zur Navigation zum Inhalt
 
Leben 15. September 2011

Tante ELGA zieht ein

Die elektronische Gesundheitsakte ELGA ist wieder ein Schritt weiter von der veralteten hin zur verwalteten Medizin.

Tante ELGA klingt zwar wie eine gute alte Bekannte, ist jedoch ein neu zugestoßenes Familienmitglied, das bei den alt Eingesessenen auf mehr oder weniger große Begeisterung stößt. Von „Ärztepapa Schlumpf“ wurde sie gar als „Eurofighter des Gesundheitswesens“ beschimpft. Keine nette Begrüßung. Doch wie das mit unliebsamen Verwandten so ist, lässt sie sich von Unkenrufen nicht verscheuchen und steht nun mit ihren Koffern vor der heimischen Tür. Schließlich hat Tantchen eine Menge vor und in ein paar Jahren möchte sie österreichweit nicht nur alle Medikamente, sondern auch alle Befunde und sonstigen für die Gesundheit relevanten Dinge von Patienten in ihr Tagebuch speichern.

Kurz gefasst der Vorteil der elektronischen Datenverwaltung: Der Arzt weiß auf Knopfdruck über seine Patienten Bescheid und braucht sie daher gar nicht näher ansehen. Das ist aber oft heute auch schon so. Die Nachteile: Bis den Patienten zur Identifizierung ein Chip ins Ohr geschossen werden kann, müssen die Daten von den Medizinern händisch eingetippt werden. Das ist mühsam. Zudem könnte die Speicherung der sensiblen Daten mittelfristig den „gläsernen Menschen“ zur Wirklichkeit werden. Aufgrund des Aktenaufwandes sollte man aber eher sagen: Der „parierene“ Mensch, auf gut Wienerisch „der papierlte“ („ärgern, aufziehen, foppen“, lt. österr. Wörterbuch).

Auch Hacker könnten auf die Idee kommen, geklaute Patientendiagnosen auf e-bay zu verhökern. Eine Krankengeschichte eines Abgeordneten oder eine Prominenten-Medikation ist sicher einiges wert. Datenschutz muss also bei ELGA groß geschrieben werden und Zugriffe auf die sensiblen Inhalte nur ausgesuchten Personengruppen wie Ärzten, Pflegekräften, Dienstgebern, Friseuren oder Society-Reportern gestattet werden (Wobei die Sache mit dem Datenschutz ja recht zweischneidig ist: Meist geben die Patienten mehr von sich preis, als den anderen lieb ist. Wenn sie beim Verlassen der Ordination das Arztgespräch nochmals lautstark in ihr Handy posaunen. „Ja, der Doktor hat gesagt, das ist eine Pilzinfektion. Ja, stell dir vor! Kein Verkehr in den nächsten Wochen …“. Datenschutz sollte auch dazu dienen, die Zuhörer zu schützen.)

Tante ELGA wird sich also bei uns häuslich einrichten und so rasch nicht wieder verschwinden. Seien wir also nett zu ihr und begrüßen sie artig mit einem Diener oder einem Knicks. Dann bekommen wir vielleicht auch kleine süße Belohnungen und ein wenig Taschengeldaufbesserung von ihr.

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Mehr zum Thema

<< Seite 1 >>

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben