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William Eggleston, Southern Environs of Memphis, 1969-70, Dye transfer Print.

Starburst Kevin Moore 276 Seiten, € 49, 60 Hatje Cantz Verlag, 2010 ISBN 9783775724906n

 
Leben 15. Juni 2010

Der direkte Draht zu unserem Gefühl

Die Wirkmacht der Farbe und wie sich die Farbfotografie erst spät auf dem Kunstmarkt durchsetzen konnte.

Wer eine Ordination einrichtet, wählt die Farben mit Bedacht aus, zumindest sollte er das tun. Denn Farben sprechen unmittelbar unser Gefühl an, sie können beruhigend oder aufreizend wirken. In der Fotografie kam der Farbfilm erst relativ spät auf, rund 100 Jahre nach dem ersten Lichtbild, und wie der aktuell erschienene Band Starburst zeigt, hatte es die Farbfotografie lange Zeit schwer, auf dem Kunstmarkt die gebührende Anerkennung zu finden.

 

Was ist Farbe? Nur wenige stellen sich diese Frage. Denn wohin wir auch schauen, überall ist Farbe, sie ist ein selbstverständlicher Teil unserer Umwelt. Der Sessel ist rot, der Tisch weiß und die Vase grün. Für viele ist Farbe eine Eigenschaft der Objekte. Doch da irren sie sich! Denn wie sieht der vermeintlich weiße Tisch im Dunkeln aus? Schwarz!

Die richtige Antwort lautet daher: Farbe ist Licht. Was wir als Farbe eines Objekts wahrnehmen, ist jener Anteil des Lichts, den es reflektiert, den anderen absorbiert es. Der Grad von Reflexion und Absorption wird bestimmt durch die molekulare Oberflächenbeschaffenheit des Objekts. Unser Tisch reflektiert das gesamte Spektrum des Lichts, unsere Vase nur den grünen Anteil.

Nun gibt es die unterschiedlichsten Farben: Anthrazit, Beige, Bordeaux, Ecru, Indigo, Magenta, Marone, Melba, Siena, Terrakotta, Umbra, Zyan – darunter Bezeichnungen, die mancher noch nie gehört hat, geschweige denn dass er sie genau erklären könnte. Farbe ist ein Phänomen, das schon in der Vergangenheit ganz unterschiedliche Professionen, Physiker und Dichter, Maler und Mediziner, nicht nur fasziniert, sondern auch dazu angeregt hat, eigene Ordnungssysteme zu entwerfen. So ist Goethes umfangreichstes Werk, seine Farbenlehre, vor genau 200 Jahren erschienen.

Zapfen in der Netzhaut

So unendlich viele Farben es gibt, die Sache ist doch recht einfach: Alle Farben gehen letztendlich auf die drei Primärfarben Rot, Grün und Blau zurück. Primärfarben heißen sie, da sie nicht aus anderen Farben gemischt werden können. Bei allen anderen Farben handelt es sich hingegen jeweils um Mischungen. Grün und Rot zu gleichen Anteilen zusammengebracht ergibt Gelb. Und aus Rot und Blau wird Blaurot, auch Magenta genannt.

Die Farben unterscheiden wir nicht nur nach ihrem Farbton, sondern auch nach ihrer Sättigung und Helligkeit – insgesamt gibt es Abermillionen Variationen. Wie bewältigt das menschliche Auge diese gewaltige Menge? Auch das arbeitet mit den Primär- oder Grundfarben Rot, Grün und Blau. Die Zapfen in der Netzhaut unterteilen sich in drei verschiedene Sorten, in jene nämlich, die jeweils für eine der Grundfarben empfindlich sind. Der Farbeindruck resultiert aus der anteiligen Reizung der einzelnen Zapfensorten. Werden die Zapfen für Grün und Rot zu gleichen Teilen gereizt, so meldet das Gehirn: Das Objekt ist gelb.

Das fotografische Aufnahmemedium ist an die Funktionsweise des Auges angelehnt. Sowohl der klassische Film als auch der Sensor in der Digitalkamera arbeiten ebenfalls nach dem 3-Grundfarben-Prinzip. Alle Welt fotografiert heute farbig. Das ist schon so selbstverständlich, dass wir uns kaum noch vorstellen können, dass es auch einmal eine Zeit gab, da die Welt nur in Grautönen festgehalten werden konnte. Nach dem ersten Lichtbild dauerte es immerhin fast hundert Jahre, bis der Farbfilm, Kodachrome (1935), auf den Markt kam. Es waren im Übrigen keine Chemiker und keine Physiker, denen die entscheidende Entdeckung gelungen war, sondern zwei professionelle Musiker und Hobbyfotografen: die Amerikaner Leopold Godowsky und Leopold Mannes.

