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Leben 15. Februar 2011

Maugham über Maugham

"Es muss ein Fehler von mir sein, dass mich anderer Leute Sünden nicht sonderlich schockieren, es sei denn, ich bin persönlich davon betroffen, und selbst in solchen Fällen habe ich inzwischen gelernt, sie gewöhnlich zu entschuldigen. Es ist nicht gut, von anderen allzu viel zu erwarten. Man sollte dankbar sein, wenn sie einen anständig behandeln, aber gelassen reagieren, wenn man schlecht behandelt wird."

"Man darf alles, nur nicht unklar schreiben. Nichts spricht gegen Klarheit, und gegen Einfachheit nur, dass sie eventuell trocken wirkt. Dieses Risiko kann man getrost eingehen, wenn man bedenkt, wie viel besser es ist, glatzköpfig als mit einer Lockenperücke herumzulaufen."

"Wohl die meisten Menschen finden es anregend und erholsam, sich miteinander zu unterhalten. Für mich ist es immer eine Anstrengung. Als ich jung war und stark stotterte, strengte mich langes Sprechen enorm an, und noch heute, da ich in gewissem Maße geheilt bin, strengt es mich an. Für mich ist es eine Erleichterung, wenn ich gehen und ein Buch lesen kann."

"Bis das Alter meine Wanderlust dämpfte, liebte ich das Reisen. Ich liebte das Gefühl der Freiheit von Verantwortlichkeit, das es mir gab. Es schien mir damals, als breite sich die Zeit niemals so weit vor uns aus wie auf einer Reise, und wenngleich man vielleicht nur wenig von dem tut, was man sich vorgenommen, so hat man doch das Gefühl, für alles Muße zu haben. Man hat lange, leere Stunden, die man vertrödeln kann, ohne die unbehagliche Gewissheit, dass die Zeit flieht und kein Augenblick vergeudet werden darf. Ich kann sehr wohl ohne Komfort auskommen, wenngleich ich den Reisenden für einen Dummkopf halte, der sich nicht so viel davon sichert wie möglich."

"Ich begann mit dem Stückeschreiben, vermutlich wie die meisten jungen Autoren, weil es mir leichter erschien, zu Papier zu bringen, was die Menschen sagten, als eine Geschichte zu konstruieren."

Aus: W. Somerset Maugham. Leben und Werk. Diogenes Verlag, 2010

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