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Foto: Isadora Tast
Indien: Dieser Kontinent zieht Leute an, die auf der Sinnsuche sind, die dem westlichen Leben den Rücken kehren wollen, die möglicherweise im Hinduismus ihre neue spirituelle Heimat gefunden haben. Der Bildband Mother India von Isadora Tast (Peperoni Book

Götterspeisen Katja Sindemannn Mit Fotos von Christine Wurnig 190 Seiten, € 25 Metroverlag, 2010 ISBN 9783993000202 Essen kann mehr sein als nur Nahrungsaufnahme. Nämlich Bitte um Schutz, Dank für Nahrung und Einkommen, Ritual zur Stärkung des Gemeinschaftsgefühls. Diese und andere Bedeutungen hat es jedenfalls in den Religionen der Welt. Welche Gebote Hinduismus und Buddhismus, Judentum und Christentum vorschreiben, zeigt dieser Band. Dabei kommt die kulinarische Seite nicht zu kurz. Rezepte laden zum Nachkochen ausgewählter „Götterspeisen“ ein. WM n

 
Leben 18. Jänner 2011

Über Gott und die Welt

Ausstellung im Deutschen Hygiene-Museum: „Kraftwerk Religion“.

Das Deutsche Hygiene-Museum in Dresden ist das meistbesuchte Museum im deutschsprachigen Raum. Gewiss, weil es sich als „Museum vom Menschen“ definiert und so im wahrsten Sinne alle Menschen anspricht. Eine aktuelle Sonderausstellung fragt nach der religiösen Bindung des Menschen.

 

„Es ist wichtig zu wissen, dass das Leben – jedenfalls für mich – nicht mit dem Tod endet, sondern dass wir auch über die Grenze zum nächsten Leben gehalten sind. Ich hatte eine Brustkrebserkrankung, und dieser Gedanke – ,Du kannst nicht tiefer fallen als in Gottes Hand‘ – war für mich tragend.“ Das sagt Dr. Margot Käßmann, ehemalige Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland. Der Glaube als wertvolle Stütze. Diese Position kommt in der aktuellen Ausstellung „Kraftwerk Religion“ im Deutschen Hygiene-Museum Dresden zu Wort – aber auch die Gegenposition: Gott als bloße Illusion, die der Mensch sich selbst schafft. Was stimmt nun? Gibt es Gott oder nicht? Eine endgültige Antwort will und kann das Dresdner Museum, das im Übrigen das meistbesuchte Museum im deutschsprachigen Raum ist, nicht geben. Dieser säkulare Raum versteht sich vielmehr als Plattform, wo unterschiedliche Ansichten in geistlichen Fragen zusammenkommen und diskutiert werden können.

Einst stand das 1922 gegründete Hygiene-Museum ganz im Dienst der Gesundheitsaufklärung, bot mit seinem berühmten Ausstellungsobjekt „Der gläserne Mensch“ dem staunenden Publikum einen Einblick ins Körperinnere, informierte über das gefährliche Treiben von Viren und Bakterien, gab handfeste Tipps, wie sich jedermann vor Ansteckung schützen kann. Inzwischen ist fast ein Jahrhundert ins Land gegangen und das Hygiene Museum hat mittlerweile seine programmatische Ausrichtung geändert. Zwar ist ihm Gesundheit und Wohlergehen des Menschen nach wie vor ein Anliegen, doch von der früheren Praxis der plakativen Aufklärung hat es sich verabschiedet. Heute versteht es sich als eine kulturelle Institution, als ein „Museum vom Menschen“, als „ein offenes Diskussionsforum für alle, die an den kulturellen, sozialen und wissenschaftlichen Umwälzungen unserer Gesellschaft am Beginn des 21. Jahrhunderts interessiert sind“, so die Selbstdefinition im Web.

Wissenschaftliche Evidenz

Die jetzige Sonderausstellung greift ein in der Tat aktuelles Thema auf, man denke nur an die uns bewegenden Auseinandersetzungen über Burka-, Kopftuch- oder Minarettverbote oder an die neuen Veröffentlichungen von Richards Dawkins und Stephen Hawking, die keine der Gotteshypothesen gelten lassen.

Die Zeit liegt hinter uns, da die Kirche in unseren Breiten bestimmte, wie wir zu leben haben. Heute ist der Glaube kein Gebot mehr. Wir leben in einem säkularen Zeitalter: Staat und Kirche sind getrennt, jedenfalls formal, mit dem zentralen Grundsatz der freien Religionsausübung. Ein Verdienst der Aufklärung.

