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Fotos (2): Georg Vinokic
Freier Fisch, Öl auf Leinwand, 200 cm x 160 cm.

Guter Fang, Öl auf Leinwand, 66 cm x 62 cm.

 
Leben 16. November 2010

Ist die Zeit gerade oder gebogen?

Malerei von Georg Vinokic.

Georg Vinokic, geboren 1965 in Novi Sad, Vojvodina, lebt und arbeitet seit 1991 als freischaffender Künstler in Wien. Seine Bilder sind von Dezember 2010 bis Ende Februar 2011 in Wien zu sehen.

 

Wien und Novi Sad liegen an den Enden der pannonischen Tiefebene, sind durch die Donau verbunden und waren – Wiener Becken und Bacˇka – Teil eines gemeinsamen geographischen Raumes. Seit Prinz Eugen bis zum Zerfall der Donaumonarchie waren sie auch Teil des gleichen Kulturraumes. Die Verbindung war damals wie heute die Donau.

Für Georg Vinokic blieb die Donau nach dem Zerfall Jugoslawiens ein verbindendes Element. Vinokic musste Novi Sad gegen seinen Willen verlassen und kam auf der Suche nach ein wenig Heimatlichkeit nach Wien. Ohne Kenntnis der Sprache war er auf eine Verständigung angewiesen, die ohne Worte auskam.

Überwindung von Grenzen

Grenzüberschreitung ist das Wesen jeder Kunst, aber gleichzeitig die Verbindung über Grenzen hinweg. So haben auch Künstler vieler Epochen versucht, die Grenzen zwischen bildender Kunst und Musik, zwischen Raum- und Zeitgestaltung zu überwinden. Gerade in Wien, wo Schönberg und Gerstl sich durch Überwindung der Harmonie in Dissonanz fanden, gestalteten der Musiker und Komponist Bernhard Gander und der Maler Vinokic ein Stück fantastischer Realität gemeinsam. Gander ließ sich von dem Bild „Melonenbaum“ inspirieren, welches wiederum zum Anstoß für einen Bilderzyklus von Vinokic wurde.

Dieses Überwinden von Grenzen, das auch dem Wesen der modernen Sozialpsychiatrie entspricht, das Eröffnen von neuen Räumen und Sichtweisen durch das Mitschwingen mit den Themen von Vinokic ermöglicht dem Betrachter, sich auf den Fluss der Harmonien einzulassen. Wasser, Fische, Boote sind es, die uns die Ölbilder vor Augen führen, verfremdet und doch vertraut, wie eben in einer fremden Sprache geäußert, aber trotzdem verständlich. So kommt auch ein Wahrnehmungspostulat der Gestaltpsychologie zur Geltung: dass wir einen Begriff wie Fluss verstehen, egal ob wir ihn sehen, plätschern oder rauschen hören, ein Bild von ihm betrachten oder die Füße hineinstecken und wissen, dass das, was wir hier in Wien spüren, auch irgendwann in veränderter Form an Novi Sad vorbeikommt. Und die Fische brauchen sich um die Grenzen ohnehin nicht zu kümmern, und um die Sprache schon gar nicht.

Raum-Zeit-Kontinuum

Der Titel der Ausstellung entspricht einer Komposition von Bernhard Gander für ein Saxophonquartett, von dem sich Vinokic berühren ließ. Dies ist im weitesten Sinn sogar physikalisch erklärbar: Malerei ist eine Kunstform, die des Raums bedarf, Fläche oder sogar Volumen einnimmt und begreifbar ist. Musik hingegen bedarf eines zeitlichen Ablaufs, einer Tonfolge und eines bestimmten Verhältnisses der Töne und Klänge zueinander. Seit Einstein wissen wir allerdings, dass es einen Übergang gibt, ein Raum-Zeit-Kontinuum, welches sich unter dem Einfluss jeder Art von Energie oder Masse krümmt. Wir bewegen uns also – ob wir es wollen oder nicht – jederzeit in den vier Ebenen dieses Raum-Zeit-Kontinuums, bestimmt durch die Energie, die uns betrifft. Vielleicht berührt und irritiert Kunst uns deswegen so, weil es uns diese existentielle Vierdimensionalität bewusst macht.

Ausstellung in Wien

Ausstellungen in Graz, Wien, Berlin, aber auch in Paris und Barcelona zeigen das vielfache Interesse an der Entwicklung des Künstlers Georg Vinokic. Knapp vor Weihnachten besteht die Möglichkeit, seine Werke persönlich kennenzulernen. Die Ausstellung im Kunstraum Dr. David im 13. Bezirk, Jagdschloßgasse 6, wird am Freitag, den 3. Dezember 2010, mit einer Vernissage eröffnet und ist bis Ende Februar 2011 donnerstags von 17 bis 19 Uhr zu besichtigen.

 

Dr. Harald P. David ist ärztlicher Leiter der Abteilung

für Forensische Psychiatrie und Alkoholkranke im Sozialmedizinischen Zentrum Baumgartner Höhe,

Otto Wagner Spital mit Pflegezentrum

Von Dr. Harald P. David , Ärzte Woche 46 /2010

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