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Leben 1. September 2010

Vuvuzela-induzierte Zyste

Intensives Blasen verursachte Schilddrüsenproblem.

Ein 42-jähriger Patient stellt sich mit Schluckbeschwerden und einer akut aufgetretenen schmerzhaften Schwellung der rechten Halsseite vor. Sonografisch bestätigt sich der bereits klinisch vorliegende Verdacht auf eine Schilddrüsenzyste mit einem Volumen von zirka zwei Millimeter.

 

Auf genaueres Nachfragen, ob er größere Lasten gehoben oder stärker gepresst habe, antwortet er nach längerem Nachdenken, er habe „lediglich Vuvuzela“ beim Spiel der deutschen Nationalmannschaft gegen Serbien geblasen. Mittels Feinnadelpunktion ließ sich ein bernsteinfarbener Zysteninhalt abpunktieren. Der Patient war anschließend beschwerdefrei und die Zyste verschwunden.

Ursachen der Zystenbildung

Schilddrüsenzysten können spontan auftreten. Häufig jedoch lässt sich in der Anamnese eine Ursache wie starkes Pressen oder ähnliche Gründe eruieren, die eine Erhöhung des intrathorakalen Drucks zur Folge haben. Durch Valsalva-ähnliche Manöver kommt es zu einem erhöhten zentralen Venen-druck. So wurden beim Blasen hoher Töne mit der Trompete, die wie die „Vuvuzela" zu den Hochwiderstandsinstrumenten gehört, intrathorakale Drucke von bis zu 200 cm H2O gemessen. Unter der Wirkung der hohen Thoraxdrucke ging die Herzgröße in der anteroposterioren Röntgenaufnahme bis auf ein Drittel des Ausgangswertes zurück und die Gefäßzeichnung der Lungen verschwand bis auf geringe Reste, wobei diese Veränderungen reversibel sind.1

Die Fußball-Weltmeisterschaft in Südafrika wurde akustisch dominiert vom Klang des afrikanischen Horns, genannt „Vuvuzela“. In den letzten 15 Jahren hat sich das Instrument, das ursprünglich aus dem Kuduhorn und später aus Blech hergestellt wurde, als ein Symbol der Hoffnung und Einigkeit für Südafrika entwickelt.

Starker Schallpegel

Bereits im Vorfeld der Weltmeisterschaft wurden die gesundheitlichen Folgen der dauerhaften „Vuvuzela“-Exposition kontrovers diskutiert, insbesondere hinsichtlich des Risikos einer Hörminderung. Der Schalldruckpegel der Vuvuzela kann bis zu 130 dB betragen, einem Presslufthammer entsprechend, wobei nach Bundes-Immissionsschutzgesetz bei diesem Schallpegel eine Aufenthaltsdauer von weniger als zehn Minuten zulässig ist.2

Ein weiteres gesundheitliches Problem entdeckten britische Wissenschaftler. Sie fanden heraus, dass massenweise winzige, potenziell keimhaltige Tröpfchen das Horn verlassen. Diese Aerosole seien so klein, dass sie sich stundenlang in der Luft verbreiten und das Risiko für virale Infekte deutlich erhöhten. Allerdings über das Risiko einer „Vuvuzela“-induzierten Schilddrüsenzyste finden sich in der Literatur bisher noch keine Angaben.

 

Literatur:
1 Muhar F, Coblenzer H: Atemmechanische Aspekte bei der Phonation; Lung 135; 1967; 309–321
2 Swanepoel DW, Hall JW, Koekemore D: Vuvuzela – good for your team, bad for your ears; SAMJ 100; 2010; 99–100

Korrespondenz: Dr. Kerstin Jungheim ist im Endokrinologikum Frankfurt am Main, Deutschland, tätig.

Quelle: MMW-Fortschr. Med. Nr. 28–30/2010 (152. Jg)

Von Dr. Kerstin Jungheim und PD Dr. W. Alexander Mann, Ärzte Woche 35 /2010

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