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Foto: © Urban Grünfelder
Tablettenbalancierer, Keramik, Lack, 140 x 55 x 50 cm; 2010
 
Leben 15. Februar 2011

Ecce Homo – oder?

Urban Grünfelder im Kunstraum Dr. David.

Ecce homo – hier ist ein Mensch! Das ist der biblische Verweis auf das Menschliche im Transzendentalen, auf das allen Menschen Gemeinsame im Leben und Überleben. Der in Italien geborene und in Wien lebende Künstler Urban Grünfelder hat seine Bilder und Skulpturen schon sowohl im In- als auch im Ausland ausgestellt. Die nun aktuelle Kunstpräsentation „Ecce Homo – oder?“ kann ab März 2011 in Wien besucht werden und wird in Kooperation mit der Galerie Peithner-Lichtenfels durchgeführt.

 

Zahllose Darstellungen gibt es in der Geschichte der Kunst, in allen steht das Menschliche im Übermenschlichen im Zentrum des Interesses. Urban Grünfelder überhöht diese Darstellung noch einmal durch den Verzicht auf jegliche Perspektive, durch die Verabsolutierung der Verantwortung des Betrachters, der durch die Losgelöstheit der Menschendarstellung aus Raum und Zeit seine eigene Verbindung zur Existentialität herstellen muss, durch Bezugnahme zu seiner eigenen Existenz. Hier gibt es kein Berieselnlassen durch vorgegebene Interpretationen.

Bilder wirken auf das Gefühl

Durch die großen monochromen Flächen wirken die Bilder direkt auf das Gefühl, senden Wellen aus, die wie die Lichter im Hintergrund einer Bar Stimmungen erzeugen, denen man sich nur mit Mühe entziehen kann.

Wie im Platon’schen Höhlengleichnis werden wir allerdings auch aufgefordert, die Schatten zu deuten und mit Seele und Sinn zu versehen. Unser Auge gibt der Fläche Räumlichkeit – und lassen Sie uns nicht vergessen, dass die Netzhaut der einzige Teil des Nervensystems ist, den man ohne Verletzung von außen sehen kann, ein Teil des Gehirns. Und unser Gehirn gibt der Statik Bewegung.

Skulpturen – hochgradig ambivalent provozierend

Gegensätzlich dazu und doch verwandt die Skulpturen von Urban Grünfelder: auch hier oft monochrom, hochglanzpoliert, herausfordernd und doch nur eine vorsichtige Begegnung zulassend. Messerschmitt’sche Grimassen, kombiniert mit Körpern, die durch ihre kühle Glätte und ihre teils erotische Vieldeutigkeit hochgradige Ambivalenz provozieren: berühren und nicht berühren, hinsehen und nicht hinsehen, assoziieren und gleichzeitig die Assoziationen zensurieren – alles das gleichzeitig zu spüren und sich darauf einzulassen, stellt eine Verführung dar.

Grünfelder hat sich von seinen Lehrern gelöst: von Prachensky zwar den Kanon der reinen Farben mitgenommen, aber den Strich zugunsten der Fläche verlassen; bei Rainer das Spiel zwischen Figur und Hintergrund gesehen, aber die Mehrdeutigkeit der Übermalung zugunsten der Vieldeutigkeit der Kippfigur (Figur/Hintergrund-Phänomen) überwunden; von Gironcoli die Freude am Volumen der Plastik gewonnen, aber der seriellen Automatik den individuellen Ausdruck vorgezogen. Trotz seiner relativ kurzen Biografie (Urban Grünfelder wurde 1967 in Brixen geboren) blickt er auf eine lange Liste von Ausstellungen im In- und Ausland zurück.

Die aktuelle Präsentation wird in Kooperation mit der Galerie Peithner-Lichtenfels durchgeführt.

 

 

Die Vernissage der Ausstellung „Ecce homo – oder?“ im Kunstraum Dr. David in 1130 Wien, in der Jagdschlossgasse 6, wird am Freitag, den 4.3.2011, in der Zeit von 18.00 bis 21.00 Uhr von Georg Peithner-Lichtenfels und dem Kunsthistoriker Gerhard Kahlhammer gemeinsam eröffnet und ist bis Ende Mai, Donnerstag von 17.00 bis 19.00 Uhr, zugänglich.

  • Frau margot huber, 21.02.2011 um 19:31:

    „Urban Grünfelder ist ein grosser Künstler, leider oftmals verkannt, aber ständig auf der Suche nach neuen Wegen Dinge neu zu betrachten. Er hat viel Zeit damit verbracht, Nein zu Gesellschaft zu sagen... er identifiziert sich mit den wichtigstens Themen der Gesellschaft...
    Gefühl, Vertrauen, sexuelles Verlangen,und auch Liebe .... alles ist nicht rational! Man sollte ihn selber fragen, was ihn dazu bewegt?

    Eine Freundin“

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