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Foto: Burghardt Bodenwinkler
Robert Pfaller lehrt Philosophie an der Wiener Hochschule für angewandte Kunst und wartet mit dem neuen Buch Wofür es sich zu leben lohnt auf.
Foto: Peter Rigaud Foto: Ricardo Herrgott Foto: Peter Rigaud Foto: Mattias Ziegler Foto: Ricardo Herrgott

Faces of Ätiophien Äthiopien liegt weit weg. Kein Grund, vor der Hungersnot in dem afrikanischen Land die Augen zu verschließen. Sagt sich jedenfalls die Hilfsorganisation „Menschen für Menschen“, und das sagen sich nun auch vier bedeutende Fotografen, die den Reinerlös aus dem Verkauf ihrer Afrika-Bilder, die derzeit in der Wiener Galerie Westlicht (Benefizgala: 13. Oktober) gezeigt werden, dieser Organisation zur Verfügung stellen.

Herznovelle Julya Rabinowich 160 Seiten, € 16,40 Zsolnay Verlag, 2011 ISBN 978-3-552-06158-3 Die Ich-Erzählerin packt ihre Sachen, denn sie muss ins Krankenhaus, zu einer Herzoperation. So fängt die Herznovelle von Julya Rabinowich an. Es geht um einen entscheidenden Eingriff, doch der ist der Autorin, 1970 in St. Petersburg geboren und seit 1977 in Wien wohnhaft, nur wenige Zeilen wert. Fast nebenbei erfahren wir: Alles ist gut gegangen. Das Herz schlägt wieder ordentlich. Doch die Welt ist für unsere Hauptperson nun nicht mehr so, wie sie einmal war. Denn sie kennt bloß noch ein Verlangen: den Menschen wieder zu sehen, der ihr das Leben gerettet hat, ihren Operateur – gleichzeitig wird ihr Bernhard, ihr Mann, zunehmend fremd. Vom Herzleid zum Herzschmerz. Bei unserer Ich-Erzählerin liegt eine Art zwanghaftes Verhalten vor. Das Herz wird traditionell als Sitz der Gefühle verstanden. Und die Novelle lässt sich so lesen, dass die Autorin uns sagen möchte, dass das Herz entgegen einer weit verbreiteten Sicht gerade unter Ärzten mehr ist als ein reines Organ und dass ein Eingriff in dieses Zentrum beim Betroffenen für gewaltige Gefühlsturbulenzen sorgen kann. Die Novelle fällt insbesondere durch ihre eigenwillige Form auf. Rabinowich unterteilt die Handlung in mehrere kleine Blöcke, in die sie wiederum lyrische Passagen einstreut. Für ihren Erstling, den Roman Spaltkopf, hat Rabinowich den Rauriser Literaturpreis erhalten.

 
Leben 11. Oktober 2011

Plädoyer gegen Maßlosigkeit in der Mäßigung

Philosophische Betrachtungen zu Glamour, Genuss und Großzügigkeit.

Robert Pfaller, Professor für Philosophie, nimmt in seinem neuen Buch Wofür es sich zu leben lohnt Stellung gegen den „Beleuchtungswechsel“, gegen den seiner Ansicht nach sich seit Mitte der 90er Jahre vollziehenden Verfall sinnlicher, lebensgesättigter Tugenden.

 

Wir sollen regelmäßig Sport machen und auf unsere Blutfett-Werte achten. Wir sollen uns kalorienarm ernähren und den Cholesterinspiegel niedrig halten. Wir sollen, wenn überhaupt, Alkohol nur in Maßen trinken und von Zigaretten ganz die Finger lassen.

Ärztliche Empfehlungen

Ärzte kennen diese Empfehlungen nur zu gut, geben sie sie doch ständig an ihre Patienten weiter. Allerdings: Besteht das Leben tatsächlich nur aus Soll-Regeln? Dieser Frage geht Robert Pfaller in seinem Buch Wofür es sich zu leben lohnt. Elemente materialistischer Philosophie (S. Fischer Verlag) nach. Und der Professor für Philosophie an der Universität für angewandte Kunst Wien kommt zu einer eindeutigen Antwort: Eine Maßlosigkeit gäbe auch in der Mäßigung, betont er: „Ohne die Verrücktheit der Liebe, die uns gerade die sperrigen Eigenschaften geliebter Personen anbeten lässt; ohne die Unappetitlichkeiten und Schamlosigkeiten der Sexualität; ohne die Unvernunft unserer Ausgelassenheiten, Großzügigkeiten, Verschwendungen, unserer Geschenke, Feierlichkeiten, Heiterkeiten und Rauschzustände wäre unser Leben eine abgeschmackte Abfolge von Bedürfnissen und – bestenfalls – ihrer stumpfen Befriedigung; eine vorhersehbare, geistlose Angelegenheit ohne jegliche Höhepunkte, die insofern mehr Ähnlichkeit mit dem Tod hätte als mit allem, was den Namen des Lebens verdient.“

Hand aufs Herz, wäre das nicht tatsächlich eine Horrorvision: Bei der Hochzeitsfeier gibt es keinen Sekt, sondern ausschließlich Multivitaminsaft. Und beim Essen mit Freunden ausschließlich rohes Gemüse, weil das angeblich so gesund ist. Ein ziemlich armseliges Leben wäre das doch.

Erfülltes Leben

Unser aller Ziel, sagt Pfaller, kann nicht ein möglichst langes Leben sein, vielmehr ein geglücktes, erfülltes. (Wenn es zudem lang ist, umso besser.) Dazu gehöre auch, hin und wieder aus den geordneten Bahnen auszubrechen und über die Stränge zu schlagen. Den Rotwein zu genießen und einen tiefen Zug aus der Zigarette zu nehmen. Denn: Die Gedanken sollen nicht immer nur bei den Gesundheitsrisiken sein, sondern auch einmal bei den Wonnen des Augenblicks.

Eine sich insbesondere auf Epikur berufende philosophische Abhandlung, die eindeutig Partei nimmt gegen verbissene Tugendwächter. Und die das dionysische Prinzip hoch leben lässt, nach dem Motto: „Her mit dem schönen Leben!“

Von W. Müller , Ärzte Woche 41 /2011

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