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Fotos: Privat
Der große Preis von Giverny, 10, 200 x 180 cm, Öl/Nessel.

Öl auf Leila.

Martin Praska

In Wiesloch bei Heidelberg geboren. 1985-90 Akademie der bildenden Künste Wien, Diplom mit Auszeichnung, silberner Fügerpreis 1987 Arbeitsstipendium der Invest Kredit AG Malersymposium Werfen, Salzburg Auslandsstipendium Krumau, Tschechien Mitglied der Künstlervereinigung MAERZ 1998 Auslandsstipendium London 1999 Gründung der Künstlergruppe Die halbe Wahrheit 2002-04 Vorsitzender der IG BILDENDE KUNST

 
Leben 19. Mai 2010

„Ein Künstler muss den Mut zum Scheitern haben“

Besuch bei dem Maler Martin Praska.

Langjährige Leser der Ärzte Woche erinnern sich vielleicht: Vor mehr als 20 Jahren, genau am 7. Juni 1989, brachten wir ein Porträt des Malers Martin Praska. Was hat sich in der Zwischenzeit bei ihm getan? Wir haben ihn in diesen Tagen wieder in seinem Wiener Atelier besucht.

Die Wohnung war auch sein Atelier, und auf den Kästen lagerten die Bilder. So war die Situation Ende der 1980er-Jahre. Martin Praska studierte Malerei an der Hochschule für Bildende Künste und hatte seine ersten Ausstellungen. Bei einer, so berichteten wir damals in der Ärzte Woche, kaufte auch der damalige Wiener Bürgermeister, Helmut Zilk, ein Werk von ihm. War das der Beginn einer hoffnungsvollen Karriere?

20 Jahre später besuchen wir den 1963 in der Nähe von Heidelberg geborenen Maler wieder in seinem Wiener Atelier. Ja, inzwischen hat er ein eigenes Atelier, ein recht nobles zudem, am Donaukanal mit Blick auf die Wiener Innenstadt. Früher musste Praska hin und wieder Restaurierungsarbeiten machen, um finanziell über die Runden zu kommen, heute gehört er zu den wenigen Malern im Lande, die ausschließlich von ihrer Kunst leben können.

Zwischendurch Wettex-Bilder

Ist er also zufrieden? Praska schüttelt den Kopf. Ein Künstler könne nie zufrieden sein, das widerspreche seinem Wesen. Während sich beispielsweise ein Arzt mit der Zeit auf seine Routine verlassen könne, sei es für einen Maler geradezu tödlich, sich auf bewährten Rezepten auszuruhen. „Bei jedem neuen Bild sage ich mir, das muss besser werden als alle, die ich bisher gemacht habe. Das ist mein Ansporn – und ich denke, für einen Maler kann es gar keinen anderen Ansporn geben. Das schließt natürlich das Scheitern mit ein, ja, der Künstler muss den Mut zum Scheitern haben. Alle großen Künstler haben auf der Suche nach dem wahren Ausdruck auch schwächere Phasen durchlebt.“ Praska verweist in diesem Zusammenhang auf Neil Young, eines seiner Musikidole: „In den 80er-Jahren hat er fürchterliche Musik gemacht, heute macht er herrliche. Vielleicht war der Irrweg für ihn notwendig, um zu wahrer Größe zu gelangen.“

Je dicker der Farbauftrag, desto besser. Und je spontaner der Pinselstrich, desto vollkommener das Werk. Das war Praskas Maxime zu Studienzeiten. Später schuf er Wettex-Bilder – Bilder aus zerschnittenen Schwammtüchern. Heute malt er ganz fein, mit fotografischer Genauigkeit. Sein bevorzugtes Sujet sind Frauen. Auf seinen jüngsten Bildern gesellen sich Spielzeugautos dazu, woran zwei Dinge zu erkennen sind. Erstens, dass Praska den Bruch liebt. Und zweitens, dass er zu jenen Malern gehört, die nicht ihrem einmal gefundenen Stil ein Leben lang treu bleiben, sondern stets offen sind für Zeitströmungen und Impulse aus dem eigenen Leben – Praska gehört zu den Jungvätern.

Figurativ und abstrakt

Der Maler sieht eine künstlerische Herausforderung gerade in der plastischen Wiedergabe von Haut, und man erkennt an seinen Werken, dass er zu diesem Zweck die alten Meister wie Tizian genau studiert hat.

Ein anderes großes Idol von ihm ist Gerhard Richter. Der deutsche Maler ist nicht zuletzt deshalb so berühmt, weil er ganz unterschiedlich malt, mal extrem abstrakt, mal extrem figurativ. Was der Großmeister trennt, möchte Praska gerne zusammenführen, also Bilder schaffen, die zugleich figurativ und abstrakt sind. Für ihn eine Art Lebensaufgabe – das nächste Bild muss jedes Mal besser werden als das vorige.

Martin Praska: Ausstellung „Autos, Mädchen und Millionen“, in der Galerie Peithner-Lichtenfels, 1010 Wien, Sonnenfelsgasse 1, von 19. Mai bis 26. Juni 2010.

Von Mag. Wenzel Müller, Ärzte Woche 20 /2010

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