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Leben 28. September 2011

Land der Ärzte

Die Bundeshymne-Diskussion zur Würdigung der „großen Töchter“ sollte um den Aspekt der „großen Ärzte“ erweitert werden.

Land der Berge, Land am Strome …“ (muss man eigentlich auch aufstehen, wenn man die Bundeshymne nur liest?). Die Hymne ist neben „Skifoan“ und „Zipfl eini, Zipfl aussi“, sicher eines der bekanntesten Lieder in der Alpenrepublik. Die ersten Verse kennt man als gelernter Österreicher, so man kein Spieler in der Fußballnationalmannschaft ist.

Die Zeile „Heimat bist du großer Söhne“ hat allerdings, wie wir wissen, im vergangenen Jahr auch einige Töchter auf die Barrikaden steigen lassen, die zu Recht ihr Recht auf Nennung einfordern. Auch wenn einige ewig gestrige Chauvis die Töchter nicht in dieser Zeile sehen wollen und ein paar Spitzfindige meinen, dass es ohnehin schon „die Bundeshymne“ und nicht „der Bundeshymne“ heißt, so wird diese Änderung kommen. Die Töchter sind auch eine sprachlich akzeptable Lösung, zumal man ein Binnen-I schwer singen könnte.

Nun treten aber im Sog dieser Entwicklung auch berufliche Interessensgruppen auf den Plan. Denn das „Lied Nummer Eins“ wimmelt von Anspielungen auf Berufe und deren Werkzeug (Lehrer glauben etwa, in der Zeile „viel geprüftes Österreich“ gewürdigt zu sein).

Doch längst sind wir kein Land der Arbeiter und Bauern mehr. Wir sind auch ein Land der Ärztinnen und Ärzte! Also streiten wir uns nicht über so logische Dinge, wie die Bundeshymne zu gendern. Sparen wir uns lieber unsere Energien dafür auf, die wirklich wichtigen Dinge im Leben anzugehen: Nämlich die Mediziner auch in der Hymne fest verankert zu wissen.

Denn ohne uns Ärzte gäbe es unser Volk sicher nicht in der Form. Wir haben sicherlich mehr zum Fortbestand der Österreicher beigetragen, als so mancher Künstler. Dass wir nicht mehr reimen müssen „Heimat kannst Du so frohlocken, Land der Schwindsucht und der Pocken“ – ist ein Verdienst nicht zuletzt österreichischer Ärzte!

Ob nicht auch die Rot-Weiß-Rote Fahne weniger vom weißen, mit Blut getränktem Umhang von Leopold dem Fünften stammt, sondern von einem Arzt, der beim Aderlass etwas unsauber gearbeitet hat? Waren nicht Hammer und Sichel, die sich in den Krallen des Bundesadlers befinden, die ursprünglichen Werkzeuge der Orthopäden? Und weist ein „Volk begnadet für das Schöne“ nicht eindeutig auf die plastischen Chirurgen aus unseren Reihen hin? Problematisch vielleicht der Reim auf „Ärzte“ – ein „Land, das schmerzte“, „ein Volk, das scherzte“ …? Vielleicht statt „Land der Hämmer“ eher „Land der Reflexhämmer“ oder besser das „Stethoskop“ reinbringen – das würde sich auch reimen auf „Misanthrop“, dann hätten wir diesen typischen Österreicher endlich auch drin.

Möge die bessere Interessensvertretung beim Kampf um einen Platz in der Hymne gewinnen, eben heiß umfehdet, wild umstritten.

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