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Die Farben Norwegens The Colour of Norway 1943–1963 Lokke, Olav; Schulz, Isabel 116 Seiten, € 35 Hatje Cantz Verlag, 2011 ISBN 9783775726573

Risiko also bin ich: Von Lust und Last des selbstbestimmten Lebens Böckelmann, Frank 320 Seiten, € 20,60 Galiani Verlag, 2011 ISBN 9783869710341 Wir werden geboren und irgendwann verabschieden wir uns wieder aus der Welt. Wann das sein wird, weiß niemand im Vorhinein, nur, dass es sein wird. Zwischen diesen beiden Polen, zwischen Geburt und Tod, haben wir unser Leben einzurichten. Dieses Leben steckt voller Gefahren und Risiken. Gefahren lauern, Risiken werden abgeschätzt, eingegangen, getragen – oder vermieden. Doch selbst wenn wir sie bewusst umgehen wollen, bleiben wir ihnen ausgeliefert. So die zentrale These von Frank Böckelmann in seinem neuen Buch. Der deutsche Autor und Kulturwissenschaftler liefert dafür ein Beispiel: Wir gehen zur Vorsorgeuntersuchung und sind hinterher erst recht beunruhigt, weil die Diagnose diffus ist oder ein falsch-positives Ergebnis herausgekommen ist. Böckelmanns These: Ein Leben ohne Wagnis gibt es nicht. Wäre auch gar nicht lebenswert, wie er an 120 alphabetisch geordneten Einträgen (von „Alkohol“ bis „Zeitmanagement“) ausführt. Unter anderem lässt sich der Autor auch über das Rauchen aus: Natürlich, niemand bestreite, dass das gesundheitsschädlich sei. Doch schießt die Antiraucher-Kampagne, fragt der Autor, nicht über das Ziel hinaus? Denn sie verabsolutiere den Gesundheitsaspekt, so, als ob der Nicht-Raucher ewig leben würde, was natürlich nicht stimme. Geächtet werde eine Lebenshaltung, die erst einmal etwas Sympathisches habe: „Tabakstängel und Pfeifen zu schmauchen, ist ohne Ansehung der Folgen eine heilsame neuzeitliche Meditationsübung. Ich unterbreche den erwartbaren Fortgang der Dinge und gelange in den großen Atem einer Sphäre jenseits von Raum und Zeit, allerdings befristet.“ „Je mehr ich für meine Gesundheit tue, desto weniger gesund fühle ich mich“, sagt der Psychiater Klaus Dörner. Böckelmann sagt: Je mehr Vorsicht wir an den Tag legen, desto weniger kommen wir zum Leben. WM n

 
Leben 25. Mai 2011

Die Verführungskraft des Nordens

Das künstlerische Erbe von Ernst Schwitters.

Die Temperaturen steigen, und die Tage werden länger. Bald ist Sommer, bekanntlich die schönste Zeit im Jahr, weil auch Urlaubszeit. Wir werden für einige Zeit wieder den Alltag hinter uns lassen und verreisen. Wohin soll es heuer gehen? Vielleicht nach Norwegen? Die Fotos von Ernst Schwitters, im letzten halben Jahrhundert gemacht und nun vom Sprengel Museum geordnet und teilweise rekonstruiert, haben nach wie vor die Kraft, auf dieses Land Lust zu machen.

 

Ein berühmter Vater, er kann dem Sohn eine Hilfe sein, ihm gleichsam alle wichtigen Türen öffnen, er kann für ihn aber, im Sinne eines Über-Vaters, auch eine ungeheuerliche Belastung sein. Wir wissen nicht genau, wie das im Fall von Kurt und Ernst Schwitters war. Der Vater Kurt (1887–1948) war deutscher Maler und Lyriker, der bekannte Dadaist und Merz-Künstler. Sein Sohn Ernst (1918–1996) schlug auch die Künstlerlaufbahn ein. Zunächst ging es für ihn aber ums nackte Überleben: Als 15-Jähriger verließ er aus Protest gegen die Nationalsozialisten die Schule und floh Ende 1936 nach Norwegen, wohin ihm später sein Vater nachfolgen sollte.

Die Welt bereist

Tritt man in die Fußstapfen eines berühmten Vaters, wird man unweigerlich an ihm gemessen. Ein gutes Beispiel dafür sind die Kinder von Thomas Mann, die an der Übermacht des Vaters und Nobelpreisträgers zum Teil regelrecht zerbrochen sind. Ernst Schwitters entschied sich nicht wie sein Vater für die Dichtung und Malerei, sondern für die Fotografie. Zu ähnlichem Ruhm wie sein Vater sollte er es nicht schaffen, aber immerhin zu einem Auskommen, das es ihm erlaubte, im späteren Alter die ganze Welt zu bereisen.

Als Ernst Schwitters zu fotografieren begann, waren die Menschen noch hungrig nach Bildern und der Farbfilm eine so seltene wie teure Sache. In Norwegen fand er Motive vor, die für ihn fremd und gleichzeitig faszinierend waren: einsame Hochflächen, tiefblaue Fjorde, eisige Landschaften, diffuses Licht. Schwitters verdiente gutes Geld mit Dia-Vorträgen. Auf diese Weise kam er auch in Gegenden, in denen er bisher nicht gewesen war und von denen er wiederum Aufnahmen machen konnte.

Lust auf Norwegen

Zehntausende Aufnahmen sind auf diese Weise zusammengekommen. Das Sprengel Museum hat sie nun gesichtet, geordnet und teilweise rekonstruiert. Das Erbe ist gerettet, und dass es im Laufe der Jahrzehnte nichts von seiner Verführungskraft eingebüßt hat, davon kann sich jeder selbst überzeugen. Die Bilder machen nach wie vor Lust auf den Norden.

Von Mag. Wenzel Müller, Ärzte Woche 21 /2011

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