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Permanent Error Pieter Hugo 110 Seiten Prestel Verlag, 2011 ISBN 978-3-7913-4520-8

 
Leben 27. Juni 2011

Gesundheitsgefahr wird exportiert

Aufrüttelnde Fotos von Pieter Hugo: „Permanent Error“.

Viele zeigen sich hierzulande verantwortungsbewusst. Sie laden ihren ausrangierten Computer nicht irgendwo im Wald ab, sondern entsorgen ihn ordentlich. Ein Großteil dieses Elektromülls landet aber nach wie vor in Afrika und Asien, wo er die Gesundheit der Bevölkerung schädigt.

 

Der Boden ist karg und staubig. Hier und da steigen dichte Rauchwolken auf. Brennende Autoreifen werden dazu benutzt, ausrangierte Computerteile zu verbrennen. Wie die Fotos des weißen Südafrikaners Pieter Hugo zeigen, geschieht hier, in afrikanischen Slums, die endgültige Entsorgung.

Wir haben gelernt, dass Elektromüll ordentlich entsorgt gehört. So weit, so gut. Allerdings gelangt ein großer Teil dieses Mülls nach wie vor auf dubiosen Wegen nach Asien und Afrika, wo er die Umwelt zerstört und die Gesundheit der Bevölkerung schädigt.

Umwelt- und Ärzte-Organisationen weisen seit Jahren auf diese Problematik hin. Auch die Basler Konvention verbietet den Export von gefährlichen Abfällen. Doch windige Geschäftsmacher finden immer wieder Schlupflöcher, und so floriert der Handel: Funktionierende Geräte kommen in den armen Ländern in den Wiederverkauf, der Rest wird ausgeschlachtet. Und die letzte Ausschlachtung geschieht, wie auf diesen Aufnahmen, etwa in den Armutsvierteln von Ghana: Junge Arbeiter halten an Stöcken Kabelknäuel ins Feuer, um die Kunststoffisolierung abzubrennen. Schließlich kann das Metall der Drähte noch verwendet werden. Sie arbeiten ohne Schutzmaske und ohne Schutzkleidung. Den giftigen Dämpfen unmittelbar ausgesetzt, ruinieren sie ihre Gesundheit. Vielleicht wissen sie um die Gefahr, vielleicht auch nicht. Stoisch verrichten sie ihre Arbeit – eine Alternative scheinen sie nicht zu haben.

Die Fotos haben nichts Lautes, nichts vordergründig Anklagendes. Möglich, dass sie gerade deshalb so überzeugend wirken. Und vielleicht bewegen sie ja etwas, in die Richtung nämlich, dass wir noch verantwortungsvoller mit unserem Elektromüll umgehen und ihn nicht einfach in der Dritten Welt abladen. Zu wünschen wäre es in jedem Fall.

Von W. Müller , Ärzte Woche 26 /2011

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