zur Navigation zum Inhalt
 
Leben 15. Oktober 2011

Schulbeginn beim Medizinnachwuchs

Dieser Tage sieht man die jungen und hoffnungsfrohen angehenden Mediziner mit ihren Schultüten in die Universität gehen.

Wobei auf den Hochschulen Schultüten traditionell eher geraucht, denn aufgegessen werden. Der Anblick der Jungen lässt ein wenig nostalgische Gefühle aufkommen: Das erste Mal im weißen Mantel, stolz ausgeführt auf der Währingerstraße vor dem Anatomischen Institut. Dann die schreckliche Erkenntnis, dass auch die Verkäuferin in der Bäckerei gegenüber einen weißen Mantel trug.

Der Geruch des Formalins, der auf den Händen und im Gewand mindestens genauso hartnäckig haften blieb, wie in den Leichen. Die erste Konfrontation mit Schmiergeldern, die den Prosekturgehilfen in Form alkoholischer Getränke zur Herausgabe der Prüfungspräparate brachte. Die Berge an Büchern, die man in diesem Umfang im bisherigen Leben lediglich als Aufstiegshilfe zum Glühbirnenwechseln verwendet hat, und die es nun galt, auswendig zu lernen.

Was ist hängen geblieben? Und wie viel Wissen haben wir in der Universität liegen gelassen? Schließlich beeindruckt es den Patienten zwar, dass man ihm alle Austrittstellen der Hirnnerven sowie deren Endverästelungen aufsagen kann wie den Zauberlehrling, doch wenn es darum geht, seinen gemeinen Schnupfen zu kurieren, hat er wahrscheinlich ähnlich viel Ahnung wie wir.

Missglückte Kommunikation ohne Konsequenz

Grundlagen zu beherrschen, ist wichtig. Immerhin sollte man als Mediziner wissen, dass das Herz zumeist eher links, das Hirn zumeist eher oben und das Fersenbein eher unten liegt. Doch vielleicht kann man bereits ganz früh in der Anatomie lernen, was in der Praxis von einem erwartet wird: Zu kommunizieren. Der Vorteil ist, dass man bei Toten nicht nur unbeschadet den Nervus ischiadicus durchschneiden kann, sondern dass auch eine missglückte Kommunikation keine weiteren Konsequenzen für den Leichnam hat. Die künftigen Patienten werden es danken.

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Mehr zum Thema

<< Seite 1 >>

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben