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Foto: wikipedia
Louis Pasteur legte den Grundstein zur Keimtheorie und begründete die Mikrobiologie (1822-1895).
Foto: Martina Kerl 2010
 
Leben 25. Jänner 2011

Gesundheit als Kampf

In dieser Vorstellung schwingt die Hoffnung auf einen endgültigen Sieg über Krankheiten mit.

Ein ganz entgegengesetztes Konzept zur Vorstellung von „Gesundheit als Harmonie“ ist „Gesundheit als Ergebnis von Kampf“.

 

Je nach zugrunde gelegter Ontologie können zum Beispiel gute und böse Götter oder Dämonen gegeneinander kämpfen, wie etwa in der alt-persischen Kultur des Parsismus. Den Hintergrund bildete dort der Glaube, dass alles Schlechte in dieser Welt – auch Krankheit und Leiden – durch den bösen Dämon Ahriman in die Welt komme, der aber schließlich durch den guten Gott Ahura Mazda zu besiegen sei.1

Auf die Medizin übertragen, würde dies bedeuten, dass die Aussicht bestehe, eines Tages alles Krankhafte und Bedrohliche endgültig besiegt und vernichtet zu haben, was ewiger Gesundheit gleichkäme. Dieser Grundgedanke lässt sich ebenso auf den Bereich des Psychischen, Religiösen oder Politischen anwenden. Jedesmal folgt daraus die Abwehr feindlicher Einflüsse, die die eigene Integrität und Gesundheit gefährden.

Dieselbe Grundhaltung findet sich aber auch in sämtlichen Keim-Theorien der Medizingeschichte, von den ersten Beschreibungen von Wurm-Krankheiten im alten Ägypten und China2 bis zur heutigen antibiotischen und antiviralen Ära.

Im Rahmen eines vor allem im 19. Jahrhundert gesteigerten Nationalismus der Staaten des alten Europas führte dieselbe Grundeinstellung zu einer Angst vor Überfremdung durch politische Fremdeinflüsse, so dass man entsprechende gesundheitspolitische Gegenmaßnahmen ergriff, die Volksgesundheit vor drohender Dekadenz zu bewahren und die Wehrhaftigkeit zu stärken, etwa durch Abhärtung, Polemik gegen Tee und Kaffee als Nationalseuchen, gegen ausländische Speisen und Getränke usw.3

1 Stausberg M (2005) Zarathustra und seine Religion. C.H. Beck, München 2 Unschuld PU (1980) Medizin in China. Eine Ideengeschichte. C.H. Beck, München 3 Bergdolt K (1999) Leib und Seele. Eine Kulturgeschichte des gesunden Lebens. C.H. Beck, München, S. 273–6, 310–5

Der Autor ist am Institut für Geschichte der Medizin an der Ludwig-Maximilians-Universität in München tätig.

Der Originalartikel ist erschienen in: Wiener Klinische Wochenschrift 2010; 122: 538–542, © Springer-Verlag Wien 2010

Von PD DDr. Josef M. Schmidt, Ärzte Woche 4 /2011

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