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Leben 1. Juni 2010

Am Rücken der Patienten ...

Warum Konflikte immer wieder auf dem Rücken unserer Patienten ausgetragen werden und ihnen die streitenden Parteien doch nicht den Buckel runter rutschen können ...

Wenn zwei sich streiten, freut sich der Dritte. Dass diese Redensart absolute Gültigkeit hat, wissen wir seit Anbeginn des Lebens. Oft kann man etwas absahnen, wenn zwei Streithanseln das eigentliche Objekt der Begierde aus den Augen verlieren: In der Tierwelt findet die Beute einen glücklichen Dritten, während sich die Erstbesitzer ineinander verkeilt haben; bei wirtschaftlichen Konflikten zweier Betriebe warten Investmentfirmen auf den fetten Brocken; und im Falle streitender Ehepartner freut sich der Scheidungsanwalt als Dritter.

Das Gesundheitssystem dürfte irgendwie die Ausnahme von dieser Regel darstellen. Denn was hat der gemeine Patient davon, wenn sich etwa Chirurg und Anästhesist nicht leiden können und sie einander, im Zuge einer Operation, jedes nur erdenkliche Hindernis in den Weg stellen, um den Kollegen zu ärgern?

Oder wie sieht es für den Patienten aus, wenn sein Arzt mit seiner Versicherung über Kreuz liegt? Wenn etwa Ärztekammer und Versicherung der Gewerbetreibenden, um ein fiktives Beispiel zu nennen, auf keinen grünen Zweig kommen und einander heftig beflegeln? Hier keimt der Zweifel, ob man nun tatsächlich der glückliche dritte Gewinner dieses Spiels ist.

Obwohl Konflikte im Medizinbereich in der Regel den Einsatz der UN-Schutztruppen nicht erfordern, stellt sich die bange Frage, zu welchen direkten Kollateralschaden diese führen.

Zwar wird gerne darauf verwiesen, dass Dispute nicht „auf dem Rücken der Patienten“ ausgetragen werden dürfen, dennoch fühlen sich alle Beteiligten darauf durchaus wohl. Und auch wenn die streitenden Parteien dem Patienten an sich „den Buckel runter rutschen“ könnten, finden sie immer einen Weg, wieder raufzuklettern, um weiterzukämpfen.

Zum Wohle des Patienten?

Ein beängstigendes Bild – hat man die wuchtigen Protagonisten der Auseinandersetzungen vor Augen. Und es wundert auch nicht, dass der Großteil der Patienten an chronischen Rückenschmerzen leidet. Dabei ist jede Seite davon überzeugt, den Kampf letztlich auch „zum Wohle der Patienten“ zu führen. Also ist die Streiterei auf dem Buckel des Patienten letztlich nichts anderes, als eine Rückenmassage. Gerade, wenn die Fronten verhärtet sind, lassen sich diese Verhärtungen durch gezieltes Eindreschen auf den Rücken lockern.

Der Rücken ist als Kampfschauplatz einfach zu gut geeignet, um ihn kampflos zu verlassen. Abweichungen nach oben oder unten führen zu Missverständnissen. Denn keine Partei möchte den Patienten in den Hintern kriechen oder im Genick sitzen. So bleibt zu hoffen, dass der breite Rücken noch eine Zeit lang hält. Ansonsten freut sich eben der Orthopäde – als Vierter.

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