In der wissenschaftlichen Medizin geht ein aktueller Trend in die Richtung, nur noch evidenzbasierte Daten gelten zu lassen. Was schon problematisch genug ist, denn damit wird alles, was sich nicht so leicht in Zahlen und Tabellen transferieren lässt, von vornherein abgewertet.

In der Frage, ob Gott existiert oder nicht, ist bislang jeder wissenschaftliche Beweis ausgeblieben. Hat also der überzeugte Naturwissenschaftler damit auch die Existenz Gottes in Abrede zu stellen? Wenn er sein Weltbild als Erklärungsmodell absolut setzt und nur das gelten lässt, was sich auch beweisen lässt, muss die Antwort konsequenterweise „ja“ lauten.

Normen fürs Leben

So weit gehen die meisten Wissenschaftler jedoch nicht. Sie trennen streng zwischen privat und Beruf. Privat können sie durchaus an ein höheres Wesen glauben – geht es in diesem Fall doch auch mehr um Vertrauen. Um ein „Vertrauen auf das, was umfassender ist als das, was ich wahrnehmen kann“, wie die Wiener Katholikin Ursula Baatz in ihrem Katalogbeitrag schreibt. Viele Gläubige berichten in der Ausstellung von besonderen Seinserfahrungen und spirituellen Erlebnissen, die sie ihre religiöse Überzeugung finden ließen. Für sie als Privatmensch können solche Erlebnisse Realitätscharakter haben, doch als Wissenschaftler dürfen sie sie nicht zulassen – was deutlich zeigt, dass sie in ihrer beruflichen Arbeit immer nur einen Teil der Wirklichkeit, nämlich den eindeutig verifizierbaren, erfassen. Manche machen nun den Fehler, dass sie diesen Ausschnitt bereits für das Ganze halten.

Ein religiöser Mensch lebt in einem vorgegebenen Rahmen. Er hat sich an die Gebote und Verbote seiner Religion zu halten. Für den Muslim ist der Koran, für den Christen die Bibel und für den Juden der Talmud verbindlich (für den Hindu gibt es keine vergleichsweise bindende heilige Schrift). Jede Religionszugehörigkeit bedeutet eine gewisse Einschränkung – angefangen schon beim Essen, so ist etwa Schweinefleisch für Muslims und Juden tabu –, sie bedeutet aber zugleich auch einen Halt. So zeigen Untersuchungen, dass gläubige Menschen gegenüber nichtgläubigen weniger unter Depressionen leiden. Kein Wunder, sehen sie doch ihr Leben mehr oder weniger von einem übernatürlichen Wesen gelenkt, mag das nun Gott oder Allah genannt werden.

Dagegen sieht sich der nichtgläubige Mensch eher verantwortlich für sein eigenes Schicksal. Sein Verstand sagt ihm: Es gibt keinen Gott. Und damit auch keine Normen, an denen er sich orientieren kann? Tendiert er zu einem unsozialen Verhalten? Nein, schreibt der Soziologe Prof. Dr. Günter Kehrer in seinem Katalogbeitrag: „Atheisten sind geborene Zweifler. Nur in einem Prozess der offenen Auseinandersetzung mit anderen, ebenfalls zweifelnden Menschen kann es gelingen, vorläufige, immer revidierbare Übereinkünfte darüber zu erreichen, welche Normen gelten sollen, um ein gutes Leben zu ermöglichen. Wir haben nur dieses eine Leben. Es gut und schön zu gestalten, so dass wir sagen könnten, es möge doch verweilen, ist das Ziel allen Handelns.“

Wellness – Religion

Meditation, Reiki, Yoga – der Übergang von Wellness zum Religiösen ist in unserer Zeit fließend. Kommt der Mensch eigentlich als areligiöses Wesen auf die Welt und findet über Erziehung und seine Mitwelt erst zu seinem Glauben? Oder hat er von Anbeginn einen Glauben, dem der Atheist schließlich und oft in einem mühsamen Prozess wieder absagt? Auch auf diese Frage hat die Wissenschaft bisher keine endgültige Antwort gefunden.

 

Deutsches Hygiene-Museum Dresden: „Kraftwerk Religion“. Ausstellung bis 5. Juni 2011, Lingnerplatz 1, 01069 Dresden

Von Mag. Wenzel Müller, Ärzte Woche 3 /2011

  • Frau Papst Joseph Ratzinger Benedikt XVI, 05.02.2011 um 09:55:

    „Es gibt keinen Gott. Er ist nur eine Verschwörungstheorie, ein SPambot der CIA und der Ottakringer Brauerei. <a href=http://irgendwer.podspot.de/post/turingtest/#comments> Das hat Alan Turing wissenschaftlich bewiesen</a>“

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