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Foto: Mike Etnier, U. Washington
Prof. Ben Fitzhugh sammelt Kohleproben auf einer archäologischen Fundstätte, die Rückschlüsse auf die Lebensumstände geben können.
Foto: Matt Walsh, U. Washington.

Die Kurileninseln gehören zu den nebligsten Regionen der Erde. Die Forscher fahren auf Schiaschkotan.

 
Leben 6. April 2011

Wo der Mensch überleben kann – und wie

Im japanisch-russischen Grenzgebiet liegen die katastrophengeschüttelten Kurilen, eine Inselgruppe, deren Bewohner immer wieder unmenschlichen Bedingungen trotzten.

Nordöstlich von Japan befinden sich die Kurilen, eine abgelegene Region, die immer wieder durch Erdbeben, Tsunamis und Vulkanausbrüche bedroht wird. Nicht nur diese ständige Gefahr macht die Inselgruppe unwirtlich, sondern auch steile Klippen, dichter Nebel und lange, frostige Winterperioden. Anthropologen untersuchen nun, wieso und wie Menschen dort überhaupt je überleben konnten.

 

Die Bewohner der Kurilen, einem Archipel, das sich von Japan nach Russland erstreckt, haben schon einiges mitgemacht. Heute leben nur noch wenige Menschen dort, aber das war nicht immer so: vor 8.000 Jahren waren die Inseln hartnäckig und rege bevölkert, trotz der immer wiederkehrenden Naturkatastrophen.

„Wir wollen wissen, wie widerstandsfähig Menschen sind”, sagt Prof. Ben Fitzhugh, Anthropologe an der Universität Washington. „Wir betrachten die Inseln als Maßstab für die menschliche Fähigkeit, sich anzusiedeln und durchzuhalten."

Fitzhugh leitet ein interdisziplinäres Forschungsprojekt, das der Geschichte der Bewohner der zentralen Kurilen – von Urup bis Onekoten – auf den Grund geht. Auf ihren Expeditionen fand sein Team etliche Spuren ehemaliger Jäger und Sammler: kleine Grubenhäuer, Tongefäße, Steinwerkzeug, Harpunenspitzen mit Widerhaken.

Die Forscher fanden Hinweise darauf, dass nach Vulkanausbrüchen und Tsunamis die Menschen ihre Siedlungen zwar verließen, danach aber wieder zurückkehrten. Entscheidend für das Leben waren dabei immer Beziehungen, Mobilität und Wissen über die Umwelt. Verwandte und Freunde auf anderen Inseln nahmen Menschen aus den anderen Inseln, die von einem Unglück heimgesucht worden waren, auf. Auch wenn Nebel und Dunkelheit die Sicht verschlechterten und das Navigieren zwischen den Inseln erschwerten, hatten die Menschen offenbar kein Problem, sich zu orientieren: Sie müssen über Strömungen, Verhalten von Vögeln im Flug und Wassertemperaturen in der Region genau Bescheid gewusst haben.

Dass die Inseln heute nicht mehr so bevölkert sind wie zu Urzeiten, führt Fitzhugh weniger auf das Klima zurück als auf soziale und politische Umstände, wie etwa den Kurilenkonflikt zwischen Japan und Russland, einen Grenzstreit um die Kontrolle über die Inseln.

 

 

Das Projekt im Internet: http://depts.washington.edu/ikip/index.shtml

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