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Fotos (2): Wien Museum / Hertha Hurnaus
Blick in den Salon des Haydnhauses.
 
Leben 3. März 2009

Von London nach Gumpendorf

Neue Dauerausstellung im Wiener Haydnhaus: Die letzten Jahre des Komponisten.

Die Mariahilfer Straße: Wiens bedeutendste Einkaufsmeile. Wo heute das innerstädtische Leben pulsiert, waren vor gar nicht so langer Zeit noch Wiesen, Felder und Gärten. Hier, in Gumpendorf, damals noch äußere Wiener Vorstadt, wo Obst, Gemüse und Wein angebaut wurden, bezog im Jahr 1797 Joseph Haydn (1732–1809) ein kleines Haus. Seine letzten 12 Lebensjahre sollte der damals schon berühmte Komponist hier verbringen, bis zu seinem Tod im Jahr 1809. Das war vor genau 200 Jahrhundert, und anlässlich dieses Jubiläums wurde sein einstiger Wohnsitz, das heutige Haydnhaus, umfassend renoviert und nun mit neu gestalteter Dauerausstellung wiedereröffnet.

 

Das Mozart-Jahr liegt hinter uns, heuer steht das Haydn-Jahr an. Sehr viel haben wir davon noch nicht mitbekommen. Doch im Frühjahr wird es losgehen, mit Konzerten, Ausstellungen und Symposien, die dem wohl Unbekanntesten aus dem Dreigestirn der Wiener Klassik (Haydn-Mozart-Beethoven) gewidmet sind. Der Schwerpunkt der Veranstaltungen wird im Burgenland liegen, insbesondere in Eisenstadt, wo Haydn drei Jahrzehnte lang (1761–1790) als Kapellmeister in den Diensten des Fürsten Nikolaus I. Esterhazy stand. Wien wird sich dagegen zurückhalten und ein eher bescheidenes Haydn-Programm fahren, hat dafür aber mit der Neugestaltung und Wiedereröffnung des Haydnhauses, seit 1899 Gedenkstätte, das Festjahr gewissermaßen eingeläutet.

Komponist der „Kaiserhymne“

Im Erdgeschoss des Museums sind Stadtporträts von Wien und London zu sehen, die dem Besucher die Lebenswelt von damals nahe bringen. Haydn erlebte in seinem Haus die Belagerung Wiens durch die Truppen Napoleons – unter diesem Eindruck schrieb er zusammen mit dem Dichter L.L. Haschka das Lied „Gott erhalte den Kaiser“, die „Kaiserhymne“. Zu der Melodie verfasste Heinrich Hoffmann von Fallersleben später einen anderen Text – die heutige Bundeshymne von Deutschland, was manchen Österreicher noch heute schmerzt.

London kommt zu Ehren, weil das die Stadt ist, in der der Komponist die Jahre davor gelebt hatte. Auf diesen Künstler trifft dieses Klischeebild nicht zu: Zu Lebzeiten verkannt, nach dem Tod verehrt. Im Gegenteil, Haydn hatte Erfolg, und ihm war ein Lebensabend ohne Geldsorgen vergönnt. Noch als 74-Jähriger verspürte er geradewegs jugendliches musikalisches Temperament: „Gewöhnlich verfolgen mich musikalische Ideen bis zur Marter; ich kann sie nicht loswerden, sie stehen wie Mauern vor mir. Ist es ein Allegro, das mich verfolgt, dann schlägt mein Puls immer stärker, ich kann keinen Schlaf finden. Ist es ein Adagio, dann bemerke ich, dass der Puls schneller schlägt. Die Phantasie spielt mich, als wäre ich ein Klavier.“

Haydn wurde 77 Jahre alt – für damalige Verhältnisse ein geradezu biblisches Alter. Er war 24 Jahre vor Mozart geboren und hat ihn um fast 18 Jahre überlebt.

Kurator Hanak-Lettner: „Obwohl er sich in London sehr wohl gefühlt hat, hat er sich beim Komponieren über den Lärm in der Metropole an der Themse beklagt. Es ist möglich, dass dieser Lärm Haydn dazu bewogen hat, auch in Wien in die Vorstadt zu ziehen. Jedenfalls bot ihm die Vorstadt Gumpendorf ein ideales Heim, es war ruhig und dennoch in der Nähe der Stadt.“ Zu Haydns wichtigsten Alterswerken, die er in seinem Gumpendorfer Haus schuf, gehören „Die Schöpfung“ (1796-1798) und „Die Jahreszeiten“ (1799-1801). Im ersten Stock der Ausstellung sind Noten, Urkunden, Geschenke und Haydns Fortepiano ausgestellt. Die Ausstellung lebt aber nicht allein von der Aura dieser Objekte – für den Besucher gibt es auch einen Multimedia-Guide mit Musikbeispielen und Hintergrundgeschichten. Und demnächst wird ihm auch der Garten im Hof des Haydnhauses offen stehen, der im Augenblick mit den Wiener Stadtgärten ganz im Stil des bürgerlichen Gartens um 1800 angelegt wird. Eröffnung ist Ende Mai – rechtzeitig zum Todestag des Komponisten.

 

Haydnhaus: 1060 Wien, Haydngasse 19, Di bis So: 9 bis 18 Uhr. Tel: 5961307

Fotos (2): Wien Museum / Hertha Hurnaus

Blick in den Salon des Haydnhauses.

Abbildung des Hauses in der Vorstadt Windmühle in Wien, in welchem Haydn am 31. Mai 1809 starb, und in dem am 1. Juni 1840 die Trauer- und Erinnerungsfeier stattfand.

Von Mag. Wenzel Müller, Ärzte Woche

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