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Foto: Mag. Wenzel Müller
Die Gemeinschaftspraxis MedizinMariahilf bietet ihren Patienten Abwechslung – nämlich ständig wechselnde Ausstellungen im Wartezimmer.
 
Leben 23. November 2010

Kunstgenuss für den Patienten

Das Wartezimmer als Ausstellungsraum.

Eyes on – Monat der Fotografie: Im Augenblick finden rund 200-Fotoausstellungen in Wien statt. In Museen und Galerien – und auch in einer Arztordination, der MedizinMariahilf.

 

Der Name Wartezimmer sagt es bereits: Hier warten die Menschen. Hier haben sie Zeit. Hier sind sie für jede Form von Ablenkung empfänglich, wenn nicht sogar dankbar, denn die Menschen warten nicht auf den Zug, sondern auf ihren Termin bei dem Herrn oder der Frau Doktor. Der Anlass ist somit in der Regel kein erfreulicher. Sie kommen, weil sie ein Problem haben und auf Hilfe hoffen.

Wer in die Arztordination kommt, ist üblicherweise vor allem mit sich, das heißt seinem Leiden beschäftigt. Abstand gewinnen und entspannen, das ist nicht nur ein wichtiger Schritt auf dem Weg zur Genesung. Das ist auch wichtig, damit die Wartezeit in der Ordination nicht unendlich lang wird.

Aus diesem Grund legen Ärzte in ihren Wartezimmern gerne Zeitschriften aus. So tut es auch Dr. Franz Mayrhofer, doch er geht noch einen Schritt weiter: Er nutzt sein Wartezimmer für wechselnde Kunstausstellungen, und das bereits seit über zehn Jahren. Im Augenblick präsentiert er Fotoarbeiten mit dem Thema Paris von Peter Hassmann, eine Ausstellung, die auch im Rahmen von „Eyes on – Monat der Fotografie“ stattfindet. Somit sind nicht nur Museen und Galerien Austragungsorte für die derzeit rund 200 Foto-Ausstellungen, sondern auch eine Arztordination, gar eine der ersten Gemeinschaftpraxen für Allgemeinmedizin in Wien, denn Mayrhofer arbeitet seit 1. Juli dieses Jahres nicht mehr allein, sondern hat sich einen jüngeren Kollegen, Dr. Wolfgang Mückstein, mit ins Boot geholt.

MedizinMariahilf, so heißt ihre Gemeinschaftspraxis: Die neue Organisationsform bedeutet für Mayrhofer, zwar nicht weniger, dafür nun entspannter arbeiten zu können. „Der Druck ist weg. Die Verantwortung liegt nicht mehr allein auf meinen Schultern. Wir arbeiten nun im Team und können vieles gemeinsam besprechen“, sagt der 56-jährige Arzt.

Bei allen Änderungen im Ordinationsalltag – die Öffnungszeiten wurden etwa in die Abendstunden ausgeweitet –, die Tradition der wechselnden Kunstausstellungen soll beibehalten werden. Handelt es sich dabei doch, möchte man es in der Sprache der Wirtschaft ausdrücken, um eine klassische Win-Win-Situation. Der Künstler erhält eine Ausstellungsmöglichkeit. Und die Patienten, insbesondere die Stammpatienten, können sich darüber freuen, dass ihnen so etwas wie Abwechslung im Wartezimmer geboten wird, nämlich immer wieder neue Kunstwerke. Kunstwerke, die auch käuflich zu erwerben sind, dazu müssen Interessenten allerdings selbst Kontakt mit dem Künstler aufnahmen.

Keine Hobbymaler

Mayrhofer legt Wert auf gute und wertvolle Kunst in seinen Räumlichkeiten. „Die klassischen Hobbymaler haben bei mir keine Chance“, betont er. Mayrhofer ist nicht nur der Sprecher Grüne Ärztinnen und Ärzte, sondern auch selber ambitionierter Maler. „Ich spiele nicht Golf, ich habe keine Yacht, meine Leidenschaft ist die Malerei.“ Eine Leidenschaft, der er sich nun, seit er die Ordination nicht mehr alleine führt, wieder vermehrt zuwenden kann. Hofft er zumindest.

 

MedizinMariahilf: Galerie Warteraum, Mariahilferstr. 91/6, 1060 Wien

Paris-Bilder
„1965 war ich das erste Mal in Paris, eine Leica war meine Begleiterin. Die Schwarzweißfotografien stammen aus dieser Zeit. Später in den 80er-Jahren entstanden die Bilder für ein Buch, das ich im Auftrag von Rizzoli Editore fotografierte. Die bewegten Bilder, unscharf, verwischt, entstanden im April 2009, stehen in Kontrast zu den Aufnahmen der Vergangenheit. Die neuen Fotografien sind Momentaufnahmen und Assoziationen der Gegenwart und der Vergangenheit zugleich… mein Paris. Das provokative Credo für meine derzeitige Arbeit lautet: „Das scharfe Bild ist die Krücke für die Blinden.“
Peter Hassmann zu seinen Fotoarbeiten, die er in MedizinMariahilf zeigt.

Von Mag. Wenzel Müller, Ärzte Woche 47 /2010

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