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Fotos (2): Mag. Wenzel Müller
Einst wohnte hier Adolf Hitler. Das vormalige Männerwohnheim in der Meldemannstraße, Wien-Brigittenau, ist zu einem geriatrischen Zentrum umgebaut worden.

Zum Seniorenschlössl Wien-Brigittenau gehört ein großer Park, in dem sich die Bewohner frei bewegen können.

 
Leben 12. Mai 2010

Berühmtestes Männerwohnheim der Welt nun ein Pflegeheim

Besuch im neu errichteten Seniorenschlössl Wien-Brigittenau.

Die Meldemannstraße in Wien-Brigittenau ist über die Grenzen der Stadt hinaus bekannt. Leider. Im Männerwohnheim dieser Straße hatte sich einst Adolf Hitler einquartiert. Das Haus wurde nun in ein Pflegeheim umgebaut.

 

Einst waren die Zimmer hier 1,40 Meter breit und 2,17 Meter lang. Mini-Unterkünfte also, in die nicht viel mehr als ein Bett hineinpasste. So war die Situation Anfang des vorigen Jahrhunderts, als das Gebäude in der Meldemannstraße, Wien-Brigittenau, noch ein Männerwohnheim war. Ein Männerwohnheim, das traurige Berühmtheit erlangen sollte wegen eines einzelnen Bewohners: Adolf Hitler. Er wohnte hier ab seinem 21. Lebensjahr für drei Jahre.

Im November letzten Jahres zogen nun ganz andere Bewohner in das Haus ein: Pflegepatienten. Das vormalige Männerwohnheim ist zu einem Pflegeheim umgebaut worden, zum „Seniorenschlössl Wien-Brigittenau.“ Es besteht aus zwei Trakten, dem alten Bau und einem modernen Zubau, die über Brücken verbunden sind. Alt und Neu bilden einen interessanten Kontrast: Hier der Ziegelbau, dort das mit einem Kupferimitat verkleidete moderne Gebäude.

Diese Lösung hatte sich angeboten, weil der historische Bau unter Denkmalschutz steht. Eingriffe an seiner Fassade sind nicht zulässig. Aber in seinem Inneren, und das geschah auch. Der Innenteil wurde geradewegs ausgehöhlt, um Raum für großzügig angelegte Zimmer zu schaffen.

Das Haus besteht zum überwiegenden Teil aus Einzelzimmern. Daneben gibt es auch einige wenige Doppelzimmer, für Patienten, die als Paar kommen oder die nicht allein leben wollen. Aufgenommen werden Menschen ab Pflegestufe 3, also jene Menschen, die kein eigenständiges Leben mehr führen können. Das Haus bietet Platz für 650 Bewohner. Bei Verschlechterung der Pflegestufe ist der Umzug in ein anderes Zimmer nicht notwendig.

Der moderne Trakt hat einen großen Lichthof, der nicht zuletzt zur Orientierung in dem eher verwinkelten Haus dient. In dem „Seniorenschlössl“ sind wie in anderen Pflegeheimen viele Bewohner demenzkrank. Die einzelnen Stockwerke haben ihre Namen nach berühmten Musikern, und jedes verfügt über einen eigenen Schwesternstützpunkt.

Zum Glück kein Hotel

Um das Haus ist eine Parkanlage, wo sich die Bewohner frei bewegen können. Das Tor nach draußen ist nur mit einem Nummerncode zu öffnen, eine Sicherungsmaßnahme, damit verwirrte Bewohner nicht verloren gehen.

Der Brigittenauer Bezirksvorsteher freut sich über das neue Pflegeheim in seinem Viertel. Nicht auszudenken, wenn das Gebäude zu einem Hotel umgebaut worden wäre! In dem Fall hätte es leicht zu einer beliebten Pilgerstätte Ewiggestriger werden können.

Von Mag. Wenzel Müller, Ärzte Woche 19 /2010

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