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Foto: Fritz Gall
„Chirurgisch versorgte Rodel: Lachen Sie nicht. Immer noch besser, als ein Tischler schient Ihren Blinddarm.“ (Bildtext: Verein zur Verwertung von Gedankenüberschüssen).
Foto: David Staretz

„Ausgedinge-Maschine: Alte Menschen fühlen sich oft überflüssig. Hier gelingt es der Ausgedinge-Maschine, den alten Bauersleuten einen geruhsamen und ausgefüllten Lebensabend zu bieten.“

 
Leben 15. Juni 2011

Erfindungen, die keiner braucht

Das etwas andere Museum: das Nonseum im Weinviertel.

„Irgendwie, irgendwann und irgendwo wollen wir auch dem letzten Österreicher ein Lächeln entlocken.“ So steht es in den Statuten des „Vereins zur Verwertung von Gedankenüberschüssen“, der aus diesem Grund das Nonseum in Herrnbaumgarten betreibt.

 

Ein bisschen fühlt man sich an das berühmte gallische Dorf bei „Asterix und Obelix“ erinnert. Auch Herrnbaumgarten, dieser kleine Ort im Weinviertel, im Länderdreieck zu Tschechien und der Slowakei gelegen, scheint etwas anders zu ticken als das übrige Land. Das erkennt der anreisende Besucher schon daran, dass ihn Ortsschilder in allen möglichen und auch unmöglichen Sprachen, von Isländisch über Türkisch bis Chinesisch, empfangen.

Dieses Dorf gibt sich weltoffen und international. Es ist ein „verrucktes Dorf“, wie es sich selbst bezeichnet. Und als solches wird es mittlerweile auch von der Österreich Werbung prominent beworben.

Diese Wertschätzung war allerdings nicht von Beginn an da. Im Gegenteil, Anfang der 1980er-Jahre galten jene Herren (kaum Damen), AHS-Lehrer und Weinbauern im Hauptberuf, eher als spinnerte Sonderlinge, die sie sich daran machten, Dinge zu erfinden, die keiner braucht oder schlicht unsinnig sind. Beispielsweise Diätgeschirr: Die Schüssel weist unzählige Löcher auf, durch die das Essen zuverlässig auf den Tisch rinnt. Auf diese Weise nimmt der Speisende garantiert nicht zu! Und das persönliche Wunschgewicht wird gewiss in kürzester Zeit erzielt... Eine andere Erfindung ist ein Kamm, dem in der Mitte die Zacken fehlen. Geeignet für Herren mit Glatze.

Bald bekamen die Erfindungen ein festes Haus, das „Nonseum“, das inzwischen das unumstrittene Zentrum des Orts ist. „Es nützt wirklich niemandem, das aber sehr gewissenhaft und mit aller Liebe“, sagen die Betreiber, die sich irgendwann, da in Österreich nichts ohne Vereinsmeierei geht, zum „Verein zur Verwertung von Gedankenüberschüssen“ (VVG) zusammengeschlossen haben.

Antizyklisches Tun

Ohne Unterlass wird weiter nachgedacht und gebastelt und gewerkelt: Neue Dinge müssen her, die garantiert niemandem nutzen. Und sie kommen her, in so großer Zahl, dass ein Anbau mittlerweile unumgänglich wurde, der in etwa einem Jahr fertiggestellt sein soll. Das Museum wird dann größer sein und mehr Ausstellungsstücke präsentieren können.

In Zeiten, in denen wir mit Ratgeberbüchern geradezu überschwemmt werden, hat diese Art antizyklischen Tuns etwas angenehm Störrisches und Widerständlerisches – und vor allem etwas sehr Erfrischendes. Viel zu lachen gibt es in jedem Fall.

 

Nonseum Herrnbaumgarten, Poysbrunner Str. 9, 2171 Herrnbaumgarten

Tel.: 0043/2555/2737

Unsinniges und Schlechtes auseinanderhalten
„Guter Nonsens benötigt eine Art von Funktionalität und absurder Logik, die sich auf reziprokem Weg erfassen lassen. Das Wesentliche ist dabei die Gabe, Unsinniges und Schlechtes auseinanderzuhalten. Man muss die Ratio zuerst hockitzeln und sie dann mit raffiniertem Rösselsprung in die Irre führen. Dort soll sie sehen, wie sie zurechtkommt. Wenn’s trotzdem misslingt, beginnt man erneut – am besten mit einer Nachdenkpause. Aber Schlechtes bleibt schlecht, da kann man es benennen, wie man will, skurril Unsinniges hingegen kann sich bis zur Genialität erheben, wenn es denn sein muss.“ (VVG)

Von Mag. Wenzel Müller, Ärzte Woche 24 /2011

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