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Foto: wikipedia
In Thomas Morus‘ Vorstellung der idealen Gesellschaft „Utopia“ (von 1516) herrschte Arbeitspflicht.
Foto: Martina Kerl 2010
 
Leben 22. Februar 2011

Gesundheit als Potenzialität

Wer gesund ist, hat mehr Möglichkeiten und Freiheiten.

Gesundheit als Potenzialität ist ein Konzept, das aus der Lebenswelt der Handwerker der griechischen Polis stammt.

Für Aristoteles (384–322 v. Chr.) war Bewegung die Verwirklichung einer Möglichkeit, die Aktualisierung einer Potenz, das heißt eines Vermögens bzw. einer Befähigung.

Analog lässt sich Gesundheit als Voraussetzung dafür begreifen, etwas bewegen oder etwas tun zu können. Je gesünder man ist, desto mehr Möglichkeiten hat man.

Für Hildegard von Bingen (1098–1179) stellte Gesundheit eine „viriditas“, eine grünende Lebensfrische dar.1 Im Deutschen Idealismus wurde Gesundheit dementsprechend als Geistesfreiheit gesehen (Carl Gustav Carus, 1789–1869). In bürgerlichen Gesellschaften mit allgemeiner Wehrpflicht verstand und versteht man unter Gesundheit Wehrtauglichkeit und auf dem Arbeitsmarkt Leistungsfähigkeit als Arbeitskraft. Das Beurteilungskriterium ist hier weniger der momentane Befindenszustand, sondern das, was man in Zukunft von jemandem erwarten kann, was er vermag, welches Potenzial er hat. Für Goethe beruhte Gesundheit auf einer ständigen Metamorphose.

Für Friedrich Nietzsche (1844–1900) war Gesundheit Steigerungsfähigkeit, im Rahmen seines Konzeptes vom Übermenschen.2

Positiv bestimmt sollte Gesundheit als Verfügbarkeit über ein großes Potenzial an einer gewissen Fröhlichkeit, an Langlebigkeit, Optimismus und Ähnlichem erkennbar sein (so Roger Bacon, 1214–1292; Thomas Morus, 1478–1535; Martin Luther, 1483–1546; Johann Georg Zimmermann, 1728–1795).

1 Schipperges H (1995) Hildegard von Bingen. C.H. Beck, München, S. 69–72

2 Gerhardt V (2006) Friedrich Nietzsche, 4. Aufl. C.H. Beck, München

Der Autor ist am Institut für Geschichte der Medizin an der Ludwig-Maximilians-Universität in München tätig.

Der Originalartikel ist erschienen in: Wiener Klinische Wochenschrift 2010; 122: 538–542, © Springer-Verlag Wien 2010

Von PD DDr. Josef M. Schmidt, Ärzte Woche 8 /2011

  • Herr Der Weisheit letzter Schluss Stefan Wehmeier Es gibt keine Moral, die Intel, 30.05.2011 um 14:09:

    „"Seht, ich lehre euch den Übermenschen!
    Der Übermensch ist der Sinn der Erde.
    Euer Wille sage:
    der Übermensch sei der Sinn der Erde!
    Ich beschwöre euch, meine Brüder,
    bleibt der Erde treu und glaubt denen nicht,
    welche euch von überirdischen Hoffnungen reden!
    Giftmischer sind es, ob sie es wissen oder nicht."

    Friedrich Nietzsche: Also sprach Zarathustra

    "But please remember: this is only a work of fiction.
    The truth, as always, will be far stranger."

    Arthur C. Clarke: Vorwort zu "2001"

    Herzlich Willkommen im 21. Jahrhundert:

    http://www.deweles.de/willkommen.html“

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