zur Navigation zum Inhalt
Foto: Niko Havranek © MUMOK/Florian Pumhösl
Besucher der aktuellen Ausstellung „Florian Pumhösel“ im Wiener Museum Moderner Kunst.
Foto: www.lukasbeck.com

Karola Kraus, seit Herbst 2010 hat sie im MUMOK das Sagen.

 
Leben 16. März 2011

Von Baden-Baden nach Wien

Karola Kraus: neue Direktorin des Museums Moderner Kunst.

Im Herbst letzten Jahres wurde Karola Kraus zur neuen Direktorin des Museums Moderne Kunst in Wien ernannt. Noch ist es ruhig um sie. Bei der jüngsten Ausstellungseröffnung in ihrem Haus hatte sie eine ihrer ersten öffentlichen Auftritte.

 

Diese Frau hat den größten Stress. Ist neu in der Stadt und hat nun 150 Mitarbeiter unter sich. In das ungewohnte Wohn- und Arbeitsumfeld muss sie sich erst einmal einleben.

Spuren von Anspannung und Arbeitsüberlastung? Überhaupt nicht. Karola Kraus macht einen überaus entspannten Eindruck. Schüttelt Hände, plaudert, lacht. Wenig später wird es offiziell. Sie nimmt vorne am Podium Platz, neben sich ihre Kuratoren. Kraus eröffnet die Pressekonferenz zur neuen Ausstellung im Wiener Museum für Moderne Kunst (MUMOK), genau genommen sind es nicht weniger als vier, die an diesem Tag gleichzeitig eröffnet werden.

Eine ihrer ersten öffentlichen Auftritte. Im Herbst letzten Jahres wurde Kraus, 1961 in St. Georgen im Schwarzwald geboren, zur neuen Direktorin des MUMOK ernannt. Bis jetzt trat sie in der Öffentlichkeit kaum auf, was zum einen daran liegt, dass im MUMOK noch bis zum Sommer das Programm ihres Vorgängers Edelbert Köb läuft, und zum anderen daran, dass sie bis vor kurzem außerdem ihren Verpflichtungen als Direktorin der Staatlichen Kunsthalle Baden-Baden nachkommen musste. Diese Tätigkeit ist nun mit ihrer Mitte Februar eröffneten Ausstellung „Daniel Buren: Allegro Vivace“ beendet, seitdem braucht sie nicht mehr zwischen beiden Städten hin und her zu pendeln, kann sich ganz auf ihre Arbeit in Wien konzentrieren.

Kraus setzt ihre Lesebrille auf, die ist schwarz wie ihre Kleidung. Ganz in Schwarz sind auch die Kuratoren gekleidet – nicht nur das Team dieses Hauses, sondern alle Kunstwelt favorisiert diese Farbe.

Die neue Direktorin macht es kurz und bündig. Keine große Rede. Ihren vorbereiteten Text liest sie vom Blatt. Sie bedankt sich bei Künstlern und Kuratoren, bei Partnern und Sponsoren. Es geht nicht um sie, angenehm hält sie sich zurück. Und tapfer hält sie auch durch, als einer ihrer Kuratoren zu einem endlosen Monolog der gefürchteten Art, nämlich im verschwurbelsten Kunsthistoriker-Deutsch, ansetzt.

Schon früh kam Kraus mit Kunst in Kontakt. Ihre Eltern, Anna und Dieter Grässlin, betätigen sich als Sammler vor allem des deutschen Informel. Künstler gingen in ihrem Elternhaus aus und ein. Und dann gab es noch Martin Kippenberger, der auf die gleiche Schule wie sie ging und mit dem sie, wie sie der Wiener Stadtzeitung Falter erzählte, ebendiese öfters schwänzte. Man hatte ja Wichtigeres zu tun: sich über Kunst zu unterhalten. Es hat sich gelohnt: Er wurde erfolgreicher Maler, sie arbeitet sich in der Kunstwelt immer weiter nach oben: 1999 Leitung des Kunstvereins Braunschweig, 2006 Baden-Baden, 2010 Wien.

Unter den Journalisten entdeckt Kraus den Künstler Florian Pumhösel. „Florian, Du hast eine Super-Arbeit geleistet“, ruft sie plötzlich aus, und plötzlich ist auch ihr badischer Dialekt deutlich zu hören, den sie bis dahin versteckt hielt. Ihr Ausruf ist spontan, echte Freude, keine Attitüde. Ihr bekannt guter Kontakt zu Künstlern war mit ein Grund, wieso die Wahl der österreichischen Kulturministerin Claudia Schmied auf sie fiel.

„Museum der Wünsche“: der Titel steht schon fest, der Vernissagetermin auch: 10. September 2011. Mit dieser Ausstellung wird sich Kraus vorstellen. Ein halbes Jahr bleibt bis dahin, Zeit, die sie nutzen möchte, um mit ihrem Team Konzepte auszuarbeiten. So viel verrät sie jetzt schon: Satt vieler kleiner Ausstellungen soll es in Zukunft eher weniger und dafür größere geben, die sich über alle Etagen des Hauses erstrecken. Bevor es soweit ist, wird das Haus aber erst einmal im Sommer für 14 Wochen für Umbauarbeiten geschlossen werden. Insofern setzt Kraus eine Tradition des MUMOK fort: Auch ihr Vorgänger ließ, bevor er mit seiner Arbeit begann, zunächst das Gebäude nach seinen Vorstellungen adaptieren. Dabei wurde es erst 2001 errichtet.

Von Mag. Wenzel Müller, Ärzte Woche 11 /2011

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Mehr zum Thema

<< Seite 1

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben