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Fotos (2): Yvonne Weiler
Wie eine Landschaft, rostroter Berg, 1963, Eitempera auf Leinwand

Max Weiler an der Akademie der bildenden Künste in Wien, ca. 1970.

Der Maler Max Weiler. Das Geistige in der Natur Boehm, Gottfried 482 Seiten, € 58, 32 SpringerWienNewYork, 2010 ISBN 9783211384732 Die Monographie zu Werk und Person Max Weilers verfolgt dessen Entwicklung von den zwanziger Jahren bis zum Ende des 20. Jahrhunderts. Die erste Auflage erschien 2001 und avancierte zum beliebten Hauptwerk der Max-Weiler-Literatur. Für die Neuauflage wurden einige Kunstwerke neu fotografiert, Reproduktionen optimiert, sowie die Angaben zu den Sammlern der Bilder aktualisiert. n

 
Leben 7. April 2010

Von der Malerei nach der Natur zu einer Malerei parallel zur Natur

Max Weiler (1910-2001): Ein Klassiker der Moderne wird geehrt.

Vor 100 Jahren wurde Max Weiler geboren. Anlass für mehrere Museen, den österreichischen Maler zu feiern. Und auch für den Verlag SpringerWienNewYork, das Standardwerk Der Maler Max Weiler. Das Geistige in der Natur in einer überarbeiteten Neuauflage herauszubringen.

Im Atelier hatte er stets mehrere Whiskey-Flaschen stehen. Aber nicht, weil er dem Alkohol so zugeneigt war, sondern weil Max Weiler mit ihm seine Farben zubereitete. Der 1910 in Absam bei Hall in Tirol geborene Künstler malte sowohl auf Papier wie auf Leinwand mit Eitempera. In die Flaschen, in denen er jeweils einen Rest Whiskey ließ, gab er über einen Trichter ein Ei und zusätzlich je eine halbe Eierschale voll mit Leinenöl und Wasser. Das war seine spezielle Basis, jene Eiemulsion, die er zur Bindung der Farbpigmente benutzte. Erst der Whiskey, sagte Weiler, bringe die Farben zum Leuchten.

Von Tirol nach Wien

Wir erfahren von Weilers spezieller Zubereitungsart bei einer Führung im Essl Museum, das den österreichischen Maler in der aktuellen Ausstellung Max Weiler – Die Natur der Malerei präsentiert. Der Anlass ist der 100. Geburtstag des Künstlers (1910-2001). Weitere Ausstellungen in anderen Häusern werden folgen. Auch der Verlag SpringerWienNewYork feiert den Jahresregenten, indem er das Standardwerk Der Maler Max Weiler. Das Geistige in der Natur von Gottfried Boehm in einer neuen und überarbeiteten Auflage herausgibt.

Weiler studierte von 1930 bis 1937 Malerei in Wien. Und am selben Ort, an der Akademie für Bildende Kunst, war er auch später, von 1964-1981, als Professor tätig. Der Künstler hatte als klassischer Landschaftsmaler begonnen, wechselte aber bald darauf zu einer abstrakten Ausdrucksweise: Es war nach wie vor die Natur, die er abbildete, doch er beschränkte sich nun auf die Wiedergabe von deren elementaren Materialien und Kräften. Von der Malerei nach der Natur zu einer Malerei parallel zur Natur.

Studien auf Probierblättern

Der Betrachter kann angesichts der wie hingetupft wirkenden Farbflächen leicht den Eindruck gewinnen, dass den Bildern etwas Beliebiges, ja Zufälliges innewohnt. Der Meister selbst überließ allerdings nichts dem Zufall. Seinen Arbeiten auf Leinwand gingen Studien auf sogenannten Probierblättern voraus. Auf diesen Blättern malte er schnell dahin, seiner Intuition vertrauend, manchmal streifte er auf ihnen auch nur seinen Pinsel ab. Hinterher unterzog Weiler diese Arbeiten einer genauen Analyse. Jene Details und Ausschnitte, die ihm gefielen, übertrug er auf große Formate.

Den Kosmos einfangen

Weiler war ein disziplinierter Arbeiter. Am Morgen ging er in sein Atelier, am Abend verließ er es wieder. Ihm war wichtig, nur bei Tageslicht zu malen. Doch am Abend setzte er sich nicht etwa zur Ruh. Er arbeitete weiter, nun schreibend. Er schrieb von 1960 bis 1991 in seine Tag- und Nachthefte, in ihnen hielt er seine Gedanken über Gott und die Welt fest. „Die Tag- und Nachhefte machen die Spannung nacherlebbar, die diese Künstlerexistenz angetrieben hat“, schreibt Gottfried Boehm. Der Maler wollte letztlich nichts weniger, als den gesamten Kosmos im Bild festhalten. Inwieweit ihm, dem Klassiker der Moderne, das gelungen ist, kann jeder selbst überprüfen, in den Ausstellungen und in dem besagten Standardwerk.

Von Mag. Wenzel Müller, Ärzte Woche 14 /2010

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