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Foto: Jiri Havran
Foto: Gerald Zugmann
 
Leben 1. September 2010

Ein Opernhaus, dem man aufs Dach steigen kann

Das Architekturzentrum Wien präsentiert „Europas beste Bauten“.

Ein Eisberg mitten in der Stadt? Verwundert reibt sich der angereiste Besucher in Oslo die Augen. Nein, es ist kein Eisberg, sondern die Norwegische Oper. Der Bau wurde gerade mit dem Mies van der Rohe Award 2009 ausgezeichnet – das Wiener Architekturzentrum präsentiert in einer aktuellen Ausstellung diesen und andere Preisträger.

 

Die Oper ist eine elitäre Einrichtung, vorbehalten einer kleinen Schicht von musikbegeisterten Menschen. So muss es aber nicht sein und so soll es auch nicht sein. Sagte sich das norwegische Architekturbüro Snøhetta und konzipierte vor wenigen Jahren die Norwegische Oper in Oslo als offenes Haus. Tagsüber ist es frei zugänglich, der Probenraum der Tänzer besteht aus Glas und Metall und ist somit für Passanten frei einsehbar. Ein Haus, das sich nicht als Kunsttempel versteht und hermetisch abschottet, sondern im Gegenteil die Menschen hineinbittet. Oder aufs Dach, denn dem Opernhaus kann man ihm wahrsten Sinne aufs Dach steigen.

Dieses Dach besteht aus 36.000 speziell angefertigten Marmorplatten, eine schneeweiße Landschaft, die zum Spazieren einlädt. Unter den Füßen des Besuchers die Konzerthalle mit den vielen Arbeitsräumen für die insgesamt 600 Beschäftigten, über ihm der weite Himmel. Auf der einen Seite grenzt das Wasser, der Fjord, an die Oper, auf der anderen Seite das Bahnhofsgelände. Das Haus ist inmitten der alten Hafenanlage gebaut, die damit eine Aufwertung erfährt. Wie ein Eisberg ragt es aus seiner Umgebung heraus.

Nach Norwegen fährt man gewöhnlicherweise der Natur wegen. Kunstliebhaber kommen weniger auf ihre Kosten. Was hat Oslo ihm schon zu bieten? Gut, da gibt es das Munch-Museum und die Wohnung von Henrik Ibsen, in der der Dramatiker nach seiner Rückkehr nach Norwegen wohnte und die inzwischen ein Museum ist, aber damit hat es sich im Grunde auch schon. So war es bisher. Mit der Norwegischen Nationaloper ist Oslo nun um eine Attraktion reicher geworden, um ein neues städtisches Wahrzeichen. Nicht umsonst wurde der Bau nun mit dem Mies van der Rohe Award ausgezeichnet, einem der wichtigsten und prestigeträchtigsten Preise für Architektur im internationalen Wettbewerb. Das Wiener Architekturzentrum präsentiert diesen und andere Preisträger in einer Sonderausstellung noch bis 20. September.

 

Architekturzentrum Wien: Ausstellung Europas beste Bauten, Preis der Europäischen Union für zeitgenössische Architektur, Mies van der Rohe Award 2009. Museumsplatz 1, 1070 Wien, bis 20. September 2010.

Von Mag. Wenzel Müller, Ärzte Woche 35 /2010

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