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Foto: wikipedia

Darstellung der heiligen Katharina von Siena mit Stigmata (Ölgemälde von Giovanni Battista Tiepolo, um 1746)

 
Leben 15. Februar 2011

Gesundheit als Transzendenz

Enthaltsamkeit und Spiritualität als Schlüssel zum Heil.

Gesundheit als Transzendenz fasst all die philosophischen, religiösen, spirituellen, mystischen und asketischen Konzepte von Gesundheit zusammen.

 

Für Diogenes (ca. 400–328 v. Chr.) bestand das gesündeste Leben bzw. Verhalten in Askese, die jedoch immer auch mit einer gewissen sozialen Gleichgültigkeit verbunden war.

Windstille des Geistes

Für die Stoiker (etwa Zenon, ca. 336–264 v. Chr.) war Apatheía, das heißt Leidenschaftslosigkeit, und für Epikur (341–270 v. Chr.) Ataraxía, die Windstille des Geistes, der gesündeste Seelenzustand.

In der römischen Stoa (Seneca, 4 v. Chr. – 65 n. Chr.; Marc Aurel, 121–180) bestand das Ideal in „Tranquillitas animi“, also in Ruhe des Geistes und der Seele, erreicht durch Selbstbeherrschung. Epiktet (50–138) forderte: „sustine et abstine“, das heißt „halte aus und halte ab“.

In der frühchristlichen Tradition der „Christus-medicus“-Bewegung wurde Gesundheit als Gottesnähe gesehen und durch Nachfolge Christi zu verwirklichen gesucht.1

Nach Avicenna, dem persischen Arzt und Gelehrten (980–1037), gelingt die Heilung der Seele nur durch Erkenntnis.

In der Renaissance suchte man durch mystische Steigerung den „Leib der Gnade“ zu erlangen (nach Johannes Trithemius, 1462–1516). In der Frauenmystik des 12.–14. Jahrhunderts (Elisabeth von Schönau; Katharina von Siena) jubelten Mystikerinnen geradezu über Schmerzen, Leiden und Blutungen.

Pfeile Christi im Körper

Diese Leiden wurden als Pfeile Christi im eigenen Körper verehrt, durch die man ihm nah geworden sei und auf diese Weise spirituell gesunde.2

1 Sauser E (1992) Christus Medicus – Christus als Arzt und seine Nachfolger im frühen Christentum. Trierer theologische Zeitschrift – Pastor Bonus 101: 101–23
2 Beyer R (1996) Die andere Offenbarung. Mystikerinnen des Mittelalters. Fourier, Wiesbaden

Der Autor ist am Institut für Geschichte der Medizin an der Ludwig-Maximilians-Universität in München tätig.

Der Originalartikel ist erschienen in: Wiener Klinische Wochenschrift 2010; 122: 538–542, © Springer-Verlag Wien 2010

Von PD DDr. Josef M. Schmidt, Ärzte Woche 7 /2011

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