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Leben 26. September 2011

Weltverhütungstag: 62 Prozent beim "ersten Mal" ungeschützt

Eine zuverlässige Verhütung ist wichtig, um nicht ungewollt schwanger zu werden - wer glaubt, dass Teenager diese Erkenntnis in die Praxis umsetzen, wenn es "zur Sache geht", irrt. Weltweit betrachtet, verzichten zahlreiche Teenager beim ersten Sex mit ihrem neuen Partner auf wirksame Verhütung. Österreichische Jugendliche heben sich da kaum von den Jugendlichen Thailands, Chinas, Mexikos, der Türkei oder Chile ab.

 

Simples "vergessen" 

62 Prozent gaben einer Umfrage des Meinungsforschungsinstitutes tsn healthcare an, beim ersten Mal mit einem neuen Partner Partnerin gänzlich auf Verhütung verzichtet zu haben. Als Hauptgründe für ihr Verhalten werden simples Vergessen (20 Prozent), die in diesem Moment mangelnde Verfügbarkeit eines Verhütungsmittels (21 Prozent) und Trunkenheit (24 Prozent) genannt.

Falsche Meinung zu Kondom

Eine Online-Befragung der Österreichischen Gesellschaft für Familienplanung (ÖGF) zeigt, dass 80 Prozent der Mädchen beim "Ersten Mal" zum Kondom greifen, die Pille dagegen erst drei bis sechs Monate danach genommen wird. In Wahrheit schützt das Kondom zwar als einziges Verhütungsmittel vor einer HIV-Infektion, ist aber nachweislich zur Verhinderung einer Schwangerschaft nur bedingt geeignet: bis 14 Frauen von 1000 werden schwanger, obwohl ihr Partner ein Kondom verwendet hat. Im Vergleich dazu sind es bei der kombinierten Pille nur 3 von 1000 Frauen, die trotz korrekter Anwendung schwanger werden.

Knapp 30 Prozent der insgesamt 202 befragten Jugendlichen sind außerdem überzeugt, dass der Coitus interruptus die beste Methode ist, um eine Schwangerschaft zu verhindern; Studien zu Folge werden bis zu 40 von 1000 Frauen, die dies mit ihrem Partner praktizieren, schwanger.

Aufklärungsunterricht verbessern 

Experten fordern daher seit Jahren eine Verbesserung des Aufklärungsunterrichts in Schulen und suchen Begründungen dafür, weshalb die existierenden Maßnahmen offenbar nicht flächendeckend greifen. Ein ganzes "Verhütungs-Maßnahmenpaket" solle geschnürt werden, um Verhütung zu erleichtern und damit unerwünschte Schwangerschaften zu minimieren, fordert beispielsweise DDr. Christian Fiala vom Ambulatorium gynmed.

In den meisten westeuropäischen Ländern sei ein derartiges Paket bereits vor mehreren Jahren umgesetzt worden. Dort sehe man, dass es weniger Schwangerschaftsabbrüche gebe als in Österreich. "Eine wirksame Maßnahme z.B. sei das Verhütungsmuseum in Wien. Die starke Nachfrage von Schulen und die positiven Rückmeldungen zeigen wie groß das Interesse von Jugendlichen ist, mehr über ihre Sexualität zu erfahren. Insbesondere wie sie sich wirksam schützen können", so DDr. Christian Fiala.

In der Schule "zu abstrakt"

Sexualpädagogin Bettina Weidinger bemängelt, dass der Aufklärungsunterricht in seiner bisherigen Form zu abstrakt ist und sich die Jugendlichen schwer tun, zwischen dem sachlichen Vortrag über Fortpflanzung und Verhütung einen unmittelbaren Bezug zu ihrem eigenen Tun und Handeln herzustellen.

Jugendliche haben viele, viele Fragen

Die Österreichische Gesellschaft für Familienplanung bietet daher seit etlichen Jahren für Schulklassen die Möglichkeit, in Krankenhäuser oder Gesundheitszentren mit Familienplanungsstellen zu kommen und sich von ÄrztInnen - GynäkologInnen und UrologInnen - aus erster Hand informieren zu lassen. "Ich erkläre beispielsweise, wie ein Besuch beim Frauenarzt abläuft oder - für die Burschen - ein Besuch beim Urologen, und die Jugendlichen haben Gelegenheit, offen Fragen zu diesen Themen zu stellen", erläutert Dr. Claudia Linemayr-Wagner, Präsidentin der Österreichischen Gesellschaft für Familienplanung.

"Die Jugendlichen waren alle immer höchst interessiert, höchst aufmerksam und haben viele, viele Fragen gestellt. Das zeigt mir deutlich, dass diese Themen weder zu Hause in den Elternhäusern, noch in der Schule in ausreichendem Maße behandelt werden."

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