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Leben 22. September 2011

Vom Spitalskompass bis zum Patientenkompass

Wie man mithilfe des Internets durch den Dschungel des Medizinsystems kommt, ohne die Orientierung zu verlieren.

Unter einem Spitalskompass versteht man …

1. ein Gerät, das verirrten Patienten im Krankenhaus hilft, wieder ihre Station zu finden?

2. ein Gerät, das verirrten Ärzten nach 48-Stunden-Dienst hilft, den Ausgang zu finden?

3. ein Gerät, das verirrten Chirurgen hilft, den Wurmfortsatz zu finden?

Tatsächlich soll dieses nette von hoch offizieller Stelle publizierte Tool – www.spitalskompass.at – orientierungslosen Patienten und deren Ärzten den Weg zum geeignetsten Spital weisen. Per Klick kann man im Internet das ideale Krankenhaus fürs persönliche Zipperlein ausfindig machen und auch nachlesen, wie viel Erfahrung ein Haus mit diesem speziellen Wehwehchen hat.

So kann man etwa sehen, in welchem Tiroler Krankenhaus man sich seine Alkoholvergiftung behandeln lassen kann. Immerhin acht Spitäler stehen dafür bereit. Wünscht man als Patient jedoch zusätzlich am Zimmer à la carte zu speisen und vor allem zu trinken, so muss man in ein anderes Bundesland auswandern.

Wählt man die politisch fraglich korrekte Rubrik „Schwachsinn“, den man sich in einen „Scharfsinn“ therapieren lassen möchte und hätte dazu absurderweise gerne auch eine Bibliothek im Haus, so findet man etwa im Burgenland immerhin ein geeignetes Spital.

Nicht fündig wird man jedoch, wenn man sich seine Hämorrhoiden in einem niederösterreichischen Krankenhaus operieren lassen möchte und dabei als Sonderklassepatient einen Vergrößerungsspiegel im Badezimmer wünscht (um sich vom Operationsergebnis selbst überzeugen zu können).

So kann man seinen Spitalsaufenthalt bis ins kleinste Detail vorausplanen und das beste Krankendomizil finden. Man soll nicht im Nachhinein sagen können, nicht davon gewusst zu haben, dass es im ausgewählten Spital nur 8-Bett-Zimmer gibt. Allerdings hört der Kompass bei der Spitalspforte auf. Das ist schade, denn hier drinnen beginnt erst die Notwendigkeit für so ein Instrument. Insofern bitte ich, die Kompassfunktionen zu erweitern: Dann sollte man auch eingeben können, welcher Arzt zuständig, nett, empathisch oder gerade geistig abwesend ist. Was nützt einem das beste Spi- tal, wenn man den schlechtesten Mediziner erwischt? Fachliche oder menschliche Qualifikationen können angeklickt werden, der Computer spuckt aus, welcher Kollege in Fra- ge kommt und (mittels Ortungstool) wo er sich gerade aufhält. Mit dem Oberschwester-Kompass lässt sich deren Stimmung blitzschnell erkennen und die beste Zeit für Zusatzwünsche festlegen.

Aber auch die Ärzte haben mit dem Patienten-Kompass die Möglichkeit, schwierigen Patienten auszuweichen und Privatpatienten zu orten. Es sollen schließlich alle was davon haben.

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