Der Einzug der Farbe in die Fotografie vor etwa einem halben Jahrhundert wurde als Fortschritt gefeiert, als die Emanzipation von einer Welt in Schwarzweiß. Und natürlich: Unsere Welt ist farbig, also soll sie auch farbig wiedergegeben werden. Mit der Farbe wurde die Fotografie um eine Dimension reicher, um ein Gestaltungsmittel, das uns direkt anspricht und berührt. Vergleichen Sie die Schwarzweiß- mit der Farbaufnahme eines Babys und Sie werden erkennen: Schwarzweiß wirkt abstrakt, während Farbe das pralle Leben wiederzugeben scheint.

Jedem seine Lieblingsfarbe

Wie Farbe empfunden wird, ist erst einmal eine höchst subjektive Angelegenheit, das hängt davon ab, welche Reaktion sie im Inneren des Betrachters auslöst. Und diese Reaktion kann ganz unterschiedlich ausfallen, so unterschiedlich, wie auch Menschen sind. Jeder hat bekanntlich seine persönliche Lieblingsfarbe (von der wiederum Psychologen gerne auf den jeweiligen Charakter der Person rückschließen). Es kommt hinzu, dass die Bedeutung einzelner Farben auch von Raum und Zeit abhängig sind. So gilt in unserem Kulturkreis Schwarz als die Farbe der Trauer, in Asien ist das hingegen Weiß. Obwohl wir mit Verallgemeinerungen also vorsichtig sein müssen, so können wir wohl dennoch sagen, dass bei den meisten Menschen Rot als feurig und belebend empfunden wird und Blau eher als kühl und sachlich. Und Gelb als heiter und bejahend, dagegen Braun als schwer und erdig.

Auf dem Kunstmarkt galt die Schwarzweißfotografie bis in die 1980er-Jahre als einziger würdiger Vertreter. Denn in Farbe fotografierte die Masse. Bis das New Yorker Museum of Modern Art 1976 William Eggleston präsentierte, jenen amerikanischen Fotografen, der sich für die banale Seiten des amerikanischen Lebens interessierte und diese in leuchtenden Farben festhielt. Der Bann war gebrochen, und Farbfotografie wurde in den Rang eines Kunstwerks gehoben. Der Band Stardurst präsentiert, so der Untertitel, Color Photography im America 1970 – 1980. Wir können uns heute kaum noch vorstellen, dass diese Aufnahmen einmal höchst umstritten waren. Doch das war eben das Amerika vor 40 Jahren – der Band ist für den Betrachter nicht zuletzt auch ein Ausflug in diese vergangene Zeit.

Grundlagen und Praxis der Licht- und Farbtherapie
Dieser Kongress findet in Kooperation der Wiener Internationalen Akademie für Ganzheitsmedizin mit dem Österreichischen Institut für Licht und Farbe am 22. bis 23. Oktober 2010 im Festsaal des Bundesministeriums für Gesundheit, Radetzkystr. 2, 1030 Wien statt.

Neueste Forschungen zeigen einen ungemein starken und tiefwirkenden Einfluss von Licht und Farbstrahlung auf den Organismus.
Dies hat Konsequenzen:
• Für neue Therapieformen
• Für Lichtanwendung in Räumen und Gebäuden
Licht und Farbe haben nicht nur eine objektiv sinnesphysiologische Bedeutung, sondern auch Auswirkungen auf psychische sowie physiologische Faktoren. Aus diesem Grund können Licht und Farbe auch zu therapeutischen Zwecken eingesetzt werden. Größere internationale Veranstaltungen zu dieser Thematik haben in Österreich bisher noch nicht stattgefunden.
Im geplanten Kongress wird ein thematischer Bogen von den Grundlagen der Wirkungen von Licht und Farbe auf den Menschen bis zur Praxis der Anwendung dieser physikalischen Reize gesetzt – als Therapieform ebenso wie in der Architektur, im Wohnbereich und Lighting-Design.

Information: Gamed Akademie für Ganzheitsmedizin, , http://www.gamed.or.at, Tel: 01/ 688 75 07, Otto Wagner Spital, Sanatoriumstraße 2, 1140 Wien

Von Mag. Wenzel Müller, Ärzte Woche 24 /2010

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