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Fluffy Clouds Jürgen Nefzger 144 Seiten, € 35 Hatje Cantz Verlag, 2010 ISBN: 9783775725989

 
Leben 25. August 2010

Die Gefahr lauert im Hintergrund

Bildband „Fluffy Clouds“.

Jürgen Nefzger zog mehrere Jahre durch Europa, um Kernkraftwerke zu fotografieren. Auf seinen Bildern fügen sie sich nahtlos in die Umgebung ein.

 

Auf den ersten Blick sind es gewöhnliche Landschaftsaufnahmen. Mal sehen wir einen Fluss, mal einen Wald, mal das Meer. Alle Fotos sind auffallend hell. Und Helligkeit symbolisiert in der Sprache der Fotografie Offenheit, Optimismus, Frische. In jedem Fall nicht Gefahr. Doch um Gefahr geht es hier, um eine, die erst auf den zweiten Blick zu erkennen ist. Auf den Fotos sehen wir im Hintergrund, oft nur schemenhaft, Kernkraftwerke, häufig auch nur deren Kühltürme, aus denen der typisch helle Wasserdampf entweicht – und der gab dem Fotobuch auch seinen Titel: „Fluffy Clouds“, was so viel wie flaumige, federweiche Wolken bedeutet.

Der seit einigen Jahren in Frankreich lebende deutsche Fotograf Jürgen Nefzger (42) ist in ganz Europa herumgereist, um Kernkraftwerke zu fotografieren. Er zeigt, wie sie inzwischen ein selbstverständlicher Teil ihrer Umgebung geworden sind.

Der Angler geht in Sichtweite eines Kernkraftwerks seelenruhig seiner Tätigkeit nach. Und die Kinder spielen so selbstvergessen am Strand, wie sie es an allen Stränden der Welt tun – das nahe Kernkraftwerk bekümmert sie nicht weiter.

Die Ruhe vor dem Sturm

Die Fotos zeigen den Alltag, die Normalität. Und gerade deshalb wirken sie leicht unheimlich. Sie haben etwas von der bekannten Ruhe vor dem Sturm, denn wir wissen nur zu genau: Der Mensch ist nicht unfehlbar und die Technik nicht störungsfrei – jeden Augenblick kann etwas passieren. Dazu bedarf es nur einer Kette von Fehlern oder sogenannten dummen Zufällen. Und ein Reaktorunfall bedeutet, das wissen wir spätestens seit Tschernobyl, gewaltige Zerstörung. Eine Zerstörung, unter der auch nachfolgende Generationen noch zu leiden haben. Die österreichische Bevölkerung hat sich gegen Kernkraftwerke im Land ausgesprochen. Doch in unseren Nachbarländern gibt es etliche Anlagen, und die von ihnen ausgehende Gefahr endet leider nicht an der Grenze.

Von Mag. Wenzel Müller, Ärzte Woche 34 /2010

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