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Leben 13. April 2010

Rauchen auf Österreichisch

 Seit über einem Jahr gilt hierzulande nun schon das Anti-Raucher-Gesetz für die Gastronomie. Doch in Österreich wird bekanntlich nichts so heiß geraucht, wie es angezündet wird.

Dieser Tage zog man Bilanz. Und so richtig zufrieden mit dem halbherzigen Gesetz ist eigentlich keiner. Weder die Ärzte noch der Gesundheitsminister, auch nicht die Wirte, die Raucher und schon gar nicht die Nichtraucher. Eigentlich eine klassische Lose-Lose-Situation. Immerhin will der Gesundheitsminister strenger kontrollieren. Persönlich.

Eine andere Vorgehensweise wäre auch nicht denkbar, denn ein EU-Rauchverbot kann es hierzulande, so Rechtsexperten, aus verfassungsrechtlicher Sicht gar nicht geben. Schließlich ist schon im österreichischen Staatsvertrag das immerwährende Rauchen verankert.

Und da sich die Mehrheit der Österreicher nun gar nicht so negativ gegen das Rauchen an sich ausgesprochen hat, wird man wohl noch einige Jahre dahinwurschteln. Dabei wurschteln vor allem vier Parteien: Die Raucher, die Nichtraucher, die Wirte und die gestrengen Überwacher.

Es scheint die Quadratur des Kreises zu sein, hier alle Beteiligten zu befriedigen. Der Raucher will seine Freiheit, der Nichtraucher seine Luft, der Wirt seine Gäste und der Überwacher sein Geld. Für eine um eine Win-Win-Win-Win-Situation gäbe es mehrere Lösungsansätze:

Zum einen steht das generelle Rauchverbot im Raum, wie es die EU vorsieht. Das wird wohl früher oder später kommen. Ob dann tatsächlich nur die Nichtraucher davon profitieren oder ob selbst frierende Raucher die freie Natur zu schätzen wissen, auch qualmfreie Lokalbesitzer und reiche Überwacher glücklich sind, bleibt abzuwarten.

Variante zwei: Rauchen wird Pflicht. Auch für Nichtraucher. Dann erübrigt sich die Debatte. Gewinner wären in diesem Fall, neben den Herstellern pharmazeutischer Produkte gegen COPD und Krebs, die Wirte und die Raucher. Verlierer sind die Überwacher. Es sei denn, sie überwachen, ob auch die Kinder am Schulklo geheim nicht rauchen.

Variante drei: Die strikte Trennung. Aus Gründen der Gleichbehandlung müssen aber dann auch wirklich alle Interessensgruppen sauber voneinander getrennt werden: Hier die Raucher, dort die Nichtraucher – jeweils in einem eingezäunten Landesteil. Ein Areal nur für Wirte. Und ein Areal nur für Überwacher. Keiner kommt sich dabei in die Quere. Größe Verlierer: Wirte, die sich nur mehr gegenseitig aufsuchen können und Überwacher, die einander überwachen.

Bleibt also als vierte Option nur mehr die österreichische Wischi-Waschi-Variante. Dann sind wenigstens alle unzufrieden. Und das hat doch irgendwie bei uns Tradition.

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