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Illustration: DI Niel Mazhar
 
Leben 15. Juni 2010

Interieur-Kick-Off in Afrika

Teil 2 – Raumsafari durch Südafrika.

Nur wenige Tage und nervöse Momente trennen uns noch vom Sportereignis des Jahres: dem Finale der Fußball-Weltmeisterschaft 2010 in Südafrika. Während auf der ganzen Welt die Wohnzimmer eingefleischter Fans mit Nationalflaggen, Fotos der Fußballstars und Trikots geschmückt werden, lohnt sich auch ein Blick hinter die WM-Kulisse dieses Lands, das immer noch unter den Folgen der Apartheid leidet und als Schmelztiegel verschiedenster Volksgruppen eine unglaubliche kulturelle Vielfalt entwickelt hat.

 

Für das Sport-Großereignis des Jahres wurden mehrere neue Stadien erbaut, unter anderem das Green-Point-Stadium in Kapstadt. Vom deutschen Architekturbüro gmp entworfen, führte es bereits in der Planungsphase zu großen Spannungen und Streitereien. Ein UNO-Bericht spricht sogar von der Zwangsübersiedelung von Straßenkindern und Menschen aus Armensiedlungen der Großstädte, um Südafrika in einem besseren Licht erscheinen zu lassen. Das Land verspricht sich von dem Sportevent einen enormen wirtschaftlichen Entwicklungsschub, der helfen soll, allfällige Probleme in den Griff zu bekommen.

Dennoch ist Südafrika, die Regenbogennation, von einem Mix unterschiedlichster Bräuche und Traditionen aller Erdteile geprägt, von dem man sich inspirieren lassen sollte.

Interieur vom Kap der guten Hoffnung

Doch wie sieht südafrikanisch überhaupt aus? Ist es der Kolonialstil, den die Europäer einführten und der in Kapstadt zu finden ist, oder die besondere Ästhetik südafrikanischer Wellblechhütten, wo mit viel Farbe und Geschick raumgestalterische Kunstwerke entstehen? Oder doch eher eine Art vorkolonial-afrikanischer Stil?

Von einem einheitlichen Stil Südafrikas kann nicht gesprochen werden. Begriffe und Kategorien wie „Ethno“ oder „afrikanisch“ sind allzu verschwommen und plakativ. Versucht man aber etwas südafrikanisches Flair in die Raumgestaltung einzubringen, so ist das Schöne daran: Sie dürfen ruhig unterschiedliche Stile verschiedenster Regionen kombinieren. Wenn das Image Südafrikas vom besonderen kulturellen Mix lebt, so kann das auch nur für Ihre Räume gelten.

Wichtig ist: Haben Sie keine Angst vor Experimenten! Wenn Sie Textilmuster der Zulu mit traditionellen vorkolonialen Holzmasken kombinieren und dazu womöglich eine kleine arabische Lampe vom anderen Ende des Kontinents addieren, ist das halb so schlimm und ganz einfach Ihr ganz individueller südafrikanischer Ethno-Mix.

Orientieren sollten Sie sich dabei an einem Foto, einer Postkarte oder einem Bildband über Südafrika. Recherchieren Sie im Internet! Suchen Sie nach einem Bild, das für Sie farblich die Südafrika-Stimmung widerspiegelt, die Sie Ihren Räumen verleihen wollen. Entnehmen Sie die darin enthaltenen Farben und suchen Sie nach passendem Interieur und Accessoires, die dieser Farbkombination entsprechen. Das können klassische erdige Kolorierungen sein, in Kombination mit dunklem Holz, das dann so unbehandelt und „roh“ wie möglich wirken sollte. Auch knallige Farben, nach Art der Sonntagskleider der Südafrikanerinnen oder vom ornamentalen Anstrich traditioneller südafrikanischer Lehmhütten inspiriert, sind möglich. Dort scheut man sich nicht, satte Rot-, Gelb-, Blau- und Grüntöne miteinander zu kombinieren.

Ethnostil zeitgemäß interpretieren

Manchmal lässt sich sogar alter „Souvenirkitsch“ in ein originelles Accessoire verwandeln. Zwei knapp einen Meter große, abstrakte Ebenholzskulpturen führten jahrelang ein tristes Dasein in meinem Kellerabteil. Trotz ihrer schönen, schlanken Form wollten sie nicht so recht ins Gesamtbild passen. Als meine Wohnung schließlich einen neuen Anstrich bekam, verpasste ich auch den Holzfiguren eine neue Farbe. Die eine erhielt einen Lackanstrich in Orange, die andere in Türkis. Was ein wenig ungewöhnlich und eigenwillig aussah, passte nun auch in einen modern eingerichteten Raum. Seither erstrahlen sie alle Jahre wieder in einer neuen Akzentfarbe und bringen so ein wenig Abwechslung in die Gestaltung.

Erfinden Sie aus der Mode gekommene Mitbringsel einfach neu, bevor sie in der Ecke verstaubten. Das können auch afrikanische Holzmasken sein, die bunt eingefärbt werden und als spannende Farbkombination an der Wand wie ein modernes Kunstwerk wirken. Oder auch weiß eingefärbt an einer hell getünchten Wand, sodass sich das Kunsthandwerk nur noch sanft im Licht- und Schattenspiel abhebt und eine subtil plastische Wirkung entfaltet.

Auf ähnliche Art und Weise lässt sich auch neutrales und zeitgemäßes Mobiliar aufwerten. Stellen Sie sich einen neutral und hell eingerichteten Raum vor, darin ein einzelnes extravagant bemaltes modernes Möbelstück, mit exotischen Mustern und knalligen Farben. Das kann ein Tisch sein, ein Sessel oder auch ein Kasten. Mit frischen Ideen aus Südafrika lassen sich so auch Oberflächen moderner Möbel veredeln. Auf diese Weise kann man einer Arztpraxis einen Hauch fremder Exotik verleihen. Das sieht dann auch ganz sicher besser aus als ein paar Nationalflaggen und Fußballtrikots an der Wand

Teil 1 lesen Sie hier.

Von DI Niel Mazhar, Ärzte Woche 24 /2010

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