildungen kommen, zur Bildung von Parallelgesellschaften: Straßenzüge, in denen die ungesunden Patienten leben, voll von Fast-Food-Lokalen, Kaffeehäusern und Cocktailbars. Und Gegenden, in denen man ausschließlich Gemüsehändler und Fitness-Center vorfindet.

Anscheinend ist der ungesunde Lebensstil ansteckend. Schließlich hat er in manchen Ausformungen weitaus mehr Sex-Appeal, als die Kasteiung sportlich-drahtiger Gesundheitsfanatiker. Dies sind die Patienten, vor denen uns unsere Ärzte immer gewarnt haben. Pflegt man einen solch schlechten Umgang, so darf man sich nicht wundern, in die kriminelle Szene von Cremetörtchen hineingezogen zu werden.

Nehmen wir also derartige Umfragen zu Herzen und trennen die Spreu vom Weizen: schaffen wir zwei separate Eingänge mit zwei Wartebereichen, damit sich ja niemand an den Ungesunden ansteckt.

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