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Fotos (5): W. Müller
Transparent und hell: So sind nicht nur die Klassen-, sondern auch die Pausenräume. Das Schulgebäude wurde für den Mies van der Rohe Award for European Architecture nominiert.

Luftig und offen: So präsentiert sich die neue Gesundheits- und Krankenpflegeschule der Stadt Wien auf dem Areal des Kaiser-Franz-Josef-Spitals.

Auf der einen Seite grenzt die Schule an die Triester Straße, auf der anderen öffnet sie sich zur historischen Parkanlage des Spitals in Wien-Favoriten.

Zur Zeit absolvieren rund 400 Schüler in der neuen Schule ihre zwei- bis dreijährige Ausbildung zu Pflegemitarbeitern.

Andreas Lichtblau Architekt

 
Leben 21. Juni 2011

Lichtdurchflutete Klassenräume

Neue Gesundheits- und Krankenpflegeschule der Stadt Wien.

Seit September letzten Jahres ist sie geöffnet, die neu errichtete Gesundheits- und Krankenpflegeschule der Stadt Wien. Mit dem luftigen, hellen Bau auf dem Areal des Kaiser-Franz-Josef-Spitals ist dem Wiener Büro Lichtblau.Wagner Architekten ein überzeugendes Kunstwerk gelungen.

 

Einen ungünstigeren Standort für eine Schule als die unmittelbare Nähe zur Triester Straße, einer der am meisten befahrenen Straßen in Wien, kann man sich kaum vorstellen. Doch das war die Vorgabe. Auf dem Gelände, wo bisher das Pathologische Institut des Kaiser-Franz-Josef-Spitals in Wien-Favoriten untergebracht war, sollte die neue Gesundheits- und Krankenpflegeschule der Stadt Wien errichtet werden. Der Wettbewerb wurde 2004 ausgeschrieben, als Sieger ging das Projekt des Wiener Büros Lichtblau.Wagner Architekten hervor. Die Architekten schufen ein Gebäude, das wie auf wundersame Weise den Lärm, den Gestank und die Hektik außen vor lässt. Eine Art Oase gleich neben einer der größten Ausfallstraßen Wiens.

Das im September letzten Jahres eröffnete Schulgebäude überzeugt durch Helle, Frische und Natürlichkeit. Zum einen erreichten die Architekten das, indem sie Grün als Leitfarbe für das Innere des Gebäudes wählten, zum anderen dadurch, dass sie die zur Straße gelegene Seite des immerhin 120 m langen Gebäudes mit einer einzigen Glasfront auskleideten. Auf den ersten Blick eine kühne Lösung, denn eher würde man an dieser Stelle eine Schallschutzmauer vermuten.

Das Glas ist so dick, dass es den Lärm fernhält. Vor dieser Glasfront sind mehrere große Bäume gepflanzt. Sie dienen in der warmen Jahreszeit als natürliche Schattenspender – das Gebäude kann ganz auf Rollos verzichten. Es kommt dennoch so viel Licht hinein, dass das Gebäude strahlend hell wirkt. Wer von innen nach draußen blickt, sieht keine Straße, sondern viel Grün.

Klassenräume auf der Parkseite

Auf der gegenüberliegenden Seite öffnet sich das Schulgebäude zu der im klassischen Pavillon-Stil errichteten Anlage des Kaiser-Franz-Josef-Spitals, das heute kurz Sozialmedizinisches Zentrum Süd heißt. Auf dieser Seite befinden sich auch die Klassenzimmer. Viel natürliches Licht fällt in die Räume, dafür sorgen Aussparungen sowohl im unteren wie auch oberen Teil der Trennwände. Künstliches Licht muss höchstens im Winter eingeschaltet werden, und das auch erst in den Abendstunden. Eine automatische Be- und Entlüftung sorgt dafür, dass der Co2-Gehalt in den Räumen niedrig gehalten wird und die Schüler nicht vorzeitig ermüden.

Platz für 600 Schüler

Die Schule ist ausgelegt für 600 Schüler – momentan hat sie rund 400 Schüler, die hier ihre zwei- bis dreijährige Ausbildung absolvieren. Vier Stockwerke weist das Gebäude auf, die von unten bis oben durchlässig sind – eine offene Halle. Die Klassenräume erinnern an Boxen. Dank der Modulbauweise ist das Gebäude offen für spätere Veränderungen. Und das ist wichtig: Denn wer weiß schon, welche Anforderungen an eine Schule in dreißig, vierzig Jahren gestellt werden?

Die Bibliothek erstreckt sich wie eine gläserne Brücke über den Eingangsbereich. Herrlich anzusehen, doch der Besucher staunt über die an der Eingangstür angeschlagene Information: Gerade zweimal in der Woche ist die Bibliothek geöffnet, für jeweils eine halbe Stunde. Sollen die Krankenpflegeschüler etwa nie in ein Buch schauen? Dieser Einwand trifft allerdings nicht die Architekten. Sie haben einen einladenden Raum geschaffen.

Von W. Müller , Ärzte Woche 25 /2011

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